Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Test: Carrara Studio im Paket mit Amapi

3D-Render-Software Carrara Studio 1.1 tritt Nachfolge von Carrara an. Nach dem kurzen Auftritt von MetaCreations Carrara Anfang 2000 bringt nun die vor gut einem Jahr von ehemaligen MetaCreations-Mitarbeitern gegründete TGS-Tochter Eovia die Version 1.1 der 3D-Software auf den Markt. Die neue Version der Windows- und MacOS-Software bekam zwar kaum neue Funktionen, arbeitet jetzt aber deutlich stabiler und wird zudem zu einem deutlich geringeren Preis angeboten.
/ Ingo Pakalski
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Die MetaCreations-Herkunft Carraras lässt sich nicht leugnen: Die Bedienoberfläche entspricht weitestgehend dem, was man von anderen MetaCreations-Produkten kennt. Anwender von Bryce oder Poser können daher sofort mit Carrara Studio loslegen. Der sehr ansprechenden Oberfläche wird eine leichte und intuitive Bedienung nachgesagt, die man aber erst erlernen muss. Ganz im Unterschied zu einer typischen Windows-Bedienung, die der Anwender bereits beherrscht und keine nennenswerten Vorteile gegenüber der Carrara-Oberfläche bringt.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

So genannte Räume teilen die Programmfunktionen logisch auf und sind ein altbewährtes Mittel, das man bereits von anderen MetaCreations-Titeln kennt und schon im Autodesk 3D-Studio unter DOS Verwendung fand. Damit lassen sich Projekte sehr viel leichter handhaben, weil die Menüs und Paletten im jeweiligen Raum den Anwender nur mit relevanten Informationen versorgen. So besitzt Carrara Studio fünf Räume, angefangen mit der Assemble-Abteilung, in der die Grundkörper arrangiert werden. Darunter befinden sich nicht nur einfache geometrische Formen wie Kugel, Quader und dergleichen, sondern auch Text, Rohlinge für Landschaften und atmosphärische Effekte sowie Partikelsysteme.

In diesem Raum definiert man auch Animationen, entweder entlang von Bewegungspfaden oder per Motion-Tween, wobei Start- und Zielpunkt der Animation festgelegt werden und eine lineare Bewegung vom Programm errechnet wird. Die jederzeit verfügbare Zeitleiste generiert dann automatisch benötigte Keyframes für den gewählten Zeitpunkt. Leider lassen sich an der Zeitachse diese Schlüsselbilder nur verschieben, um damit die Geschwindigkeit der Animation zu beeinflussen. Eine direkte Eingabe von Parametern, wie es etwa 3D-Studio MAX vormacht, kennt Carrara Studio nicht. Eigenschaften der Transformation und Modifikation können vom Anwender per Maus oder bei Bedarf auch per Tastatur in einem Pop-up-Fenster bearbeitet werden. Damit eignet sich Carrara auch für die Schaffung technischer Körper und Animationen.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Die Übersicht in der Szenerie beginnt aber zu leiden, wenn diese viele Objekte enthält. Hinzu kommt, dass bei selektierten Objekten, auf denen mehrere Modifikatoren liegen, jeder für sich nur als Umrisslinie dargestellt wird. So erkennt man zwar, welche Auswirkung jeder einzelne Modifikator auf den ursprünglichen Körper hat, eine Auswahl mit der Maus wird aber schnell zur Geduldsprobe. Leider kann man keine Objekte oder Gruppen aus der Ansicht ausblenden, auch das Auswahlwerkzeug lässt sich nicht so einstellen, dass es beispielsweise nur die Geometrie oder nur Lichtquellen erfasst. Lichtquellen oder etwa Objekte lassen sich aber glücklicherwiese über die Eigenschaften-Palette direkt auswählen.

Im Modellierer bearbeitet und verfeinert man Objekte wie Extrusionskörper, die aus einer räumlichen Erweiterung einer zweidimensionalen Form entstehen. Gleiches gilt für Vertex-Formen, Landschaften oder Metaballs, mit deren Hilfe man komplexe organische Formen erstellt. Der Texturierer verpasst den Objekten auf einfache Weise eine passende Oberfläche. Sehr hilfreich ist hier das kleine Vorschaufenster, das die Szene wie in der Assemble-Abteilung darstellt. Die schnelle Rendering-Engine erlaubt es in allen Räumen, einen Rahmen aufzuziehen, um bequem und schnell eine gerenderte Vorschau des gewählten Ausschnitts zu betrachten.

Das Storyboard gibt einen Überblick der gesamten Szene im Zeitverlauf. So betrachtet man die Auswirkungen einer Änderung im Zusammenhang der gesamten Animation oder nur in Bezug auf das aktuelle Objekt. Ein Hilfsmittel, das gerade für visuell arbeitende Menschen große Vorteile bringt. Der Renderer berechnet letztendlich aus der dreidimensionalen Geometrie und den mathematisch definierten Formen ein zweidimensionales realistisches Bild, wobei die Interaktion der Objekte mit dem Umgebungslicht und der Umwelt berücksichtigt wird. Dabei unterstützt die Software viele gängige Ausgabeformate für Bilder und Filme wie tiff, jpeg, avi und Quicktime.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Schnell wechselt man zwischen den Räumen, was sich aber als Performance-Falle erweist, denn auch in nicht aktiven Räumen bleiben die Fenster geöffnet, ohne sichtbar zu sein. Das verursacht einen erhöhten Speicherbedarf, der unter Umständen mit Fehlermeldungen à la "ein unbekannter Fehler ist aufgetreten" quittiert wird. Eine angemessene Rechnerausstattung sorgt hier aber für Abhilfe.

