Test: Nokia 9210 Communicator mit Farb-Display

Ein Blickfang ist das gut lesbare, mit fünf Helligkeitsstufen ausgestattete, hintergrundbeleuchtete Farb-Display des 9210, das bei 4096 Farben eine Auflösung von 640 x 200 Bildpunkten liefert. Systembedingt ist das Display – anders als selbstreflektierende Modelle – bei Sonnenlicht kaum zu gebrauchen. Aber dank des gut entspiegelten Bildschirms lässt sich selbst bei direkter Sonneneinstrahlung mit etwas Mühe noch etwas erkennen. Für die reinen Telefonfunktionen stellt das ohnehin kein Problem dar, weil sich an der Außenseite eine Nokia-übliche Handy-Tastatur samt kleinem Monochrom-Display befindet.
Die recht ungewohnte Tastenanordnung erschwert das Tippen vor allem für Vielschreiber. Die drei Tasten "ß", "," und "." liegen links unten statt auf der rechten Tastaturhälfte, wo eigentlich genug Platz wäre. Da Nokia der Tastatur keine Beleuchtung spendiert hat, erschwert Dämmerlicht die Bedienung des Geräts. Rechts neben dem Bildschirm befinden sich vier Knöpfe, die je nach Bedarf andere Funktionen auslösen. Bei der Bedienung muss man so ständig zwischen der Tastatur und diesen Knöpfen hin- und herwechseln, was recht gewöhnungsbedürftig ist. Da der PDA-Teil und damit der Farb-Bildschirm des Communicator keinen Ausschalter besitzt, muss man das Gerät bei kurzer Nichtbenutzung immer wieder zuklappen, will man nicht wertvollen Akku-Strom durch die Display-Beleuchtung verbrauchen.
Nokia verwendet im 9210 jetzt das Psion-Betriebssystem Epoc in der Version 6, ein Nachfolger der Version aus den Psion-PDAs Revo und 5mx (Pro). Die Bedienung ähnelt dem 9110, so dass Umsteiger hier wenig umlernen müssen. Die typischen PIM-Anwendungen Kalender, Adressen und Aufgabenliste sind gut zu bedienen. Schade nur, dass der Kalender keine komprimierte Tagesansicht bietet. Ferner wäre eine intelligente Unterstützung des Farb-Displays im Kalender sinnvoll: Wenn man einen Termin mit einer Farbe versieht, erscheint nur ein entsprechend farbiges Kästchen anstatt den Termin in dieser Farbe darzustellen.
Wer mit dem 9210 vor allem deswegen liebäugelt, weil er auch unterwegs auf Webseiten zugreifen möchte, wird besonders dann einen Touchscreen schmerzlich vermissen. In den Seiten bewegt man sich dann mit einer Art virtuellem Mauszeiger, was aber im Vergleich zu einer Touchscreen-Steuerung ziemlich unbequem ist. Außerdem kann man mit der Tab-Taste zwischen den Links wechseln, wobei der Browser nicht den aktuell sichtbaren Fensterausschnitt berücksichtigt, sondern immer zuerst den obersten Link auf der Webseite anspringt.
Die Implementation zwischen Handy und PDA ist gut gelungen. Man kann wahlweise Telefonnummern von der SIM-Karte oder Einträge aus dem PDA-Adressbuch wählen und Einträge zwischen diesen kopieren. Das Dual-Band-Handy im 9210 Communicator beherrscht auch HSCSD, aber kein GPRS. Wie von anderen Nokia-Modellen bekannt, bietet das 9210 eine Profilverwaltung zum bequemen Wechsel der Klingeltöne. Ein spezielles Flugzeug-Profil deaktiviert die Telefonfunktionen, um den PDA-Teil des Communicator während eines Fluges benutzen zu dürfen. Einen Vibrationsalarm kennt das 2.000,- DM teure Gerät nicht.
