Test: GameCube - Nintendos neue Wunderwaffe?
Schon äußerlich macht der GameCube seine Sonderstellung im Konsolenmarkt deutlich, im Gegensatz zur PlayStation 2 und der Xbox wartet Nintendo nicht mit einem schwarzen und an High-Tech-Geräte erinnernden, sondern einem eher verspielten und durch die lila Farbe auch sehr auffälligem Design auf. Neben den sehr kompakten Abmessungen von ca. 15 x 11 x 16 cm lässt sich der GameCube mit Hilfe eines angebrachten Tragegriffes problemlos und einfach transportieren. Das Gerät macht einen sehr stabilen und gut verarbeiteten Eindruck, wie schon bei vorherigen Geräten – z.B. dem N64 – scheint Nintendo Wert darauf zu legen, dass auch jüngere Spieler selbst bei ruppigem Umgang mit der Konsole wenig Schaden am Gerät verursachen können.
Das Gerät verfügt über vier Controller-Ports, in der Grundausstattung wird die Konsole allerdings nur mit einem Controller ausgeliefert. Spielstände werden, wie bei anderen Systemen auch üblich, auf Speicherkarten gesichert. Dazu stehen zwei Steckplätze zur Verfügung, die ebenso wie die Controller-Ports an der Vorderseite des Gerätes angebracht sind.
Im Innern der Konsole arbeitet ein mit 485 MHz getakteter, in Kupfertechnologie gefertigter und "Gekko" getaufter IBM Power PC, zudem kommt ein von ATI entwickelter und 162 MHz schneller Grafikchip ("Flipper") zum Einsatz. Das System verfügt über insgesamt 40 MByte Speicher, von dem 24 MByte auf von Mo-Sys stammendes, stromsparendes 1T-SRAM (10 ns) und die anderen auf 16 MByte mit 81 MHz getaktetes DRAM fallen. Im Grafikchip sind 3 MByte 1T-SRAM eingebettet, wobei 2 MByte davon Grafik- und 1 MByte Texturspeicher sind. Die Zugriffszeit des 1T-SRAM beträgt 6,2 Nanosekunden.
Zu den vom GameCube unterstützten Effekten und grafischen Fähigkeiten gehören unter anderem Subpixel Anti-aliasing (Kantenglättung), Alpha Blending, Virtual Texture Design, Multi-texturing, Bump Mapping, Environment Mapping sowie Bi- und Trilinear Filtering. Laut Nintendo ist der GameCube dabei in der Lage, zwischen 6 und 12 Millionen Polygone pro Sekunde darzustellen.
Ferner verfügt die Konsole noch über einen analogen und einen digitalen AV-Ausgang sowie zwei serielle und einen parallelen Port.
Die gute Hardware will aber natürlich auch durch dementsprechende Software genutzt werden. Zwei der drei zum Launch erhältlichen Titel – Luigis Mansion und Wave Race: Blue Storm – lagen uns zu Testzwecken vor. Wie so oft zum Verkaufsstart einer Konsole haben wir es hier mit Spielen zu tun, die zwar gute Unterhaltung bieten, die technischen Möglichkeiten der Konsole aber nicht annähernd ausreizen.
Besonders deutlich wird das beim Rennspiel Wave Race: Blue Storm. Mit schnellen Fahrzeugen rast man gegen die Uhr oder gegen andere Fahrer über verschiedene Wasserstrecken und versucht, Rampen und andere Hindernisse möglichst geschickt zu umfahren oder für spektakuläre Sprünge zu nutzen.
Das sieht grafisch auch durchaus gut aus, vor allem die Wasserspiegelung überzeugt. In puncto Realismus und Farbenpracht wäre Derartiges mit entsprechender Programmierfähigkeit aber auch ohne weiteres auf der Dreamcast möglich, von einem beeindruckenden grafischen Fortschritt kann hier nicht gesprochen werden.
Besser sieht es da schon beim Jump&Run Luigis Mansion aus. Mit dem Bruder des berühmten Nintendo-Klempners Mario muss hier ein für Nintendo-Verhältnisse ungewohnt düsteres und gruseliges Schloss durchsucht und per umfunktioniertem Staubsauger von Gespenstern befreit werden.
Sowohl die Animation als auch die Modellierung der Charaktere ist dabei ansprechend gelungen, auch farblich gehört die Grafik mit zum Besten, was man von Konsolenspielen bisher zu sehen bekam. Vor allem das realistische Schattenspiel, das auf Grund der oftmals sehr dunklen und nur von einer Taschenlampe beleuchteten Räume große Bedeutung besitzt, überzeugt.
In puncto Sound und Musik ist man allerdings weit davon entfernt, die Fähigkeiten des Soundchips auszureizen: Ein bisschen Sprachausgabe, ein paar Effekte und eher unspektakuläre Hintergrundmusik sind die magere Ausbeute eines spielerisch erwartungsgemäß gelungenen Plattformers.
Bei den Spielen verzichtet Nintendo erstmals auf die bisher verwendeten Module und setzt stattdessen auf ein von Matsushita entwickeltes Mini-CD- bzw. Mini-DVD-Format. Die kleinen Datenträger fassen dabei bis zu 1,5 GByte Daten. Die durchschnittliche Zugriffszeit auf das Laufwerk beträgt 128 ms, die Datentransferrate reicht von 16 Mbps bis 25 Mbps.
In Japan ist die neue Konsole seit 14. September für einen Preis von 25.000 Yen (ca. 450 DM) erhältlich. In Europa wird man sich noch bis Frühling nächsten Jahres gedulden müssen, in den USA wird der GameCube ab dem 18. November erhältlich sein. Wer nicht so lange warten will, hat die Möglichkeit, bei Import-Händlern wie Lik-Sang(öffnet im neuen Fenster) schon jetzt die japanische Version des Gerätes zu ordern. Allerdings wird man dann deutsche oder amerikanische Spiele-Titel nur nach einem Umbau per Mod-Chip darauf spielen können.
Wie schon angesprochen gab es zum Verkaufsstart der Konsole nicht allzu viele Spiele zu erwerben, neben dem Plattformer Luigis Mansion und dem Rennspiel Wave Race: Blue Storm hatten die Händler nur noch den Titel Super Monkey Ball anzubieten. Bis Weihnachten sollen insgesamt elf Titel erhältlich sein.
Kommentar:
Sowohl was das Innenleben der Konsole betrifft als auch bei der Verarbeitung und dem Design macht der GameCube einen sehr guten Eindruck, zumal der Preis der Konsole etwa ein Drittel unter dem der PlayStation 2 und dem der noch nicht erhältlichen Xbox liegt. Letztendlich hängt der Erfolg einer Konsole aber einzig und allein von der Qualität der erhältlichen Software ab, und die ist zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so gut, dass der Kauf des GameCubes zur Selbstverständlichkeit werden sollte. Bei der Einführung der PlayStation 2 sah das allerdings ganz ähnlich aus, da dauerte es etwa ein Jahr, bis Sony mit wirklich überzeugenden Programmen aufwarten konnte – Nintendo könnte das bei den derzeitigen und vielversprechenden Ankündigungen bereits zum anstehenden Weihnachtsgeschäft schaffen.
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