Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Angespielt: "Ultima Online: Third Dawn" - Online-Abenteuer

Erstmals 3D-Elemente und neue Herausforderungen für erfahrene Spieler. Ultima Online (UO) zählt neben EverQuest zu den meistgespielten kostenpflichtigen Online-Rollenspielen und lädt seit drei Jahren zum gemeinsamen Erforschen von Britannia ein. Mit dem nun erhältlichen "Ultima Online: Third Dawn", der nach "Ultima: The Second Age" und "Ultima: Renaissance" dritten Überarbeitung des Spiels, verspricht das zu EA zählende Entwicklerstudio Origin Systems vor allem eine bessere Grafik.
/ Christian Klaß
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

So sind nicht mehr alle Grafikelemente in 2D gehalten, sondern die Charaktere und mehr oder weniger monströsen Gegner mittlerweile komplett in 3D. Entsprechend feinstufiger sind die Animationen der Bewohner Britannias. Das fällt jedoch erst dann wirklich auf, wenn man etwas in die Szene hereinzoomt, was mit Third Dawn erstmals möglich ist. Ansonsten wurden die 2D-Hintergründe komplett überarbeitet und wirken dadurch etwas plastischer und detaillierter, werden allerdings wie beim Hereinzoomen auch deutlich pixeliger. Allerdings wirkt – abgesehen von den imposanten Zaubersprüchen – selbst die überarbeitete Grafik noch etwas antiquiert und lässt auf zukünftige UO-Versionen hoffen.

Für fortgeschrittene Spieler bietet Third Dawn ebenfalls Neues: Im Land Ilshendar warten mächtigere Gegner, bei denen selbst hartgesottene Einzelgänger Fersengeld geben oder sich einer ganzen Spielergruppe anschließen müssen, wenn der eigene Charakter nicht ins Pixelgras beißen soll. Doch nicht nur dort, auch in der restlichen UO-Spielwelt finden sich mit Third Dawn neue Waffen und Monster.

Vom Spielprinzip her hat sich seit Ultima Worlds Online: Origin nichts geändert: Im Gegensatz zur Ur-Version setzt auch Third Dawn mehr auf gemeinschaftlichen Umgang, bietet jedoch genug Freiheiten für diejenigen, die einmal ihre dunkle Seite erkunden wollen. Dabei sind Anfänger weitestgehend geschützt vor "Spielverderbern", die nach dem Prinzip "Rübe ab" zu UO-Anfangszeiten Einsteigern das virtuelle Leben schwer machten. Bei Kämpfen zwischen Spielern müssen fast immer beide einwilligen. Bösewichte werden schnell geächtet, selbst das Umherschnüffeln und Mitnehmen von Dingen aus fremden Häusern rächt sich auf die eine oder andere Art und Weise – meistens in Form von Punktabzug bei der Gesinnung bzw. dem Karma.

Leider hat es Origin verpasst, Ultima Online mit Third Dawn eine anfängerfreundlichere Oberfläche zu verpassen. So artet die Interaktion mit den beispielsweise für das Weiterentwickeln von Fähigkeiten nötigen Computerspielern oft zu wildem Wechsel zwischen Maus und Tastatur aus, wenn man keine Makros eingerichtet hat. Ein Beispiel: Nachdem man den Namen eines in der Nähe befindlichen potenziellen Lehrers per Mausklick herausgefunden hat, muss man fix dessen Namen und das Kommando "train" (Bsp. "Kenton train") eintippen. So erfährt man, was dieser einem gegen Geld beibringen kann. Flugs tippt man erneut "Name train Name_der_Fähigkeit" und muss dann per Maus den entsprechenden Betrag aus dem Rucksack des Charakters holen und übergeben. Abgezählt werden muss selber. All das muss in schneller Folge passieren – sonst sucht der Lehrer mitunter das Weite und man kann wieder alles von vorne tippen.

Für deutsche Spieler ergibt sich beim Interface dank der Übersetzung ein weiteres Problem, wenn sie nicht Rollenspiel-erfahren sind: Die Fähigkeiten werden von den Computerspielern in Englisch genannt, während sie im Überblick des eigenen Charakters in Deutsch stehen. Zudem scheint es eine Panne bei der deutschen Übersetzung zu geben – üblicherweise wird man bei den Ultima-Spielen sowohl durch Lehrer als auch durch Ausüben der Fertigkeiten besser. Das ist auch in Third Dawn so – nur dass hier das Spiel munter von Verschlechterungen berichtet, offenbar aber Verbesserungen meint.

Einen weiteren Anlass zur Kritik gibt die mitunter eigenartige Steuerung des eigenen Helden: Sie läuft zwar beim Druck auf die rechte Maustaste in die gewünschte Richtung, wirkt aber mitunter etwas störrisch. Richtiggehend blöd stellt sie sich an, wenn man die automatische Pfad-Suche nutzt und per Doppelklick an einen nicht allzu weit entfernt liegenden Punkt will, dazu aber einfache Hindernisse wie Bäume oder mit Durchgängen versehene Wände überwunden werden müssen. Meist läuft der eigene Charakter dann plötzlich kreuz und quer durch die Gegend, bis er beim gewünschten Zielort angekommen ist, oder findet schlichtweg keinen Weg – selbst einen nicht ganz so offensichtlichen. Besonders nervig ist das in Situationen, in denen man in einer Gruppe unterwegs ist und der eigene Charakter dem Anführer automatisch folgen soll. Wer hier nicht aufpasst, steht plötzlich alleine im Wald.

Allerdings schiebt Origin ständig kleinere Updates nach und behebt den einen oder anderen Fehler. Das Spiel wird also stetig hinter den Kulissen ein kleines bisschen verbessert, was sich gleich beim ersten Start und später alle paar Tage durch anstehende automatische Downloads zeigt. Ob und wann damit auch die oben genannten Kritikpunkte beseitigt werden, wird sich noch zeigen müssen. Zudem muss Origin noch etwas an der Stabilität des Spiels arbeiten, da es beim Taskwechsel mitunter zum Absturz neigt – beispielsweise wenn ein installierter Webbrowser zum Anzeigen der Spielhilfe und -tipps gestartet wird.

Im Gegensatz zur Konkurrenz – insbesondere zum reinen 3D-Rollenspiel EverQuest – bietet Third Dawn nach dem Kauf des Spiels einen ohne Angabe von Zahlungsmodalitäten nutzbaren Freimonat, die folgenden schlagen mit 10,- US-Dollar zu Buche. Wie bei Ultima-Spielen gewohnt, liegt dem Spiel auch eine ziemlich kleine Weltkarte bei.

Kommentar:
Mit Ultima Online: Third Dawn wird Ultima Online wieder ein Stück besser – die Welt sieht nun ein bisschen hübscher aus, lädt zum Erforschen ein und bietet genügend Möglichkeiten, für viele Monate gemeinsam Abenteuer zu erleben. Allerdings kann auch Third Dawn in Sachen Benutzerfreundlichkeit nicht recht überzeugen: Es krankt an einer zu komplizierten Bedienung, die eine längere Einarbeitungszeit erfordert.


Relevante Themen