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Test: Monochromer Sony-PDA Clié

PalmOS-PDA PEG-S300 mit Memory Stick und Jog-Dial. Der Sony Clié PEG-S300 lässt sich als erster in Deutschland verkaufter PDA über den Memory Stick erweitern und ihm steht bei der Applikations-Steuerung ein Jog-Dial (Drehrad) zur Seite. Allerdings will Sony den PalmOS-PDA vorerst nicht in deutscher Sprache anbieten.
/ Ingo Pakalski
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Zaghaft betritt Sony mit seinem Sony Clié auch den deutschen Markt: Allerdings bewirbt Sony den Clié PEG-S300 hier zu Lande kaum, weil das Gerät kein deutschsprachiges, sondern nur ein englischsprachiges PalmOS enthält. Als Begründung muss das neue PalmOS 4.0 herhalten: Sony wartet, bis diese Betriebssystem-Version im Clié eingesetzt werden kann; eine Lokalisierung der alten Version lohne sich nicht.

Der Clié fällt durch sein eigenwilliges Äußeres auf und setzt sich damit von der übrigen PalmOS-Konkurrenz ab. Das Gehäuse wirkt nicht nur schmaler, sondern ist es auch. Dafür besitzt der PDA auch ein geringfügig kleineres Display als die Konkurrenz - sowohl in der Breite als auch in der Höhe. Aber auch "innere Werte" zeichnen den Sony-PDA aus: so besitzt er als erster PalmOS-PDAs einen Jog-Dial und einen Slot für den Sony-eigenen Memory Stick.

Über das an der linken Seite befindliche Jog-Dial lassen sich leicht mit nur einer Hand Applikationen aus dem Programmstarter ausführen, auch wenn diese nicht auf einer der vier Hardware-Tasten liegen: Denn ein Dreh mit dem Jog-Dial öffnet ein Popup-Fenster, das alle Applikationen der aktuellen Rubrik anzeigt. Drückt man vorher das Rädchen, wechselt man zwischen den einzelnen Kategorien, wie vom Häuschen-Symbol unter PalmOS bekannt.

Aber auch in anderen Standard-Palm-Programmen funktioniert das Jog-Dial: So lassen sich Einträge in der Aufgabenliste, im Merkzettel oder im Adressbuch auswählen und im Kalender wechselt man so die Ansicht oder springt einen Tag weiter. Sony hat alle mitgelieferten Programme, die das Jog-Dial unterstützen, im Programmstarter mit einem Kreis gekennzeichnet.

Der 120 Gramm leichte Clié besitzt zudem einen Slot für die Sony-eigenen Memory Sticks, die jedoch in keinen anderen PalmOS-PDA passen. Eine spezielle LED am PDA zeigt an, wenn auf den Memory Stick gelesen oder geschrieben wird. Befindet sich kein Memory Stick im Slot, kann mangels Schmutz-Abdeckung leider leicht Staub oder Dreck in den Slot geraten.

Da Sony noch das PalmOS 3.5 verwendet, funktioniert das Ausführen von Applikationen vom Memory Stick nicht so wie gewohnt. Applikationen erscheinen nicht wie beim Palm m500 innerhalb des Programmstarters vom PalmOS, sondern müssen mit einer speziellen Software erst in den Speicher kopiert werden. Daher eignet sich der Memory Stick also nur für Daten und Programme, die man nicht so häufig benötigt. Eine direkte Installation über den Palm Desktop auf den Memory Stick ist nicht möglich. Man muss die Daten also immer erst wie gewohnt auf den PalmOS-PDA installieren und die Daten dann manuell auf die Speicherkarte verschieben.

Zum Dateimanagement liegen zwei Programme bei: Das eine trägt den Namen MS Gate (MS steht hier für Memory Stick) und kopiert oder verschiebt Daten und Programme zwischen dem Gerätespeicher und dem Memory Stick. Außerdem lassen sich nur so Daten vom Memory Stick löschen. Mit MSAutorun bringt man einen Memory Stick dazu, ein Programm automatisch zu starten oder Daten zu kopieren, sobald die Karte in den PDA gesteckt wird.

Ähnlich wie bei der SD-Card der m500-Reihe von Palm soll der Memory Stick in Zukunft auch zusätzliche Hardware-Funktionen wie MP3-Player, Bluetooth-Funktionen und Ähnliches ermöglichen, entsprechende Module sind derzeit aber nur angekündigt.

