Spieletest: Silent Hill 2 - Rätselraten in der Geisterstadt
So geht es nach und nach daran, dem Geheimnis der bis auf einige unangenehme Ausnahmen wie ausgestorben wirkenden Stadt auf den Grund zu kommen. Schon bald findet man in Form einer Holzlatte und einer Pistole die ersten Waffen, mit denen man sich die nicht gerade selten auftretenden Zombies vom Leibe halten kann, einige wenige im Ort zurückgebliebene gebrochene Persönlichkeiten geben einem zudem Hinweise auf die seltsamen Ereignisse, die sich hier abgespielt haben müssen.
Der Spielablauf besteht zumeist aus dem Lösen kleinerer Rätsel und einer Vielzahl recht unproblematischer Kämpfe. Die Rätsel laufen zumeist nach gängigen Schemata ab, oft müssen Schlüssel für verborgene Räume gefunden werden oder kleine Hinweiszettel verraten Codes, mit denen sich Geheimtüren öffnen lassen. Zumeist sind diese Aufgaben recht logisch strukturiert, an manchen Stellen im Spiel hat man aber auch das Gefühl, dass sich einiges recht willkürlich offenbart.
Der besondere Reiz von Silent Hill 2 liegt sicherlich an der morbiden und düsteren Präsentation: Zwar verliert die optische Pracht ein wenig durch den ständigen Nebel, der die Sichtweite oft auf das Nötigste einschränkt, die vielen Zwischensequenzen erinnern mit ihrem leichten Surrealismus und der Skurrilität der Charaktere aber häufig an von David Lynch erdachte Filme. Echte Schockmomente wie man sie etwa aus der spielerisch verwandten Resident-Evil-Reihe kennt, sind hier selten, da sich Gegner oft schon frühzeitig ankündigen, dafür erlebt man beim Spielen eine ständige leichte und durchaus angenehme Angespanntheit.
Die Steuerung ist, wie so oft bei Spielen aus der 3.-Person-Perspektive, gewöhnungsbedürftig, man muss sich zunächst in die gewünschte Richtung drehen, um in eben diese laufen zu können. Von Zeit zu Zeit versperrt eine ungünstige Sicht auch den Blick auf die Gegner, zumeist wurde die Kameraposition aber recht ordentlich gelöst. Sehr hilfreich ist, dass sich James immer in Richtung aufhebenswerter Gegenstände lehnt, so dass man bei einem aufmerksamen Spiel eigentlich nichts wirklich Wichtiges verpassen kann. Auch sehr gut ist die Kartenfunktion geraten, die etwa in Gebäuden immer anzeigt, welche Räume bereits untersucht wurden und welche nicht.
Fazit:
Wer eine Vorliebe für düstere und verworrene Geschichten hat, wird zweifellos Gefallen an Silent Hill 2 finden, in punkto Atmosphäre kann man den Entwicklern offensichtlich nicht mehr viel vormachen. Wenn das Spiel trotzdem "nur" zu den besten PlayStation-2-Titeln gehört, nicht aber wirklich ein Genre neu definiert, liegt das am recht vorhersehbaren Spielprinzip: Viel mehr als sich ähnelnde Rätsel zu lösen und immer wieder mit dem Knüppel auf Monster einzuschlagen ist meist nicht zu tun. So bleibt am Ende ein sehr gutes Action-Adventure, das die im Vorfeld immer weiter gewachsenen Erwartungen aber nicht wirklich restlos erfüllen kann.



