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IMHO: Wenn Gigahertz zum Ohrschmerz wird

Computernutzer im Rauschzustand. Der moderne Computer strotzt vor Leistung – immer weiter dreht sich die Geschwindigkeitsspirale nach oben und immer seltener kann der Einzelne das Gebotene auch nur ansatzweise ausschöpfen, wenn er nicht gerade mit Spielen oder überfrachteten Office-Anwendungen kontert. Das Resultat der andauernden Entwicklung ist ein ständiger Rauschzustand – nicht etwa durch Geschwindigkeit, nein, durch steigende Anzahl von beständig surrenden Lüftern im Rechnergehäuse.
/ Christian Klaß
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Sicher, gegen Leistung hat wohl kaum ein Nutzer etwas einzuwenden, aber wer liebt es schon, in unmittelbarer Nähe eines oder gar mehrerer Rechner zu leben, deren Propeller-Arsenal sich im Nachahmen einer keuchenden Klimaanlage versucht? Über kurz oder lang sehnt sich da jeder nach etwas Ruhe und Erlösung aus dem beständigen Rauschzustand. Nur, wo gibt es die? Ob auf Arbeit oder zu Hause: Überall surrt es, selbst die heimische, computerisierte Unterhaltungselektronik summt munter mit.

Schon der Lüfterkauf wird zum Abenteuer: Immer kurioser aussehende Modelle sollen auf immer effizientere Art Hitze vom Prozessor, dem Mainboard, der Festplatte oder der Grafikkarte entfernen – leider nicht immer auf die leiseste Art und Weise. Wohl auch deshalb häufen sich akribische Tests von Miniventilatoren und Kühlgerippen auf diversen Hardware-Websites. Ganz verwegene, die der Leistungssucht erlegen sind, schrecken selbst vor teuren Alternativen wie einer selbst gebastelten oder gekauften Wasserkühlung nicht zurück – und ergänzen damit das Betriebsgeräusch womöglich um Wassergurgeln und Pumpenbrummen.

Ob in Zukunft ein Heizungstechniker die korrekte Installation des PCs überprüfen muss? Dabei will man doch am Arbeitsplatz oder am heimischen PC oft einfach nur seine Ruhe haben. Die Abwärme indes kommt nicht von ungefähr: Wenn man sich anschaut, wie viel Energie so ein Desktop-Rechner mittlerweile frisst, fragt man sich unwillkürlich, warum noch niemand nach einer Ökosteuer für PCs geschrien hat.

Dabei ist die Lösung bereits in greifbarer Nähe: Chipschrumpfung und Stromsparen. Leider denkt die Computerindustrie beim Stichwort "Stromsparen" bisher hauptsächlich an Notebooks, auch wenn diese mitunter trotzdem noch an mobile Heizplatten erinnern, deren Betriebsdauer gerade mal für eine Hand voll Spiegeleier ausreicht. Doch immerhin haben manche Notebooks etwas, was der Desktop-PC nicht bietet: Sinnvolle Stromspar-Technologien. In den Desktop-Prozessor haben sie wohl ihren Weg nur deshalb noch nicht gefunden, weil sich mit Stromsparen kaum neue Leistungsrekorde aufstellen lassen.

Doch zum Glück geht es auch anders, wie VIA oder Transmeta zeigen. Vielleicht sind deren stromsparende Prozessoren ja das erste Anzeichen dafür, dass die Tage des ständigen "Rauschzustands" gezählt sind. Doch wird dieser wohl erst abklingen, wenn auch der letzte Lüfter verstummt ist...


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