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IMHO: Jedem Webangebot sein Kassenhäuschen

Macht "Premium-Content" wie Big Brother das Internet zum Bezahlmedium? Noch bis 1871 gab es in Deutschland viele Klein- und Kleinststaaten, die mehr oder weniger autonom nebeneinander lagen. Zwischen all diesen Staaten gab es Zollgrenzen. So konnte ein Salztransport von Bad Reichenhall nach der freien Hansestadt Hamburg bis zu 10 Zollgrenzen durchqueren. Jedesmal war Zoll fällig, weil die Kleinstaaten fast immer knapp bei Kasse waren.
/ Andreas Donath
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Spätestens seit dem Jahre 2001 sind auch viele Websites knapp bei Kasse und überlegen sich, von ihren Besuchern Eintrittsgeld zu verlangen, wenn sie denn ihre Seiten in voller Pracht (Stichwort: Premium-Content) sehen wollen. Bei der Formulierung dessen, was "hochwertige" Inhalte (man beachte die Unheil verkündenden Wortbestandteile) seien, belässt man es vorerst lieber bei Allgemeinplätzen.

Aber welcher Wirschaftslenker will schon Umfragenergebnisse provozieren, nach denen potenzielle Kunden ihre Zahlungsbereitschaft abstreiten und angesichts durchgesickerter Banalitäten wie Konzertmitschnitte (T- Online), Webspace (my-files) oder Musik (Napster) abgeschreckt vereint zu den weiterhin real existierenden kostenlosen Alternativanbietern abwandern. Denen wird von der Kassenhäuschen-Fraktion freilich nur der größere Durchhaltewillen oder Geldbeutel zugestanden. Eine spätere Bekehrung sei nicht ausgeschlossen.

Droht angesichts leerer Kassen eine Rückkehr in den ökonomischen Wahnsinn mikrozellularer Wirtschaftsräume? Nein. Man wird aus der Geschichte lernen – wenn auch langsam. Die deutschen Bundesstaaten erkannten schließlich auch, dass man den wirtschaftlichen Aufschwung durch die Zersplitterung verhinderte und bildeten 1828 drei Zollvereine ohne Zollschranken untereinander, verabredeten Zölle an den Außengrenzen und teilten die Einnahmen nach einem vereinbarten Schlüssel auf. So wird es sicher bald Provider geben, die sich mit einem ganzen Bündel von Premium-Contentzugängen – in den Zugangsgebühren versteckt – den Usern als All-inklusive-Angebot andienen werden.

Doch wehe der User mag sich nicht mit der gebotenen Einheitskost abspeisen und einschränken lassen. Für den Blick über den Tellerrand ist dann womöglich die Einwahl bei einem anderen Anbieter notwendig, was angesichts sinkender Attraktivität von Call-by-Call-Angeboten (mit schneckiger ISDN-Geschwindigkeit) gegenüber Breitbandzugängen deutlich schwieriger gestalten dürfte.

Willkommen im Robinson-Club Internet, aber wehe dem, der durch die Bonitätsprüfung der "Service-Provider" fällt.


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