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IBM-VP Wladawsky-Berger über Linux und Open Source

Open Source ist für IT das, was die Mathematik für die Physik darstellt. In einer Session im Rahmen der IBM Technical Developer Conference in San Francisco gab Irving Wladawsky-Berger, Vice President Technology Strategy der IBM Server Group, einige Einblicke in IBMs Sicht von Linux und offenen Standards – einschließlich einiger Seitenhiebe auf Microsoft.
/ Jens Ihlenfeld
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Open Source sei keine Art "New Age"-Geschäftsmodell, dem man verfallen sei. Man glaube aber, wie Wladawsky-Berger sagt, "sehr, sehr stark daran, dass Open Source und Standards absolut kritisch für die Grundlagen des IT-Business in der Zukunft sind. Und damit auch für IBM." Die technologischen Fortschritte, egal in welchem Bereich, seien keine kurzfristigen spektakulären Erscheinungen. Vielmehr würde das Wachstum in einigen Bereichen jedes Jahr sogar zunehmen. In Zukunft werde es daher zahlreiche neue Geräte geben, die von dieser Entwicklung profitieren und alle miteinander verbunden seien. Um der Konvergenz und Vernetzung der Vielzahl von Geräten Herr zu werden, gebe es nur einen Weg: Standards.

In einigen Fällen reicht auch das nicht aus, so Wladawsky-Berger, man benötige Open-Source-Software. Während nun aber einige denken, Open Source sei etwas sehr Gutes, denken andere, es sei etwas sehr Schlechtes und tun dies in einer verunglimpfenden Art und Weise kund. Während einige Open Source als eine ideologische Bewegung betrachten, würde die Mehrheit das Thema eher pragmatisch angehen. Und dies sei notwendig, um in diesem Prozess vorwärts zu kommen.

Für Wladawsky-Berger gibt es vor allem zwei wichtige Gründe, warum Open-Source-Software unabdingbar ist: Zum einen ist Open Source die Art und Weise, in der Forschungsgemeinschaften für Innovationen sorgen. Einige Forscher schreiben Beiträge und publizieren diese offen, andere lesen diese und fügen einige Gedanken hinzu. So baut jeder auf jedermanns Ideen auf.

Nun sei es aber nicht genug, diese Beiträge in englischer Sprache zu verfassen. In der Physik bedient man sich z.B. der Mathematik als zusätzlicher Ausdrucksweise. Ähnlich verhalte es sich heute in der Informationstechnologie. Mehr und mehr ließe sich in Form von Software ausdrücken. Versucht man dies stattdessen in englischer Sprache zu tun, wird es nicht funktionieren, so Wladawsky-Berger.

Das zweite wichtige Argument für Open-Source-Software sei das Bedürfnis nach einer Integrationsschicht. Da Protokolle immer feiner und komplexer werden, benötige man eine Referenzplattform, die für alle zugänglich ist. Dies spiegele sich beispielsweise in der zunehmenden Zahl an Gemeinschaften wider, die an solchen Protokollen arbeiten. Wladawsky-Berger nennt hier die Apache Community, Gnome und KDE Communities oder die Globus Community.

Das bedeute aber nicht, dass alle Software Open Source sein müsse. Vielmehr sei dies nur für wirklich kritische Software nötig, sei es in Hinsicht auf Entwicklung oder Integration. Sowohl Open Source als auch kommerzielle Software können so gut miteinander existieren.

Zum Thema Linux stellt Wladawsky-Berger fest, es sei das am schnellsten wachsende Betriebssystem. Dabei wachse Linux weiter und sei heute nach Stückzahlen die zweitwichtigste Plattform hinter Windows. "Linux ist, soweit wir wissen, das einzige Betriebssystem, von dem man mit Sicherheit sagen kann: Es wird auf allen Architekturen, die noch nicht erfunden wurden, laufen."

IBM sieht Linux vor allem in vier Märkten. Der erste sei dabei die "Workload Consolidation", also die Konzentration verteilter Systeme auf einem Mainframe. Punkt zwei ist der Bereich Cluster und an dritter Stelle folgt der Bereich "Vernetzte Unternehmen". An vierter Stelle folgt der Bereich "Appliances", in dem man Linux als Embedded-Betriebssystem in vielerlei neuen Geräten findet.

Man habe auch etwas Marktforschung im Bereich Linux betrieben und gefragt, was Kunden an Linux positiv finden. Das Ergebnis: Linux sei kosteneffektiv, verlässlich, bietet eine sehr gute Performance und die offenen Standards seien für das Geschäft förderlich.

IBM arbeitet aber auch aktiv an der Weiterentwicklung des Betriebssystems mit. So exisitiert bei IBM das Linux Technology Center, in dem 200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Zudem arbeitet IBM im Open Source Development Lab mit Intel, HP, Hitachi, Fujitsu und anderen Unternehmen zusammen, um Linux zu testen. Zudem seien weitere Aktivitäten geplant, um die Skalierbarkeit von Linux zu erhöhen und es zu einem besseren Betriebssystem für den Unternehmenseinsatz zu machen.

Letztendlich sieht IBM eine recht positive Zukunft für die gesamte IT-Industrie, in der Standards, Linux und Open-Source-Software eine große Rolle spielen.


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