Zu der weiteren Hardware-Ausstattung zählen ein 20-MHz-Dragonball-Prozessor, 8 MByte RAM und ein monochromer Touchscreen. Ferner besitzt der Clié einen 2-MByte-Flash-ROM-Speicher, so dass man Betriebssystem-Updates ausführen kann. Die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms arbeitet nicht wie bei vielen aktuellen PalmOS-PDAs im invertierten Modus, sondern geschieht so, wie es in den ersten Palm-Modellen üblich war. Das erleichtert das Lesen unter widrigen Lichtverhältnissen und zeigt nicht erst bei totaler Dunkelheit seine Wirkung.

Da Sony den Clié als Multimedia-PDA lanciert, dürfen entsprechende Bild- und Video-Programme nicht fehlen: GMedia zeigt Videos der Formate MPEG, AVI und QuickTime, nachdem diese auf dem Desktop in ein passendes Palm-Format konvertiert wurden und PG Pocket kümmert sich um nicht bewegte Bilder. Allerdings bereitet das Betrachten von Bildern und Videos auf einem monochromen Schirm nur wenig Vergnügen.

Die Stromversorgung übernimmt ein integrierter Lithium-Ionen-Akku, der über ein mitgeliefertes Netzteil aufgeladen wird. Anders als die Akku-betriebenen Geräte von Palm oder Handspring lässt sich der Sony-PDA vorbildlicherweise auch direkt über das Netzteil aufladen. Bei Reisen muss man also keine sperrige Dockingstation mitnehmen, um den PDA mit Strom zu versorgen. Außerdem lässt sich der Akku bei Bedarf leicht austauschen, denn das Akku-Fach wird nur von einer Schraube gesichert - auch hier ist Sony der Konkurrenz von Palm und Handspring um einiges voraus. Bleibt nur ein kleiner Wermutstropfen: Da sich die Lade-LED in der Dockingstation befindet, erkennt man ohne diese nicht, wann der Akku geladen ist. Mit voller Energiezelle soll der PDA bei einer Nutzung von rund 30 Minuten täglich zwei Wochen durchhalten.

Allerdings hatte Sony nicht immer ein glückliches Händchen: Steckt der PDA in der Ledertasche, kann man ihn leider nicht mehr auf die Dockingstation setzen. Das Gerät muss immer erst aus der Tasche befreit werden. Außerdem verpasste Sony dem Clié eine selbstentwickelte Schnittstelle, so dass sich viele Hardware-Erweiterungen für die PalmOS-Plattform derzeit nicht mit dem Sony-PDA vertragen.

Der englischsprachige Sony Clié PEG-S300 kostet 799,- DM und enthält eine USB-Dockingstation, ein Lade-Netzteil, eine Software-CD und eine gedruckte deutschsprachige Anleitung, die die Clié-typischen Funktionen, nicht aber die PalmOS-Funktionen erklärt. Außerdem liegt ein Memory Stick mit einer Speicherkapazität von 8 MByte dem Karton bei. Zusätzlich zum HotSync-Manager 3.1 legt Sony die Synchonisations-Software TrueSync bei, womit sich die Palm-Daten auch mit Outlook in den Versionen 98 und 2000 sowie mit dem Lotus Organizer der Versionen 5.0, 6.0 oder 98 abgleichen lassen. Wer die Software mit einem deutschsprachigen Outlook verwenden will, sollte unbedingt einen von Sony bereitgestellten Patch(öffnet im neuen Fenster) aus dem Internet herunterladen.

Fazit:
Der Sony Clié PEG-S300 zeigt den Konkurrenten Palm und Handspring, was zu einem Akku-betriebenen PDA dazugehört: Ein Netzteil, das man direkt ans Gerät anschließen kann, womit man nicht mehr zur Mitnahme der Dockingstation oder zum Kauf von Zubehör gezwungen ist. Auch der Jog-Dial ist eine hübsche Idee, den man an anderen PDAs schnell vermisst.

Mit dem Clié entwickelte Sony ein solides, durchdachtes Gerät, das sich im PalmOS-Umfeld behaupten kann. Allerdings wird das jetzige Modell in Deutschland kaum für große Verbreitung sorgen, weil es eben kein lokalisiertes Betriebssystem besitzt. Vielleicht ändert sich das ja, wenn Sony ein Gerät mit Farb-Display auf den Markt bringt, was noch für dieses Jahr geplant ist.


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