Zu Carrara Studio gehören auch 25 Plug-Ins von Drittanbietern, die im so genannten SmartPack zusammengefasst wurden. Die PDF-Dokumentation findet man nur nach vielem Suchen sehr versteckt in der Carrara-Hilfe unter dem Stichwort SmartPack. Zu den Plug-Ins gehört ein Geländeeditor, der stark an Bryce erinnert sowie Filter für procedurale Texturen wie Zufallsmuster oder realistisch wirkendes Holz. Nett ist der Cartoon-Effekt als Post-Rendering-Filter, der Tonwertsprünge erzeugt und Umrisslinien hinzufügt, was einen flächigen Effekt erzeugt. Dies stellt eigentlich einen Widerspruch in einem 3D-Programm dar, denn schließlich will man damit räumliche und realistische Bilder erzeugen.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Zum Lieferumfang gehört auch die Modellierungssoftware Amapi 5.15 aus dem Hause Eovia; aktuell steht die Software bereits bei Version 6.1. Ärgerlich, dass ein fehlendes gedrucktes Handbuch die Einarbeitung in das recht kompliziert zu bedienende Programm erschwert und eine Online-Hilfe nur als Website existiert. Hat sich der Anwender aber erst mal eingearbeitet, wird er mit umfangreichen Funktionen wie Flächenreduktionen, abgerundeten Kanten oder organisch wirkenden Subdivision Surfaces belohnt. Da die beiliegende Version keinen Export ins Carrara-Format beherrscht, bleibt nur der Umweg über alternative Exportformate, was die Zusammenarbeit beider Programme und damit ein effektives Arbeiten stark erschwert.

Carrara Studio beherrscht das MetaStream-Format und lässt sich zusätzlich mit dem webXport-Add-On um die Viewpoint-Technik (VET) ergänzen, das kostenlos auf der Eovia-Website bereitsteht. Bei installiertem Browser-Plug-In können animierte Objekte im Browser-Fenster dargestellt und gedreht werden, was Carrara Studio auch für Web-Designer interessant macht.

Für jene, die noch nie mit einem 3D-Programm oder Titeln von MetaCreations gearbeitet haben, hält das Programm eine kurze Einführung bereit, um einem die wichtigsten Funktionen näher zu bringen. Eine umfangreiche Bibliothek an "3D-Cliparts" erleichtert den Einstieg. Das tröstet aber nicht darüber hinweg, dass die Online-Hilfe nur aus einem Handbuch im PDF-Format besteht. Eine kontextsensitive Hilfe mit schnell zugänglichen Informationen und Beispielen wäre deutlich hilfreicher.

amazon Affiliate

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Nach etlichen Bugfixes in der Version 1.1 lief Carrara Studio im Test sowohl unter Windows 9x als auch unter Windows 2000 größtenteils stabil. Die Rechenleistung des verwendeten Pentium III mit 500 MHz liegt über der Systemanforderung des Herstellers und erreicht eine passable Leistung. Bei einem Celeron-System mit 700 MHz macht sich der geringere Cache kaum bemerkbar und es lässt sich gut damit arbeiten. Ein GHz-Athlon bereitet hingegen selbst bei aufwendigeren Szenen keinerlei Probleme. Man sollte also auf eine schnelle Rechnerplattform mit ausreichend Arbeitsspeicher für das rechenintensive Rendering achten.

Das englischsprachige Carrara Studio 1.1 ist für Windows 98, NT 4.0 und 2000 sowie MacOS ab Version 8.1 erhältlich. Auf der Programm-CD befinden sich Versionen für beide Betriebssysteme. Der Deutschland-Distributor Softline bietet die Vollversion zum Preis von 741,24 DM an. Ein Update von Carrara 1.0 gibt es für 242,44 DM. Zum Preis von 520,84 DM ist auch ein Wechsel von Ray Dream und Inifini-D möglich. Im Oktober soll ein kostenloses deutsches Sprach-Update angeboten werden.

Fazit:
Carrara bietet enorm viele Funktionen und Möglichkeiten, die aber einiger Erfahrung bedürfen, um ansehnliche Ergebnisse zu erzielen. Trotzdem werden auch Einsteiger, die auf die im Oktober erscheinende deutsche Version warten sollten, einen Weg in die dreidimensionale Welt finden und mit der Zeit ebenso gute Ergebnisse erzielen. Schade, dass Eovia Amapi beilegt, ohne auf eine gute Zusammenarbeit der beiden Programme zu achten. Mit einem Preis von rund 750,- DM eignet sich das 3D-Programm vor allem für semiprofessionelle 3D-Künstler. Der Profi-Konkurrenz 3D-Studio MAX kann Carrara Studio allerdings in Sachen Funktionsumfang nicht das Wasser reichen, kostet aber eben auch nur einen Bruchteil der Discreet-Software.


Relevante Themen