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Nationales Kompetenzzentrum für Software Engineering

Eröffnung in Kaiserslautern

Am 25. Oktober wurde das Virtuelle Kompetenzzentrum für Software Engineering ViSEK in einer feierlichen Veranstaltung an der Universität Kaiserslautern u.a. von Staatssekretär Thomas (BMBF) und Minister Zöllner (Wissenschaftsministerium Rheinland-Pfalz) der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Dem Software-Standort Deutschland fehlt es nach einer im Jahr 2000 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführten Umfrage an breit gefächerter professioneller Entwicklungsmethodik. ViSEK - das Virtuelle Kompetenzzentrum für Software Engineering - soll hier Abhilfe schaffen und damit dem Software-Standort Deutschland zu einer weltweit führenden Position verhelfen.

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Sieben deutsche Forschungszentren auf dem Gebiet des Software Engineering nehmen sich dieser Aufgabe gemeinsam an: die Fraunhofer-Institute FIRST und ISST in Berlin, FIT in St. Augustin, IESE in Kaiserslautern und IITB in Karlsruhe, das Institut für Informatik IV der Technischen Universität München sowie ab 1.11.2001 das Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatik-Werkzeuge und -Syteme OFFIS.

Unter Federführung des Fraunhofer IESE soll Methoden- und Anwendungswissen über Software Engineering gebündelt und den ca. 20.000 Software entwickelnden Unternehmen in Deutschland in leicht zugreifbarer Form angeboten werden. Das BMBF fördert diese geplante Zusammenführung und Bereitstellung von Software-Engineering-Know-how mit 13,2 Millionen DM aus UMTS-Mitteln.

Mehr als 20.000 Unternehmen stellen in Deutschland derzeit Software her. Nur etwa 30 Prozent davon setzen dabei ingenieurmäßige Methoden ein. Zwar lernt jeder Informatikstudent, dass Software ähnlich wie andere High-Tech-Produkte nach bewährten Ingenieursprinzipien zu entwickeln ist. Dennoch werden Qualitätsrichtlinien, wie sie z.B. in ISO-Normen festgelegt sind, in der Entwicklungspraxis oft nicht befolgt. Gerade im Mittelstand herrscht ein Methodendefizit. Zu diesen Ergebnissen kommt die BMBF-Studie "Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland".

"Es ist fünf vor zwölf, wenn wir im Wettbewerb um die wichtigsten Software-Produktionsstandorte nicht verlieren wollen", so Dieter Rombach, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE und ViSEK-Projektkoordinator. "Zwar gibt es viele verschiedene Entwicklungsmethoden und Werkzeuge. Doch ist es in der Praxis oftmals schwierig, sich schnell den nötigen Überblick zu verschaffen, die für ein Projekt passende Technologie auszuwählen und sie auf die aktuelle Entwicklungssituation anzupassen. Ähnliche Fragestellungen werden immer wieder neu bearbeitet. Das kostet Zeit und Geld." Nicht zuletzt aus diesem Grund forderte die Software-Studie, das über zahlreiche Einzelinstitute verteilte Software-Know-how in einem speziellen Kompetenzzentrum zu bündeln und flächendeckend verfügbar zu machen.

Genau hier will das neu gegründete Kompetenzzentrum ViSEK ansetzen. Die sieben Projektpartner bringen ihr Wissen über Software Engineering in das Kompetenzzentrum ein. Sie liefern einerseits Methodenwissen, z.B. über Komponententechnologie, Produktlinienentwicklung oder Software-Projektmanagement; andererseits stellen sie ihr Erfahrungswissen zur Verfügung. Insbesondere Erkenntnisse über die Praxistauglichkeit der verschiedenen Technologien für Anwendungsbereiche wie Automatisierungs- und Verkehrstechnik oder E-Business sollen in ViSEK gesammelt werden. Die Inhalte werden in Form von so genannten Wissensbausteinen strukturiert, logisch vernetzt und über ein Web-Portal professionellen Nutzern zur Verfügung gestellt.

Auf diese Weise soll der einfache und schnelle Zugriff auf Methodenwissen, Erfahrungen aus der Praxis, typische Anwendungsdomänen oder Kontakte zu Experten möglich. Momentan befinden sich Wissensbausteine u.a. für die Methoden "Software-Inspektionen", "Engineering von kritischen Systemen" und "Produktlinien-Entwicklung" in Arbeit. Ferner werden generelle Vorgehensmodelle, z.B. für die technische und organisatorische Realisierung von E-Business-Lösungen, erarbeitet.

"Wir wollen mit ViSEK ein elektronisches Methodenhandbuch schaffen, das in einer für Deutschland bisher beispiellosen Form Software-Engineering-Kompetenz bündelt. Für die deutsche Software-Industrie entsteht so ein einzigartiger und leicht zugänglicher Pool an direkt umsetzbarem Entwicklungs-Know-how", so Dieter Rombach. Um sicherzustellen, dass Software-Entwickler das in ViSEK bereitgestellte Wissen erfolgreich in der Praxis umsetzen, bieten die ViSEK-Partner ihre Unterstützung bei der Einführung neuer Technologien und Methoden an. "Alle ViSEK-Partner haben langjährige Erfahrung im Transfer innovativer Software-Methoden in die industrielle Praxis. Gemeinsam decken sie ein breites Spektrum an Anwendungsbereichen ab und ergänzen sich komplementär", erläuterte Ralf Kempkens, ViSEK-Projektleiter.

Beispielsweise entwickelt das Fraunhofer FIRST Komponententechnologie für sicherheitskritische Systeme; das Fraunhofer FIT befasst sich mit Methoden zur frühen Einbindung von Systembenutzern in den Entwicklungsprozess; das Fraunhofer IESE hat eine Methodik für die Wiederverwendung von Software im Rahmen von Produktlinien entwickelt; das Fraunhofer IITB stellt Methoden für die Entwicklung von Software gesteuerten Systemen mit hohen Anforderungen beispielsweise an Sicherheit und Verfügbarkeit bereit; das Fraunhofer ISST unterstützt den Mittelstand bei der Entwicklung von E-Business-Anwendungen; das Institut für Informatik IV der TU München berät Unternehmen auf dem Gebiet der Produktions- und Automatisierungstechnik bei der Verbesserung ihrer Software-Prozesse. Zu den Leistungen des Kompetenznetzwerks gehört es, aus dem Gesamtangebot der ViSEK-Partner die passende Technologie anzubieten. Für die Einführung einer Technologie im eigenen Unternehmen kann auf die mehr als 200 Experten der ViSEK-Partner zurückgegriffen werden. Es besteht ferner die Möglichkeit zur Hospitation, d.h. der zeitlich begrenzten Mitarbeit bei ViSEK-Partnern, um an deren Methoden-Kompetenz zu partizipieren.

Der Aufbau des ViSEK-Portals erfolgt schrittweise. Bis Ende des Jahres 2001 werden Inhalte und Struktur des Portals definiert. In dieser Zeit sollen weitere kompetente Partner gefunden werden, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Bereich Software-Entwicklung in das Kompetenznetzwerk einbringen. Im Laufe des Jahres 2002 werden erste Wissensbausteine, z.B. für Qualitätssicherungsmethoden und für das Anwendungsgebiet E-Business entwickelt und in das Portal eingespeist. Im Dezember 2003 endet die öffentliche Projektförderung. Bis dahin soll das Kompetenznetzwerk Informationen zu allen Bereichen des Software Engineering anbieten. Ab 2004 ist geplant, dass ViSEK sich aus Beiträgen seiner Partner und Mitglieder finanziert.



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