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Uni Würzburg simuliert Verhalten von künstlichen Lebewesen

Psychologen simulieren das Verhalten von künstlichen Lebewesen. Roboter, die nicht nur aussehen wie ein Mensch, sondern dank Künstlicher Intelligenz auch so denken und handeln, gehören zwar eher in den Bereich der Wunsch- bzw. Albträume, doch an der Universität Würzburg wird per Computersimulation schon untersucht, wie sich das Verhalten von solchen Maschinen steuern ließe.
/ Christian Klaß
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Das Forschungsprojekt ist am Institut für Psychologie am Lehrstuhl von Prof. Dr. Joachim Hoffmann angesiedelt. Dort wurde ein Computerprogramm entwickelt, mit dem man das Verhalten von Lebewesen simulieren kann, das "Antizipative Classifier System". Mit ihm soll sich darstellen lassen, wie das Verhalten durch die Vorhersage der Konsequenzen einer Aktion (Antizipation) gesteuert wird.

Projektmitarbeiter Martin Butz erklärt, was mit Antizipation gemeint ist: "Haben Sie sich schon mal gefragt, wieso Sie sich beim Rot werden einer Ampel zum Bremsen oder doch noch zum Gas geben entschlossen haben? Sicher kann das Bremsen leicht als einfache Reaktion auf den Reiz 'Ampel wird rot' interpretiert werden. Es könnte aber auch ein tieferer Grund vorliegen, nämlich zum Beispiel 'weil sonst ein Unfall passieren könnte' oder 'weil an der Ampel ein Blitzgerät installiert sein könnte'. Die beiden letzteren Antworten drücken aus, dass nicht etwa der einfache Ampel­Reiz, sondern die Antizipation, also die Vorhersage der negativen Konsequenzen, das Verhalten kontrolliert hat."

Mit Antizipationen beschäftigen sich nicht nur Psychologen, sondern unter anderem auch Künstliche-Intelligenz-Forscher: Bei der Simulation von künstlichen Lebewesen, den so genannten Animats, werden laut Butz immer häufiger Antizipationen in Form interner Umweltmodelle benutzt, um das simulierte Verhalten des Animats zu beeinflussen.

Das in Würzburg weiterentwickelte Antizipative Classifier System ist mit einer simulierten Sensorik ausgerüstet, mit der es Umwelteigenschaften wahrnehmen kann. Außerdem besitzt es eine Motorik, um sich und seine Außenwelt beeinflussen zu können.

Basierend auf einer am Lehrstuhl von Prof. Hoffmann entwickelten Lerntheorie soll sich das künstliche System durch eine völlig selbstständige Interaktion mit der Umwelt ein internes Umweltmodell aufbauen. Dieses repräsentiert die Außenwelt derart, dass die Konsequenzen jeder möglichen Aktion in jedem möglichen Umweltzustand vorhergesagt werden können, so die Forscher. Inwieweit dieses Modell nun benutzt werden kann, um das simulierte Verhalten zu verbessern, soll im aktuellen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt geklärt werden.

Butz erhofft sich von dem Forschungsprojekt Erkenntnisse für KI-Forscher und Psychologen: "Einerseits lernt die Künstliche Intelligenz von der kognitiven Psychologie, wie Denkprozesse und Verhalten kontrolliert werden. Andererseits lernt die Psychologie von der Künstlichen Intelligenz, die durch ihren Computeransatz Probleme oft genauer charakterisieren und unterscheiden und zudem die Theorien im Computer validieren kann", so Martin Butz.

Das Antizipative Classifier System simuliere den Forschern zufolge somit nicht nur ein künstliches Lebewesen, sondern erlaube sogar Rückschlüsse auf die Denkprozesse und insbesondere Verhaltenskontrolle bei Tieren und – in Ansätzen – sogar beim Menschen.

Kontakt:
Universität Würzburg, Institut für Psychologie, Prof. Dr. Joachim Hoffmann, E-Mail:

hoffmann@psychologie.uni-wuerzburg.de,

Sekretariat: Telefon: +49 (0)931 31-2644, Fax: +49 (0)931 31-2815.


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