Leider stattete Nokia den Communicator anscheinend mit einem zu langsamen Prozessor aus, so dass seine Behäbigkeit schnell zum Hauptmerkmal wird. Auf ausdrückliche Nachfrage nach der Taktrate des verwendeten ARM-Prozessors gab Nokia keine Auskünfte. Der Hersteller betrachtet dies als Betriebsgeheimnis und begründet das damit, dass mobile Geräte in der Taktrate ohnehin nicht vergleichbar seien.
Zum Lieferumfang des Telefons gehört auch eine Software zum Datenaustausch von Terminen, Adressen und Aufgaben mit den PIM-Programmen Lotus Notes 4.5/5.0, Lotus Organizer 4.0/5.0/6.0/97, Microsoft Schedule+ oder Microsoft Outlook 97/98/2000. Ein E-Mail-Austausch ist zwischen Lotus Notes 4.5/5.0 und Microsoft Outlook 97/98/2000 möglich. Eine passende PIM-Anwendung legt Nokia leider nicht bei, so dass man bei Bedarf noch eines der Programme kaufen muss. Bei PDAs mit PalmOS oder WindowsCE ist passende PIM-Software eine Selbstverständlichkeit.
Bei Bedarf lässt sich der Communicator parallel sogar mit verschiedenen PIM-Programmen abgleichen. Die Synchronisation wird entweder manuell oder zeitgesteuert gestartet, kann aber auch automatisch beginnen, sobald der Communicator mit dem PC verbunden wird.
Beim Datenaustausch traten allerdings einige unangenehme Probleme auf. Lief die Installation der Nokia-Software mit Outlook 2000 ohne Probleme, mussten für den Datenaustausch zu Lotus Organizer 5.02 sämtliche Pfadangaben manuell angepasst werden. Das half aber auch nichts, weil sich Termine und Aufgaben nicht in Lotus Organizer einlesen ließen. Die Nokia-Software vermeldete nur lapidar, dass die Datei von Lotus Organizer nicht geöffnet werden könne.
Deutlich besser lief die Zusammenarbeit mit Outlook 2000 – zunächst jedenfalls. Denn bei der Synchronisation ignoriert die Nokia-Software sämtliche privaten Postanschriften und beachtet nur berufliche Datensätze. Nokia erklärt dieses ungewöhnliche Vorgehen damit, dass das Gerät vorwiegend für berufliche Zwecke eingesetzt werde und private Einträge daher ganz gezielt ignoriert werden. Das ist nichts anderes als der klägliche Versuch, einen schwerwiegenden Design-Fehler zu einem Feature hochzujubeln.
Auf der mitgelieferten Software-CD befinden sich weitere Programme für den Nokia 9210; herkömmliche Epoc-Software lässt sich leider nicht auf dem Communicator verwenden. Bei der Übertragung von Bild- oder Videodateien werden die Daten unverständlicherweise doppelt im PDA-Speicher abgelegt, so dass man schnell an die Speichergrenzen stößt und zur Behebung manuell in den Tiefen des Dateisystems nach den Dateileichen fahnden muss.
Der mit einem MMC-Slot ausgestattete Nokia 9210 Communicator wird derzeit zum Preis von 1.949,- DM ohne Kartenvertrag angeboten. In limitierter Auflage ist auch ein Paket mit passender Digitalkamera für 2.199,- DM erhältlich. Zum Lieferumfang gehört neben dem 9210 ein Lithium-Ionen-Akku ein Ladegerät, ein serielles Anschlusskabel, eine Software-CD-ROM und ein umfangreiches gedrucktes Handbuch.
Fazit:
Bei einem Gerätepreis von 2.000,- DM überrascht es doch, dass Nokia nicht in der Lage war, dem 9210 einen Touchscreen zu spendieren, was dem Gerät nicht nur beim Web-Browsen gut zu Gesicht stünde. Unverständlich auch, warum Nokia Macintosh-Besitzer und Linux-Anwender konsequent ignoriert und keine passende Synchronisationssoftware mitliefert. Bei dem hohen Gerätepreis sollte man sich fragen, ob man mit einer Lösung aus PDA und separatem Handy nicht besser fährt – preiswerter ist es allemal.