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Spieletest: Ghost Recon - Ledernacken im Einsatz

Taktischer Militärshooter mit durchmischten Qualitäten. Der lang erwartete Nachfolger der Rogue-Spear- und Rainbow-Six-Serie ist in den Läden. Im Gegensatz zu besagter Reihe kämpft man im taktischen Militärshooter Ghost Recon als militärische Einsatzgruppe in verschiedenen Ländern des ehemaligen Ostblocks, um dort US-Interessen durchzusetzen. Die Rahmenhandlung ist im Jahr 2008 angesiedelt und erzählt von russischen Ultranationalisten, die die alte Sowjetunion wieder herstellen und die nun souveränen Staaten militärisch unter ihre Kontrolle bringen wollen.
/ Andreas Donath
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Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Zugführers einer US-Spezialeinheit, die sich im Spiel "The Ghosts" nennt. In einer Kampagne, die aus 15 einzelnen Missionen besteht, bekämpft man in Städten, Dörfern und im freien Feld den Gegner, der einem im Rahmen eines Briefings vorgestellt wird. Neben reinen Kampfeinsätzen gibt es auch Aufklärungs- und Rettungsmissionen, beispielsweise von abgeschossenen Piloten, und Pioniereinsätze.

Wenn man eine Mission erfolgreich abgeschlossen hat, steht sie auch einzeln als Schnellspielmission zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es umfangreiche Multiplayermissionen, die kooperativ oder auch gegeneinander gespielt werden können.

Anders als bei den Vorgängern ist eine Mission nicht mehr zweigeteilt in Planungs- und Aktionsphase. Vor der jeweiligen Mission kann man jeweils bis zu drei Teams bilden, die mit Spezialisten wie Scharfschützen, Pionieren oder Panzergrenadieren und Maschinengewehrschützen ausgestattet werden können.

Die überlebenden Spieler erhalten nach dem Einsatz Auszeichnungen und erhöhen ihre jeweiligen Erfahrungspunkte in Sachen Treffsicherheit, Ausdauer und Tarnung, und auch eventuelle Verletzungen bei vorhergehenden Einsätzen bleiben zumindest in der aktuellen Mission erhalten. Dies kann bedeuten, dass ein Spieler nicht mehr schnell laufen, sondern nur noch humpeln kann. Erfüllt man optionale Aufgaben in den jeweiligen Missionen, erhält man neue Spezialisten oder Zugang zu besseren Waffen.

Eine vorhergehende Wegplanung in einer Vorbereitungsphase wie bei der Rogue-Spear- und Rainbow-Six-Serie erfolgt nicht mehr. Bei Ghost Recon kann man mittels einer zweifach zoombaren Karte die eigenen Soldaten während des Spiels befehligen. Dabei ist neben Wegpunkten auch die Geschwindigkeit der Fortbewegung zu beeinflussen. Während des Spiels kann man jeden Soldaten auch selbst steuern, die Umschaltung erfolgt via Tastendruck oder Menü.

Das Kommandointerface, das im Spiel zur Truppensteuerung eingesetzt wird, erweist sich in vielen Fällen als hinderlich. So kann man den eigenen Soldaten nur rudimentär befehlen, was sie zu tun haben. Beispielsweise kann man aber nicht dafür sorgen, dass ein bestimmtes Gebäude geschützt wird oder ein bestimmter Gegner bekämpft wird. So muss man oft zwischen den Soldaten hin und herschalten, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Viel zu oft geht genau in diesem Moment der vorher selbst Gesteuerte in die Falle. Da es viele Befehle nicht als Tastaturkürzel gibt, muss man oft in die Kartenansicht gehen, die zudem gelegentlich Menüklicks erst beim zweiten Versuch interpretiert.

Leider gibt es keine Befehle zum Rückzug oder Verstecken, so dass die auch in diesem Spiel teilweise recht dumme künstliche Intelligenz, die für die Steuerung der eigenen Kameraden zuständig ist, für reichliche Heldentote sorgt. Der Gegner ist in vielen Fällen auch nicht mit mehr Intelligenz gesegnet: Greift man beispielsweise ein Haus an und schaltet im Nachbarzimmer einen Gegner aus, greift der im Nebenzimmer Stehende keineswegs ein, sondern wartet seelenruhig, bis auch er ins Visier genommen wird.

Innerhalb des Spiels ist kein Rambo-artiges Verhalten, sondern vielmehr langsames Pirschen, Warten, Beobachten und Taktieren angesagt, da man es meist mit einer Übermacht von Gegnern zu tun hat, die auch zu koordinierten Angriffen übergehen können. Nimmt man Gegner unter Beschuss, feuern diese selbst ohne Sichtkontakt in Richtung des gegnerischen Feuers zurück – da nutzt eine leichte Deckung im Zweifelsfall also wenig.

Das Waffenarsenal im Spiel ist recht ansehlich und besteht aus Sturmgewehren, Mörsern, Karabinern, Maschinenpistolen und leichten Maschinengewehren, Scharfschützengewehren sowie einigen Pistolen, Handgranaten und Panzerabwehrraketen. Jeder Soldat kann maximal zwei Waffen gleichzeitig tragen und leider auch keine Waffen oder Munition von gefallenen Kameraden oder Gegnern aufnehmen. Im Spiel kann man zwar Fahrzeuge vernichten, fahren kann man sie allerdings im Gegensatz zu Operation Flashpoint nicht.

Die Optik und Akustik des Spiels entspricht dem Stand der Technik – besonders hübsch geworden ist die Vegetation und die Animation der eigenen Männer. So bewegen sich Büsche und Bäume im Wind, das Gras raschelt, Handgranaten und Gewehrgranaten lösen realitätsnah mehr Rauchqualm- als feurige Explosionen auf und das Mündungsfeuer sowie die Leuchtspurmunition erhellen die teilweise nächtliche Szenerie.

Da Ghost Recon auch in niedrigen Spielstufen nicht gerade leicht ist, sollte man die gebotene Möglichkeit ausgiebig nutzen, während des Spiels zu speichern. Leider hat der Hersteller vergessen, an dieser Stelle auch eine Ladefunktion einzubauen, so dass man dazu immer erst die Mission abbrechen und in den Missionshauptmenüpunkt einsteigen und dann neu laden muss.

Fazit:
Die hohen Erwartungen, die an das Spiel gestellt wurden, konnte es nur zum Teil erfüllen. So ist es dem Empfinden nach meist Glückssache, ob der einzelne Soldat überlebt und die Missionsziele erreicht werden können. Bei Ghost Recon ist die Frustration auf Grund nicht beeinflussbarer bzw. unvorhersehbarer Ereignisse und Verluste im eigenen Team mitunter recht hoch – nicht zuletzt daran leidet die spielerische Atmosphäre, die auch durch die letztlich als gelungen zu beurteilende Grafik und das Tonarrangement nicht ausgeglichen werden kann.


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