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Reg-TP-Chef Kurth kritisiert Telekom

Kurth: "Deutschland ist Pionier bei der Entbündelung der TAL". "Weder düstere Katastrophenstimmung noch Schönrederei sind angebracht, sondern es ist die Zeit für eine nüchterne Bilanz und eine differenzierte Analyse der Tendenzen auf den TK-Märkten", so das Fazit von Matthias Kurth, Präsident der Regulierungsbehoerde für Telekommunikation und Post, anlässlich der Vorstellung einer Studie zum Ortsnetzwettbewerb in Deutschland.
/ Jens Ihlenfeld
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Er nehme zur Zeit eine große Nervosität aller Beteiligten wahr, so Kurth weiter. Diese führt er allerdings in erster Linie auf die dramatischen Kursveränderungen an den Börsen und Kapitalmärkten zurück. "Wenn im internationalen Rahmen nahezu täglich von Gewinnwarnungen, Massenentlassungen und Insolvenzen die Rede ist, so herrscht natürlich zur Zeit auch keine positive Grundstimmung auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt. Dennoch sollte jetzt nicht der Fehler begangen werden, die zweifelsfrei erreichten Erfolge und die vorhandenen Chancen des TK-Marktes herunterzureden und dadurch Kunden und Verbraucher zu verunsichern."

Die Wachstumsdynamik des deutschen Telekommunikationsmarktes sei intakt, der Gesamtmarkt habe im Jahr 2000 einen Umsatzerlös von 109,9 Milliarden DM erwirtschaftet. Im Jahr 1998 wären es gerade mal 86,4 Milliarden DM und 1999 etwa 95,6 Milliarden DM gewesen. Auch der Anteil der Wettbewerber am Gesamt-Telekommunikationsmarkt sei von 36 Prozent 1999 auf nunmehr 41 Prozent im Jahr 2000 anwachsen.

Neben dem Mobilfunk wären besonders die Umsatzanteile der Wettbewerber bei Mietleitungen deutlich angewachsen. Verfügten die Wettbewerber in diesem Markt-Segment im Jahr 1998 über gerade mal 13,5 Prozent, so waren es Ende 2000 schon 40 Prozent. Die Prognose der Regulierungsbehörde liegt für Ende 2001 bei 45,3 Prozent. Dies sei auch kein Wunder, denn die Wettbewerbsunternehmen in Deutschland besitzen mehr als ein Drittel aller Glasfaserstrecken. Ende 2000 wies Deutschland eine Glasfaser-Infrastruktur von über 268.000 Streckenkilometern auf.

Auch bei den Umsatzerlösen im Festnetz stieg der Anteil der Wettbewerber von 14 Prozent (1999) über 18 Prozent (2000) auf jetzt 22 Prozent (1. Quartal 2001).

"Die Wettbewerbsentwicklung im Ortsnetz war von Anfang an die schwierigste und anspruchsvollste Aufgabe der Regulierungsbehoerde. Wir haben nie unrealistische Erwartungen gefördert, sondern von Anfang an gesagt, dass man beim Ortsnetzwettbewerb einen langen Atem braucht, bzw. eine gute und solide Kapitaldecke und einen langfristigen Businessplan. Doch halten wir fest: immerhin sind inzwischen über eine Million Telefonkanäle direkt von Wettbewerbern zu Endkunden geschaffen worden" erklärte Kurth. Dies sei eine Steigerung von 23 Prozent in nur einem Quartal.

Wesentlich für die doch Entwicklung sei die Entscheidung zur TAL-Miete (Teilnehmer Anschluss Leitung) und die Grundsatzentscheidung zur Entbündelung der TAL. Ende des Jahres 2000 habe die Deutsche Telekom AG 321.702 Teilnehmeranschlussleitungen vermietet. Ende Juni lag die Zahl bei 476.923 TAL-Vermietungen.

Kurth: "Wir sind auch den vielen Klagen über Verzögerungen bei der Bereitstellung von Kollokationsflächen durch die Deutsche Telekom AG intensiv nachgegangen und ich habe wiederholt auf die Beseitigung dieser Engpässe bei der DT AG gedrängt. Bei Kollokationen ist dann auch im Juni eine deutliche Verbesserung der Situation eingetreten. Inzwischen sind 11.738 Kollokationen für TAL fertig gestellt und noch 792 im Bau. In 251 Fällen steht ein Angebot noch aus. Noch im Dezember 2000 sahen diese Zahlen ganz anders aus. Da waren erst 4.400 Kollokationen realisiert und über 5.600 Anfragen noch offen. Hier hat sich die Situation deutlich zum Positiven gewendet, wenn auch Einzelfragen noch zu lösen bleiben."

Deutliche Kritik übte Kurth an dem Verhalten der DT AG, die die Regulierungs-Entscheidungen zum Line-Sharing und Resale trotz einer ersten Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Köln noch durch ein weiteres Rechtsmittel verzögere. "Ich mache den Gerichten keinen Vorwurf, wir respektieren auch die Rechtswegegarantie, aber man hat ein deutliches Gespür dafür, wenn auf Zeit gespielt werden soll. Dem TK-Markt sind unsere kurzen Entscheidungsfristen und die unmittelbare Geltung unserer Entscheidungen gut bekommen. Wenn jetzt in allen kritischen Fällen regelmässig eine Warteschleife von mehreren Monaten durch zwei Eilinstanzen eingelegt wird, dann entspricht das nicht mehr den Intentionen des Gesetzgebers", betonte Kurth in Richtung Telekom.

Kurth hofft, dass mit den zu erwartenden Entscheidungen des OVG Münster sowohl Line-Sharing als auch Resale im Herbst endgültig auf den Weg gebracht werden können. "Beide Instrumente sind für uns sehr wichtig um eine faire Konkurrenz zu sichern und um den Bündelungsvorteilen des früheren Monopolunternehmens adäquate wettbewerbskonforme Lösungen entgegenzusetzen."


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