Vergleichstest: Vier Tastaturen für PDAs

Manch einer mag zunächst verwundert zusammenzucken und sich fragen, wie jemand auf die absurde Idee kommt, an seinen PDA eine Tastatur anzustöpseln. Aber die Kombination bedeutet durchaus eine ernsthafte Konkurrenz zu einem ausgewachsenen Notebook, wenn man nicht zwingend auf Desktop-Applikationen angewiesen ist. Wer das Notebook vor allem einsetzt, um unterwegs Texte oder E-Mails zu schreiben, kommt mit einem PDA samt Tastatur genauso weit. Zumal die Batterie oder der Akku im PDA meist länger hält als der Akku jedes Notebooks. Als weiteren Pluspunkt benötigt man weniger Platz im Gepäck und muss auch nicht mehrere Kilo Ballast umherschleppen. Zumal die Anschaffung von PDA samt Tastatur nur den Bruchteil eines ordentlichen Notebooks kostet, was sich nochmals drastisch verringert, wenn man bereits einen PDA sein Eigen nennt. Als Nachteil bleibt lediglich der deutlich kleinere PDA-Schirm.
Alle Tastaturen enthalten zur Ansteuerung spezielle Treiber, die zunächst über einen Desktop-Rechner aufgespielt werden müssen. Bis auf die KeySync-Tastatur benötigen alle Probanden keine separate Stromversorgung, sondern nutzen die Batterie- respektive Akku-Kraft des PDAs, ohne dabei die mobile Lebensdauer nennenswert zu verringern.
Alle vier Probanden wurden in der Version mit einer Palm-III-Schnittstelle und daher auch nur an PalmOS-Organizern getestet. Somit beziehen sich alle Aussagen zu Treibern und Implementierung in das PDA-Betriebssystem auf die PalmOS-Plattform. Alle Tastaturen sind aber auch für PocketPCs und weitere PalmOS-PDAs erhältlich.
GoType! Pro
Die am längsten auf dem Markt erhältliche PDA-Tastatur stammt von LandWare und hört auf den Namen GoType! Pro. Trotz der langen Marktpräsenz existiert bis heute keine Version mit deutschem Tastenlayout – nach aktueller Auskunft arbeitet der Hersteller auch nicht daran. Man muss sich also mit einer englischen Tastenanordnung begnügen.
Die GoType! Pro verwöhnt mit einem präzisen Druckpunkt, ausreichend großen Tasten und einem Tastenhub von 2,3 mm. Damit schreibt man bequem und zügig im Zehnfingersystem, sofern die eigenen Finger nicht allzu groß sind.
Eine kostenpflichtige HackMaster-Erweiterung bringt der PalmOS-Tastatur nachträglich Deutsch bei: Der GermanKeybHack(öffnet im neuen Fenster) erlaubt zum Preis von 20,- DM den direkten Zugriff auf alle deutschen Sonderzeichen (ö, ä, ü sowie ß) und vertauscht die Tasten z und y sowie einige Sonderzeichen. Als Freeware existiert zudem ein modifizierter Treiber(öffnet im neuen Fenster) , der ebenfalls einige Sonderzeichen anders gruppiert sowie die Tasten z und y vertauscht, aber keinen direkten Zugriff auf Umlaute erlaubt. Zum Erreichen dieser Zeichen muss man bei gedrückt gehaltener Alt-Taste zunächst den betreffenden Vokal und anschließend ein ":" eingegeben. Das "ß" ist hingegen über das Tastenkommando Alt-s zu erreichen.
Die 380 Gramm leichte Tastatur bedarf selbst mit "Deutsch-Trimmung" einiger Eingewöhnung, weil die Cursor-Tasten recht ungewöhnlich angeordnet sind. Erschwerend kommt hinzu, dass der Treiber nur ganz wenige PC-konforme Sprung- und Markierungsbefehle beherrscht. Das verlangsamt die Textarbeit, weil ständig zur Stiftbedienung gewechselt werden muss. Der stabile Aufbau der GoType!-Tastatur erlaubt einen Schreibeinsatz ohne feste Unterlage, wie beispielsweise die Nutzung auf den Oberschenkeln. Zur Not funktioniert sogar die Verwendung im Stehen, indem man die Tastatur in der einen Hand hält und mit der anderen schreibt. Das ist mit keinem anderen Testkandidaten möglich.
