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Zungen-Display für Blinde

Universität von Wisconsin entwickelt taktiles Display für die Zunge. Mit der Zunge sehen: Diese Idee soll Blinden zu mehr Mobilität verhelfen. Sie wurde bereits vor 40 Jahren vom US-Neurobiologen Paul Bach-y-Rita entwickelt. Dank finanzieller Unterstützung durch das National Eye Institute haben Forscher der Universität von Wisconsin die Idee in ihrem "Tactile Vision Substitution System" (TVSS) umgesetzt.
/ Christian Klaß
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Eine kleine Videokamera an einem Brillengestell funkt ihre Bilder zu einer Platine, die auf der Zunge fixiert ist. Deren 144 Elektroden rastern die Videoaufnahmen in Bildpunkte auf, die der Blinde in Form eines Prickelns wahrnimmt. Die einzelnen elektrischen Impulse sind je nach Eigenschaft der Bildpunkte (z.B. hell oder dunkel) unterschiedlich stark und lang.

Ein 50-stündiges Training vermittelt Blinden die Fähigkeit, diese Signale im Kopf schnell und präzise in Bilder umzusetzen – selbst die Geschwindigkeit von Objekten und die Raumtiefe können sie erfassen: Sich bewegende Gegenstände in der Nähe verraten sich durch ein kurzes und starkes Prickeln, weiter entfernte empfindet der Blinde als länger anhaltend und schwächer. "Bald lassen sich mit TVSS auch Schilder lesen und Gesichter unterscheiden", glauben Kurt Kaczmarek und sein Team von der Universität von Wisconsin. Allerdings sei die "visuelle" Wahrnehmung damit stark eingeschränkt, so dass Nutzer erst nach viel Übung und Verbesserung der Technologie ihre Unabghängigkeit dadurch erweitern könnten.

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Ein eigenes Unternehmen, Wicab Inc., für die Vermarktung des Zungen-Displays wurde bereits von Kaczmareks Kollegen Mitchell Tyler gegründet. Kaczmareks weist allerdings darauf hin, dass man sich noch der Grundlagenforschung widmen müsse, um mehr darüber in Erfahrung zu bringen, wie man Berührungs-Informationen auf elektrischem Wege auf Zunge und andere Körperteile übertragen kann.

Das Wissenschaftsmagazin P.M. berichtet in seiner neuen Ausgabe (7/2001) über das Tactile Vision Substitution System.


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