Eisenbahn-Simulation von Microsoft. In den Lüften ist Microsoft mit dem Flight Simulator bereits eine feste Größe, mit dem Train Simulator will man nun auch die Hoheit über die Gleise erlangen – was auf Grund mangelnder Konkurrenz von vorneherein kein all zu großes Problem darstellen konnte. Die Erfahrung im Simulationsgenre kam den Entwicklern dabei natürlich sehr zugute.
Zu Beginn gilt es natürlich erst mal, durchaus vorhandene Zweifel abzubauen: Kann eine Zugsimulation wirklich Spaß machen? Vor allem, wenn man annimmt, dass der Zug ja von sich aus in der Spur bleibt, riskante Manöver oder Richtungswechsel wie im Flugzeug oder im Auto also von vorneherein ausgeschlossen sind. Der Train Simulator liefert die Antwort nach einer etwa einstündigen Einarbeitungszeit: Es macht immens viel Spaß – wenn man Simulationen mag und auf Action verzichten kann.
Denn wie beim Flight-Simulator wurde auch beim Zug-Spiel höchster Wert auf eine möglichst detailgetreue Wiedergabe der Realität gelegt, nicht nur die Züge, sondern auch Strecken, Bahnhöfe und Bedienung sind existierenden Vorbildern nachempfunden. Und da ein Zug leider nicht durch simples Gas-Geben in Bewegung gesetzt wird, muss zuerst die grundlegende Bedienung des Führerhauses in Angriff genommen werden – bei den modernen Elektro-Loks eine noch halbwegs leicht erlernbare Aufgabe, die bei historischen Dampf-Lokomotiven schon mal in richtige Arbeit ausartet.
Hat man die ersten Lernmissionen absolviert und eine Probefahrt auf einer von insgesamt sechs sehr langen Strecken unternommen, darf man sich einer der zum Programm gehörenden Aufgaben stellen, die durchaus für eine Reihe von Herausforderungen gut sind. Wer etwa eine Vorliebe für den Personennahverkehr hat, kann sich in der nicht ganz unproblematischen Einhaltung des Fahrplans üben und die bei Verspätung schnell verstimmten Fahrgäste an ihren Bestimmungsort bringen. Transportiert man lieber schweigende Güter, dürfte einer der zahlreichen Fracht-Aufträge eher im Interesse des Spielers liegen.
Selbstverständlich muss man bei allen seinen Aktionen auf Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fahrtsignale und entgegenkommende Züge achten, größere Katastrophen konnten aber beim ausgiebigen Testspiel selbst nach haarsträubenden Aktionen unsererseits nicht ausgelöst werden. Wem der Stress und die Verantwortung eines Zugführers nach einiger Zeit zuviel wird, kann übrigens auch geholfen werden: Sämtliche Züge und Strecken können auch als einfacher Passagier befahren werden, so dass man sich entspannt zurücklehnen und die realistischen Landschaften in Europa, Asien oder Amerika genießen kann.
Natürlich hat eine derartige Realitätsnähe ihren Preis – ohne sehr schnellen Pentium III wird man die Aussicht nur ruckartig genießen können. Die realistischen Fahrgeräusche sind dafür auch schon bei geringerer Prozessorleistung zu erleben.
Fazit: Wer hätte gedacht, dass Zugfahren so viel Spaß machen kann: Hat man sich erst einmal in die nicht ganz leichte Bedienung der Eisenbahnen hineingearbeitet, will man die Position im Führerhäuschen nicht so schnell wieder aufgeben. In der Zukunft will Microsoft durch die Bereitstellung neuer Strecken im Netz dafür sorgen, dass die Motivation nicht so schnell nachlässt, aber auch so ist das Programm komplex genug, um für Monate zu faszinieren. Unverständlich ist nur, warum bei einer derart umfangreichen Simulation das Handbuch nur in digitaler Form vorliegt – bei einem Verkaufspreis von über 100 DM eine nicht nachzuvollziehende Fehlleistung.