Neben der Tastatur liegt dem Paket ein englischsprachiges Handbuch, eine CD mit Treibern sowie Vollversionen der beiden Landware-Programme TakeNote! und WordSleuth bei. Die Textverarbeitung TakeNote! bearbeitet Doc-Dateien, während die meisten Anwender für das englische Thesaurus WordSleuth keine Verwendung finden werden. Sehr pfiffig: Über ein mitgeliefertes Kabel fungiert die Tastatur zudem als mobile Dockingstation.
In Deutschland kostet die GoType! Pro um die 200,- DM, allerdings wird es immer schwieriger, eine zu ergattern, weil viele Händler sie nicht mehr im regulären Programm haben. Grund dafür dürfte das fehlende deutsche Tastenlayout sein und der dadurch geringere Kundenansturm. Sie ist aber auch direkt beim Hersteller LandWare(öffnet im neuen Fenster) für 69,95 US-Dollar zu haben.
Außer für die Palm-Modelle m100, m105 und die IIIer-Serie sind Versionen für den Palm V/Vx, den Handspring Visor und die Cassiopeias E-100, E-105, E-115 und E-125 von Casio erhältlich. Weder für die neuen Palm-Modelle m500 und m505 noch für den Visor Edge oder den Sony Clié sind laut Herstellerangaben derzeit Anpassungen geplant.
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KeySync-Tastatur
Den dürftigsten Eindruck nicht nur bezüglich der Einbindung in das PDA-Betriebssystem hinterlässt die KeySync-Tastatur von iBIZ, was auch die geringe Verbreitung in der PDA-Gemeinde erklärt. Auch sie ist nur mit englischem Tasten-Layout erhältlich. Es existiert auch keine nachträgliche Anpassung an deutsche Bedürfnisse. Als einzige Vertreterin im Test benötigt die KeySync separate Batterien (3x AAA-Batterien). Da eine Anzeige über den Füllstand der Batterien fehlt, kann es leicht passieren, dass unterwegs der Strom für die Tastatur ausfällt.
Die 27 cm breite, 11,5 cm tiefe und knapp 4 cm hohe Tastatur bietet einen präzisen Druckpunkt sowie einen angenehmen Tastenhub von 2,3 mm bei 16 mm großen Tasten. Ohne Dockingstation kommt die Tastatur auf ein Gewicht von etwas über 280 Gramm. Wie auch bei der GoType! Pro kann man gut im Zehnfingersystem schreiben, keine allzu großen Finger vorausgesetzt.
Die Tastatur unterstützt nur sehr wenige PalmOS-spezifischen Funktionen, beherrscht dafür aber Windows-konforme Zwischenablage-Befehle und PC-übliche Sprung- und Markierungskürzel. Über sechs Funktionstasten kann der Treiber maximal sechs Programme starten. Auf Grund der unzureichenden Implementierung in das PDA-Betriebssystem muss man häufig zwischen Tastatur und Stift wechseln, was den Arbeitsfluss stark bremst. Das fehlende deutsche Layout und die ungewohnt angeordneten Cursor-Tasten erschweren somit die Einarbeitung.
Aber Achtung: Handspring-Anwender können nicht die mitgelieferte USB-Dockingstation von Handspring verwenden, weil die keine serielle Schnittstelle besitzt. Der Hersteller iBIZ bietet als Zubehör klappbare Dockingstationen für Visor-PDAs zum Preis von 34,99 US-Dollar an, was aber den Anschaffungspreis erhöht. Für die Palm-Serie sind solche Klapp-Cradles ebenfalls erhältlich und kosten 29,99 US-Dollar. Eine Version für den Visor Edge gibt es nicht
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Stowaway-Tastatur
Den ungewöhnlichsten Aufbau aller Testteilnehmer besitzt zweifellos die Stowaway-Tastatur von Think Outside. Denn zu Transportzwecken lässt sie sich bequem und narrensicher zu einem kleinen Paket zusammenfalten, das kaum größer als ein Mittelklasse-PDA ist, während sie ausgeklappt zu einer vollwertigen Notebook-Tastatur mutiert. Die 230 Gramm leichte Tastatur kommt im geschlossenen Zustand auf eine Größe von 9,3 cm in der Breite, 13 cm in der Tiefe und 2 cm in der Höhe. Im ausgeklappten Zustand wächst sie auf eine Breite von 35 cm, ist weiterhin 13 cm tief und nur noch 1 cm hoch. Die Stowaway-Tastatur ist die einzige Tastatur im Testfeld, die zumindest für PalmOS-PDAs bereits mit deutschem Tastenlayout verfügbar ist.
