Forrester gibt Powerline-Technologie nur wenig Chancen
Einige Energieversorgungsunternehmen wie RWE, EnBW Energie Baden-Württemberg und MVV Energie werden die Vermarktung von Internetzugängen an Endverbraucher über die Stromleitung zunächst in begrenzten Gebieten aufnehmen. Neben der hohen Zugangsgeschwindigkeit von bis zu 2 Mbit pro Sekunde wird vor allem eine einfache Installation als Verkaufsargument angeführt. Der Internetzugang per Powerline funktioniert nach dem Plug&Play-Prinzip: Modem in die Steckdose stecken, das Modem mit dem PC verbinden und loslegen. Zudem entfallen lästige Einwahlprozeduren, die Internetverbindung steht, wann immer der Rechner eingeschaltet ist.
Nach Einschätzung von Jörg Nußbaumer, Analyst bei Forrester, sind die Erfolgsaussichten für Powerline aber alles andere als rosig. "Gerade technische und preisliche Unzulänglichkeiten verhindern den schnellen Erfolg" , so Nußbaumer. "Powerline tritt in den nächsten Monaten in direkte Konkurrenz zur DSL-Technologie. Mit dieser wird sie sich messen müssen und dabei unterliegen" , ist Nußbaumer überzeugt.
Schwachstellen treten laut Forrester insbesondere in folgenden Bereichen auf:
- Alle an der gleichen Ortsnetzstation angeschlossenen Powerline-Nutzer teilen sich die maximale Zugangsgeschwindigkeit, die sich mit steigender Anzahl der Nutzer deutlich reduzieren soll.
- Alle bisherigen Anbieter haben Preismodelle, die auf der genutzten Datenmenge beruhen. Wenignutzer können damit nichts anfangen, und für Vielnutzer ist Powerline wesentlich teurer als alternative Technologien.
- Der Powerline-Dienst wird von allen Betreibern nur sukzessive ausgebaut. Es erfolgt eine Beschränkung auf wenige ausgewählte Regionen, und erst ab 2003 soll nahezu das gesamte Versorgungsgebiet versorgt werden.
Auf Grund der genannten Unzulänglichkeiten räumt Forrester der Powerline-Technologie keine große Bedeutung im Breitbandmarkt in Deutschland ein. Powerline erfolgreich im Markt zu platzieren gelinge nur dann, wenn bisher vernachlässigte Kundengruppen gezielt angesprochen werden, so Forrester. So habe RWE beispielsweise frühzeitig Schulen als eine geeignete Zielgruppe für ihr Angebot identifiziert. Allerdings werde es dennoch notwendig sein, attraktive Preise zu bieten.