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Deutsche Dotcoms profitabler als europäische Mitbewerber

Europäische Internetfirmen etablieren sich. Europas Internet-Unternehmen besinnen sich im Jahr 2001 angesichts der veränderten Marktbedingungen auf harte Zahlen: Eine stärkere Kostenkontrolle ist nun vorrangiges Ziel der Internetfirmen. Die Unternehmen überdenken ursprüngliche Geschäftsmodelle und setzen ihre Prioritäten neu. Dabei bemühen sie sich, neue Kunden zu gewinnen und diese langfristig zu binden. Dies ist das Ergebnis einer Befragung zur aktuellen Situation europäischer Internet-Unternehmen, die im Juni 2001 im Auftrag von PricewaterhouseCoopers durchgeführt wurde.
/ Andreas Donath
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PricewaterhouseCoopers hatte bereits im Juli 2000 Manager von 400 Dotcom-Unternehmen der Internetbranche zu den wichtigsten Herausforderungen in den Bereichen Unternehmensführung, Finanzierung und Geschäftsmodelle befragt. Die Nachfolgestudie zeigt auf, wie sich der europäische Internetmarkt innerhalb eines Jahres entwickelt hat. Rund 90 Prozent der ursprünglich befragten europäischen Internetfirmen sind auch heute noch auf dem Markt – davon 95 Prozent der deutschen Unternehmen. Damit gab es in den vergangenen Monaten in Europa in diesem Segment weniger Insolvenzen als vermutet.

Zahlreiche der befragten Internet-Unternehmen nutzen die veränderten Marktbedingungen, um ihre Strategien zu überprüfen. "Die Unternehmensleitung muss darüber nachdenken, wie realistisch ihr Unternehmensmodell ist" , sagte Markus Ehret, Corporate-Finance-Experte von PricewaterhouseCoopers in Frankfurt. "Ziel muss ein gesundes, profitables Wachstum sein. Kostensenkung ist das Gebot der Stunde." 24 Prozent der befragten Dotcom-Manager haben ihr ursprüngliches Geschäftsmodell bereits geändert.

Die Vorstellungen, wie Gewinne erzielt werden können, sind in den einzelnen europäischen Ländern jedoch unterschiedlich. 32 Prozent der befragten Manager in Deutschland und 24 Prozent in Großbritannien konzentrieren sich darauf, ihre Kosten und Gemeinkosten zu senken; in Frankreich setzen Internetunternehmen vermehrt auf eine bessere Produktqualität (22 Prozent). Holländische Unternehmen sind der Meinung, dass ein intensiveres Marketing ihre Geschäfte verbessert (34 Prozent).

Die Profitabilität der befragten Unternehmen ist europaweit sehr unterschiedlich. Britische Internetfirmen arbeiten deutlich weniger gewinnbringend als ihre europäischen Wettbewerber. Nur 24 Prozent der britischen Unternehmen geben an, mit Gewinn zu arbeiten. Im Vergleich dazu erzielen 66 Prozent der Dotcom-Unternehmen in Deutschland, 61 Prozent in den Niederlanden und 49 Prozent in Frankreich Gewinn.

Die Skepsis von Investoren und Medien hat in den vergangenen Monaten die Kapitalbeschaffung für Internetfirmen deutlich erschwert. Bereits im vergangenen Jahr bekamen die Dotcoms das zunehmend härtere Geschäftsumfeld unter anderem durch einen Mangel an Finanzmitteln zu spüren. Ein Jahr nach der ersten Umfrage von PricewaterhouseCoopers fallen die Kosten für Kundenakquisitionen und Marketing noch immer erheblich ins Gewicht. Hinzu kommt, dass sich das Internet sowohl bei Unternehmen als auch Privatpersonen in Europa nicht so schnell durchsetzt wie erwartet. Die Befragten befürchten zusätzlich, dass die schwache Konjunktur die Entwicklung ihrer Unternehmen behindern wird. Von den Internet-Unternehmen, die weitere Finanzierungen benötigen, rechnen trotz des schwierigen Umfelds noch immer 41 Prozent damit, dass dieses Kapital von Risikokapital-Gesellschaften bereitgestellt wird.

Im Jahr 2000 war eine Expansion um jeden Preis noch ein vorrangiges Ziel der befragten Manager. Internet-Unternehmen bemühten sich, geeignetes Personal zu suchen und sich am Markt zu etablieren. Europaweite Geschäftstätigkeit stand im Mittelpunkt. 78 Prozent der damals befragten Internetfirmen hatten mit einer Erhöhung ihres Personalstandes gerechnet, tatsächlich stellten nur 35 Prozent der Unternehmen neue Mitarbeiter ein. Weniger als ein Viertel der kleinen Betriebe mit zehn oder weniger Angestellten haben sich im letzten Jahr personell vergrößert. Entgegen den Erwartungen von 2000 sind Internet-Unternehmen im Bereich Business-to-Consumer stärker gewachsen als jene, die im Business-to-Business tätig sind.

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Einstellung der Unternehmen zur Personalrekrutierung geändert. Flexibilität, Kreativität und Risikobereitschaft haben geringeren Stellenwert. Dagegen hat sich die Anzahl der Unternehmen, die Wert auf Managementerfahrung legen, mehr als verdoppelt. Den Dotcom-Unternehmen fällt es heute erheblich schwerer, erfahrene Manager zu rekrutieren. Bei zahlreichen Internetfirmen werden deshalb wichtige Funktionen auch weiterhin mit Interims-Managern besetzt. "Die Dotcoms bemühen sich um die Entwickung robuster Geschäftsmodelle und haben nach wie vor viel Spaß an dem, was sie tun. Dabei befinden sich die Unternehmen im Übergang von der Gründungs- zur Konsolidierungsphase" , erklärte Markus Ehret von PricewaterhouseCoopers. "Das ist eine Entwicklung, die sich auch in der Unternehmenskultur widerspiegeln muss."

Im Juli 2000 wurden im Auftrag von PricewaterhouseCoopers in einer unabhängigen Befragung 412 Manager von Internet-Unternehmen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden zu den Bereichen Unternehmensführung, Finanzierung und Geschäftsmodelle untersucht. Die Umfrageergebnisse wurden in dem Bericht "Nach dem Goldrausch – Das Dot-Com Dilemma" veröffentlicht.

Im Juli 2000 veröffentlichte PricewaterhouseCoopers ebenfalls eine Untersuchung der deutschen, am neuen Markt notierten Internetunternehmen. Die Studie "Das Internetsegment des Neuen Marktes – Chance oder Risiko?" kam zu dem Schluss, dass jedes siebte Unternehmen in diesem Segment von der Zahlungsunfähigkeit bedroht ist.


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