Greenpeace besetzt Echelon-Knotenpunkt
Der Grund für die Besetzung durch Greenpeace waren jedoch Radarkuppeln, die eine Rolle im zukünftigen Raketenabwehrsystem der USA spielen sollen. Der Executive Director von Greenpeace UK, Stephen Tindale, der derzeit selbst auf Menwith Hill ist, erklärte dazu: "Wenn Bushs vorgeschlagenes Star-Wars-System weiter voranschreiten darf, wird das eine Katastrophe – Waffenabkommen werden auseinander brechen und ein neuer Rüstungswettlauf wird ausgelöst, da Länder versuchen werden Waffen zu bauen, die den 'Schild' umgehen können."
Greenpeace hat gestern drei getrennte Gruppen in die Abhörstation geschickt, die in der Nähe von Harrogate, North Yorkshire, zu finden ist und über 1000 US-amerikanische NSA-Mitarbeiter beherbergen soll. Die größte Gruppe aus 50 Aktivisten hat Fahnen mit der Aufschrift "Star Wars Stars Wars" getragen, ein Teil von ihnen war als Raketen verkleidet, und ist zur Titelmusik von Mission Impossible ("Kobra, übernehmen Sie") durch den Haupteingang der Hochsicherheitsanlage eingedrungen. Sie besetzen derzeit den Wasserturm im Eingangsbereich.
Die anderen beiden Teams konnten laut Greenpeace der englischen Militärpolizei ausweichen, die den Komplex sichert. Sie überwanden eine Reihe von drei Meter hohen Zäunen, um das Herz der Basis zu erreichen. Eines der Teams hat die Gegend um die erwähnten Radarkuppeln eingenommen, das andere Team hat sich auf dem Dach eines der umliegenden Gebäude verschanzt. Erst heute, am 4. Juli, wurden Greenpeace zufolge die letzten Aktivisten durch Sicherheitskräfte vom Gelände entfernt.
"Es gibt zwei UK-Sites – eine hier auf Menwith Hill und eine andere in Fylingdales – die George Bush als 'Augen und Ohren' für sein geplantes Star-Wars-System benötigt. Aber Bush kann das System nicht errichten, solange Blair nicht zugestimmt hat", so Tindale. Entsprechend appelliert Greenpeace an den englischen Premierminister Tony Blair, sich Bush nicht in einer solch kritischen Angelegenheit zu unterwerfen. Es sei zu befürchten, dass sich England mit der Teilnahme am Raketenabwehrprogramm zum Hauptziel für jeden machen würde, der das Abwehrsystem ausschalten wolle. Ein weiterer Frühwarn-Stützpunkt soll übrigens in Dänemark, genauer gesagt in Dundas (Thule) auf Grönland installiert werden.
Greenpeace kritisiert, dass es beim Raketenabwehrprogramm nicht um Verteidigung, sondern Bedrohung gehe und die Art und Weise, wie die Vereinigten Staaten versuchen würden, ihre Macht über andere Länder auszuüben. "Zur gleichen Zeit pumpt Bush Milliarden von Dollar in die Entwicklung von Atomwaffen", klagt Greenpeace in einer Pressemitteilung.
Der US-Geheimdienst hat die Menwith Hill Basis in den sechziger Jahren von der Royal Air Force gemietet und sie als Abhörposten ausgerüstet. Sie fungiert, laut einer Untersuchung des EU-Bürgerrechts-Ausschusses vom Jahr 1999, als Hauptknotenpunkt für die in Europa abgehörten Daten und überträgt sie per Satellit in die NSA-Zentrale nach Fort Meade in Maryland USA. Die europaweiten Abhöraktivitäten werden von verschiedensten Seiten auf Grund der Einschränkung der politischen Unabhängigkeit, möglicher Wirtschaftsspionage und der Verletzung der Persönlichkeitssphäre kritisiert.
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