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Keine Verdrängung der Zeitung durch das Internet

Jugend stellt die Zeitungsverlage vor große Herausforderungen

Ist die Zeitung rund 350 Jahre nach ihrem Erscheinen ein Auslaufmodell oder steht sie nach dem Verfliegen der Interneteuphorie vor einem Comeback? Und welche Zeitung wollen junge Leser, die den Zeitungen immer mehr weglaufen oder sie erst gar nicht nutzen, überhaupt? Diese und andere Fragen wurden auf dem vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV) veranstalteten Forum zur Zukunft der Zeitung bei den Medientagen München diskutiert.

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"Trotz Ernüchterung besteht kein Zweifel am weiteren Siegeszug des Internets", erklärte Dr. Rüdiger Schulz vom Institut für Demoskopie, Allensbach, und belegte dies mit Daten aus der Allensbacher Computer­- und Telekommunikationsanalyse ACTA 2001. 40 Prozent der 14-­ bis 64-­jährigen Bundesbürger sind demnach online, das aktuelle Online-­Potenzial liegt bei 17 Prozent. Nutzten 1997 erst 26 Prozent der Onliner das Internet täglich oder fast täglich, so sind es heute bereits 43 Prozent. Dabei entsprechen die neu gewonnenen Internetnutzer hinsichtlich Geschlecht und Bildung zunehmend dem Bevölkerungsschnitt: Das heißt, immer mehr Frauen oder auch Personen mit mittlerer oder einfacher Schulbildung gehen online.

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Überraschenderweise kann Schulz jedoch keine Verdrängung der Zeitung durch das Internet feststellen: Die Verkaufsauflage der deutschen Tageszeitungen habe sich zwischen 1998 und 2000 nur geringfügig von 25 auf 23,9 Millionen verringert. Seine Erklärung: "Dass es nicht zu Einbrüchen bei der Zeitungslektüre kam, dürfte primär an der komplementären Nutzung von Internet und Tageszeitung liegen." Auch nach eigener Einschätzung haben Online-­Nutzer zwar die Fernsehnutzung eingeschränkt, das Lesen von Zeitungen/Zeitschriften aber eher ausgeweitet. Nur bei "Randlesern", die häufig das Internet nutzten, seien Abwanderungstendenzen feststellbar.

Entspanntes Zurücklehnen ist nach Meinung von Schulz jedoch keinesfalls angesagt, denn die Jugend stelle die Zeitungsverlage vor große Herausforderungen. Die Überzeugung, man sollte regelmäßig Zeitung lesen, habe bei jungen Menschen stark abgenommen. Das Internet dagegen befriedige das Bedürfnis nach Spaß und aktiver Kommunikation. "Wir müssen uns fragen, wie junge Menschen zur Zeitung hingezogen werden", forderte Schulz.

Doch die Jugend fordert eine neue Ausrichtung der Zeitung. "Junge Menschen wollen zwar keine eigene Zeitung, aber eine Zeitung, die ihre spezifische Lebenshaltung und Entwicklungsphasen mit berücksichtigt", erklärte Diplompsychologe Stephan Grünewald vom Rheingold Institut, Köln, in seinem Vortrag. Junge Menschen seien heute "skeptisch" und "cool" und suchten nach einer ideellen Verankerung.

Wie er an noch mehr junge Leser herankommen könne, fragte sich in der abschließenden Diskussionsrunde auch Volker Pfau, Redaktionsleiter von RP­Online ("Rheinische Post"). Bei seinem Internetauftritt mit bis zu 17,1 Millionen Seitenzugriffen (September 2001) liegt der Schwerpunkt bei den 30-­ bis 39-jährigen Lesern. Angebote wie Handyklingeltöne sollen als Lockmittel für Jüngere dienen.

Timm Klotzek, Redaktionsleiter des Jugendmagazins "Jetzt" der "Süddeutschen Zeitung", ist überzeugt, dass das Internet der Zeitung den Rang ablaufen wird, wenn es darum geht, schnelle Informationen zu bekommen. Dadurch würde jedoch auch die Position der Zeitung insbesondere bei jungen Lesern gestärkt: "Der Anspruch an die Zeitung wird wachsen. Sie muss dem jugendlichen Leser die Hintergründe und Zusammenhänge der Welt erklären", so Klotzek.



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