Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Spieletest: Dark Cloud - Vielseitiges 3D-Rollenspiel für PS2

Genre-Mix von Sony und Level 5. Sony und das japanische Entwicklerteam Level 5 haben mit Dark Cloud ein 3D-Rollenspiel für die PlayStation 2 geschaffen, das sich auch einiger Elemente aus Aufbaustrategiespielen bedient. So kämpft man sich nicht nur durch Horden von putzig bis finster aussehenden Monstern, sondern muss auch Dörfer wieder zusammensetzen, nachdem man die Bewohner und ihre Häuser wiedergefunden hat.
/ Christian Klaß
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Die Hintergrundgeschichte ist schnell - und in Dark Cloud mit 3D-Rollenspiel-typischer Textfeld-Klickorgie - erzählt: Der größenwahnsinnige Colonel Flagg befreit mit Hilfe seiner Handlanger einen riesigen rosafarbenen Dschinn, um mit dessen Hilfe alles zu unterjochen. Dieser Dschinn hat es jedoch in sich, denn er wurde nicht ohne Grund eingesperrt - er hätte die Welt bereits schon einmal fast zerstört. Eine der ersten üblen Taten des diabolischen Gespanns ist die Zerstörung eines in Partystimmung befindlichen Dorfs, in dem der junge Toan lebt.

Zumindest glauben Dschinn und Flagg das, denn Toan und sein Dorf werden vom König der Feen in letzter Sekunde gerettet. Nun obliegt es Toan, seines und andere Dörfer sowie die ganze Welt zu retten. Bevor er sich dem Kampf stellt, muss er die vom Feen-König in magische Schutzhüllen versteckten Teile und Personen seines eigenen und anderer Dörfer finden und zusammensetzen.

Mit dieser Aufgabe ist Dark Cloud eines der ersten 3D-Rollenspiele, das eine gewisse Art von Aufbaustrategie nahtlos in die Handlung integriert. Denn je mehr Häuser und Menschen befreit werden, um so mehr Dinge und Helfer stehen Toan zur Verfügung. Die gefundenen Häuser können nahezu frei im ehemaligen Dorf-Areal platziert und Wege, Flüsse oder andere Dinge gesetzt werden. Dabei gilt es jedoch auch die Wünsche der Bewohner zu berücksichtigen, die man im Gespräch herausfindet: Händler brauchen Kunden und wollen nicht abseits sitzen. Toans Mutter will morgens durch die Sonne geweckt werden und andere brauchen genügend Platz für ihre Sportübungen. Einmal Gesetztes kann stets wieder verschoben werden, falls etwas geändert werden soll. Erst wenn eine bestimmte Anzahl von Gebäuden und Elementen gesetzt wurden, darf Toan zum nächsten Dorf aufbrechen.

Dabei ist die Suche nach den magisch verborgenen Puzzleteilen gefährlich, denn auf der Suche durch Verliese und andere Orte gibt es zahlreiche Widersacher, die Toan an den Kragen wollen. Kämpfe laufen dabei in Echtzeit und nicht rundenbasiert ab, viel Zeit zum Überlegen gibt es also nicht. Um Kämpfe mit Untoten, Tiermonstern und sonstigen Biestern einigermaßen unbeschadet zu überstehen, muss man je nach Gegner das richtige Maß aus Zuhauen, Zurückweichen und Parieren wählen. Nahezu jeder besiegte Gegner bringt entweder etwas Gold oder einen mehr oder weniger wichtigen Gegenstand - seien es Schlüssel, Nahrungsmittel zum Heilen, magische einmal verwendbare Gegenstände oder hilfreiche Level-Karten.

Die zur Verfügung stehenden Waffen - zu Beginn ist es nur ein Dolch - spielen dabei die wichtigste Rolle, sie müssen stetig gepflegt und sinnvoll verbessert werden. Der Spieler hat dabei die Wahl, ob er sich Spezialwaffen für bestimmte Gegner oder Allzweckwaffen für ein breites Sammelsurium an Gegnern bastelt. Waffen können in Dark Cloud fünf verschiedene Stufen besitzen, danach können ihre Fähigkeiten konserviert und in andere, noch mächtigere Waffen integriert werden. Die Waffen müssen jeweils gut gepflegt und des Öfteren mit zu kaufenden Reparaturpülverchen behandelt werden, damit man nicht plötzlich nach einem mächtigen Schlag mit abgestufter oder gar ohne Waffe dasteht. Beim Kampf mit für die Geschichte wichtigen Gegnern wird übrigens auf Action-Sequenzen zurückgegriffen, bei denen im richtigen Moment die richtige Tastenkombination gedrückt werden muss - dies kennt man bereits in ähnlicher Form aus Segas Dreamcast-Spiel Shenmue.

Wenn Toan mal im Kampf ins Gras beißt, wird er automatisch wiederbelebt und in Sicherheit gebracht, verliert aber die Hälfte seines Geldes. Wer schlau ist, nimmt also immer etwas Fluchtpulver mit sich und nimmt rechtzeitig Reißaus. Zudem sollte man vor dem Betreten der nächsten Verlies-Level das Dorf besuchen, wichtige Dinge einkaufen und den Spielstand sichern.

Grafisch erinnert Dark Cloud, wie auch so manch anderer 3D-Adventure-/3D-Rollenspiel-Vertreter, sehr an japanische Comic-Zeichnungen (Mangas). Die sehr detaillierten 3D-Kreaturen wirken mitunter, als wären sie aus Nintendos Zelda, Pokémon oder Squares Final Fantasy entlaufen. Sowohl den Charakteren als auch den Häusern und Gegenständen hat Level 5 recht viel Aufmerksamkeit gewidmet. Leider gilt das nicht für den Boden. Der ist fast überall platt, wenn man nicht gerade einen Fluss darauf platziert hat. Insbesondere in Höhlen wirkt es etwas eigenartig, dass man zwar unregelmäßige Felswände hat, der Boden jedoch platt wie eine Eisfläche ist, wogegen auch Texturen nichts machen können. So etwas muss in heutigen 3D-Spielen nicht mehr vorkommen.

Fazit:
Insgesamt ist Dark Cloud beim Kampfsystem, bei der Story und beim Level-Design Durchschnittskost, das Spiel bietet nichts wirklich Neues. Dafür verbindet es jedoch die Genres 3D-Rollenspiel, Action-Adventure und Puzzle-Strategie auf eine recht witzige und spannende Weise miteinander. Grafisch kann das Spiel zumindest bei den liebevoll gestalteten Charakteren überzeugen, beim Sound hapert es jedoch an einer fehlenden Sprachausgabe - Textfenster-Orgien sind auf Next-Generation-Konsolen keine zeitgemäße Art der Geschichtenerzählung mehr.


Relevante Themen