Die Stowaway-Tastatur bietet ferner die umfangreichste Einbindung von PalmOS-Befehlen. Dazu gehört neben Ausschneiden, Kopieren und Einfügen auch Fertig, Neu, OK, Abbrechen, Undo, Details und Einblenden sowie das Aktivieren der Hintergrundbeleuchtung. Passende Tasten für Menükürzel und ShortCuts sind ebenfalls vorhanden. Der Treiber ermöglicht das Starten von Programmen über maximal neun Tastenkürzel. Über Spezialtasten erreicht man zudem sowohl die vier Palm-Tasten als auch die vier Steuerknöpfe im Graffiti-Bereich, wodurch sogar das Aufrufen des Menüs möglich ist. Mit dem aktuellen Treiber kann man aber noch nicht in Menüs scrollen, was etwas verwundert, weil es zumindest mit der separat erhältlichen Textverarbeitung WordSmith 2.0 vorbildlich funktioniert. Auch das Aufrufen und Navigieren in Kategorien fehlte und in den PalmOS-Programmen Merkzettel, Aufgaben und Adressen kann man nicht in den Übersichten scrolllen, was bei vielen Applikationen von Drittherstellern funktioniert. Leider fehlt der Stowaway-Tastatur ein zuschaltbarer Zahlenblock.
Beim Schreiben sollte man auf eine stabile Unterlage achten, weil die Eigenstabilität der Tastatur im ausgeklappten Zustand zwar zufriedenstellend ist, aber nicht an die Stabilität der GoType! Pro heranreicht. Man benötigt aber deswegen nicht unbedingt einen Tisch, zur Not reichen auch die Oberschenkel als Ablagefläche und als Verstärkung reicht eine etwas stabilere Pappe zum Unterlegen.
Die Modelle von Palm sind mit deutschem Layout für 289,- DM für die Palm-Modelle m100, m105 sowie die IIIer-Serie und Ver-Baureihe zu haben. Deutsche Tastaturen für die m500er-Serie sollen ab Ende September erhältlich sein. Die von Targus vertriebenen Tastaturen gibt es für rund 230,- DM, sind jedoch nur für die Visor-Reihe mit deutschem Layout zu bekommen. Für die PocketPCs HP Jornada 540 und den Compaq iPaq gibt es derzeit nur englische Tastaturen. Nur in den USA ist auch eine englische Tastatur für den Sony Clié zum Preis von 99,- US-Dollar erhältlich. Wann und ob auch Varianten mit deutschem Layout erscheinen, steht nicht fest. Eine Version für den Visor Edge gibt es derzeit nicht.
Wer sich eine Stowaway-Tastatur für die IIIer-Reihe respektive den m100 oder m105 zulegen möchte, sollte beim Kauf darauf achten, dass er ein Modell aus der Produktionsserie C bekommt. Wie Golem.de Anfang Juli berichtet hat , weisen die Tastaturen für diese Palm-Modelle offenbar einen Produktionsfehler in den Serien A und B auf. Daher solle man nur Tastaturen der Serie C kaufen, über die noch keine Funktionsstörungen bekannt geworden sind. Nähere Details dazu finden Sie in unserem ausführlichen zweiseitigen Artikel .
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Half Keyboard
Ein sehr eigenwilliges Konzept steckt hinter dem Half Keyboard aus Kanada, das, wie der Name schon vermuten lässt, eine Tastatur halber Größe darstellt und damit die kleinste und leichteste Tastatur im Test ist. Sie misst 15 cm in der Breite, 8,2 cm in der Tiefe sowie 1,5 cm in der Höhe und wiegt nur 125 Gramm.
Die großzügig dimensionierten Tasten (19 mm) bieten einen präzisen Druckpunkt und einen angenehmen Tastenhub von 2,5 mm. PalmOS-spezifische Funktionen kennt das Half Keyboard leider gar nicht, bietet aber immerhin die Möglichkeit, Windows-konform mit der Zwischenablage zu arbeiten. Korrekturen und Textnavigation vollziehen sich systembedingt deutlich träger, weil man dazu immer zu einem Cursorblock-Modus umschalten muss. Das Half Keyboard besitzt sogar einen zuschaltbaren Zahlenblock. Deutsche Umlaute werden ähnlich wie beim GoType! Pro mit Hilfe der Alt-Taste und einem folgenden ":" erreicht.
Das Half Keyboard besitzt derzeit nur ein englisches Layout und enthält eine Treiberdiskette, ein englischsprachiges Handbuch sowie ein Transport-Etui. Anfang nächsten Jahres will die Matias Corporation aber auch eine Version mit deutschen Umlauten auf den Markt bringen. Derzeit sind Versionen für die Palm-Modelle m100, m105, die IIIer- und Ver-Serie sowie die Visor-PDAs erhältlich. Geräte für die m500er-Serie, den Visor Edge, den Sony Clié sowie die beiden PocketPCs Compaq iPaq und HP Jornada befinden sich noch in der Entwicklung. In Deutschland kann man die Tastatur bei Hamburg Trading(öffnet im neuen Fenster) (Tel. 040/71001565) zum Preis von 249,- DM erwerben. Außerdem ist die Bestellung für 99,- US-Dollar über die Half Keyboard Homepage(öffnet im neuen Fenster) möglich.
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Fazit:
Da nur die Stowaway-Tastatur zumindest für PalmOS-PDAs bereits mit deutschem Tastenlayout erhältlich ist, sticht sie die Konkurrenz aus. Denn das beschert Anwendern keinerlei Umgewöhnung beim Wechsel vom Desktop zur PDA-Tastatur. Man schreibt sofort drauf los und allenfalls der kleine PDA-Schirm ruft einem in Erinnerung, dass man gerade nicht an einem PC schreibt. Darüber hinaus bietet diese Tastatur die beste Einbindung in die Welt des PalmOS und lässt sich für den Transport hübsch klein zusammenfalten.
Ein gutes Bild hinterlässt aber auch die GoType! Pro, die immerhin über den GermanKeybHack(öffnet im neuen Fenster) mit einer deutschen Tastenbelegung versehen werden kann. Bei dieser Tastatur begeistert die hohe Eigenstabilität, welche man womöglich bei der Stowaway-Tastatur vermisst. Zwar fällt die Einbindung von PalmOS-Funktionen nicht ganz so üppig aus wie bei der Stowaway, sie erleichtert die PDA-Bedienung aber schon recht deutlich. Sehr schön, dass der Tastatur mit TakeNote! auch gleich ein anständiges Textverarbeitungsprogramm beiliegt. Eine solche Dreingabe stünde den anderen Anbietern auch gut zu Gesicht. Allerdings erreicht das LandWare-Team nicht annähernd den Komfort, den man mit dem Duo aus Stowaway-Tastatur und WordSmith 2.0 erlangt.
Den schlechtesten Eindruck hinterlässt die KeySync-Tastatur, weil der Weg, die Dockingstation zu verwenden, wenig komfortabel und doch ziemlich umständlich ist. Die nur rudimentär vorhandene Einbindung ins PalmOS macht zudem einen übermäßig häufigen Wechsel zwischen Tastatur und PDA notwendig, was das Arbeiten stark verlangsamt.
Die mit Abstand platzsparendste Zusatz-Tastatur findet man im Half Keyboard, das jedoch eine gehörige Einarbeitungszeit verlangt. Da man damit auf keinen Fall die Tippgeschwindigkeit eines Zehnfingerschreibers erreicht, eignet sie sich nicht für Anwender, die auch unterwegs viel und schnell schreiben wollen. Interessenten sollten mit dem Kauf noch bis Anfang nächsten Jahres warten, da dann eine Version mit deutschem Layout erscheinen soll. Der direkte Zugriff auf deutsche Sonderzeichen wird die mögliche Schreibgeschwindigkeit noch mal erhöhen.
Wer erst jetzt auf den Geschmack gekommen ist und sich nun einen PDA samt passender Tastatur zulegen möchte, sollte beim PDA-Kauf ein Gerät mit hintergrundbeleuchtetem Farb-Display in Erwägung ziehen. Denn das Schreiben an einem solchen Bildschirm bereitet einfach mehr Vergnügen, weil man ihn bequemer einsehen kann, als das mit einem monochromen Display möglich ist.