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Test: Palm m500 mit Graustufen-Display

Erster PDA mit dem neuen PalmOS 4.0 und SD-Card-Slot. Jetzt ist es endlich soweit: Der erste Serien-Palm mit der neuen Version 4.0 des PDA-Betriebssystems PalmOS hat die Fließbänder verlassen. Im Test musste der monochrome Palm-Vx-Nachfolger m500 sein Können beweisen.
/ Ingo Pakalski
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Das Metallgehäuse des m500 ähnelt der Palm-V-Serie und unterscheidet sich durch eine etwas rundere Form, der Gehäuse-Farbe sowie dem Einschub für die briefmarkengroßen SD-Cards respektive MultiMedia-Cards von seinem Vorgänger. Denn mit dem m500 bringt Palm seinen ersten PDA mit einem integrierten Erweiterungs-Slot auf den Markt. Zu der weiteren Hardware-Ausstattung zählen 8 MByte RAM-Speicher, 4 MByte upgrade-fähiges Flash-ROM und ein 33 MHz schneller Dragonball-Prozessor.

Das monochrome Graustufen-Display des mobilen Begleiters bietet einen guten Kontrast und ist selbst bei schlechten Lichtverhältnissen gut lesbar. Die zuschaltbare Hintergrundbeleuchtung macht sich erst bei dunkler Umgebung bemerkbar. Leider bleibt beim m500 der Graffiti-Bereich dann noch dunkel; erst der demnächst folgende Farb-PDA m505 soll auch diesen Display-Bereich ausleuchten.

Mit dem m505 holt Palm bezüglich der Erweiterbarkeit endlich die Konkurrenz ein, die ihre Handhelds schon lange mit integrierten Steckplätzen ausstatten: Handspring entschied sich bei seinen Visor-PDAs von Anfang an für die selbst-entwickelten Springboard-Module, die etwa so groß wie Compact-Flash-Karten sind und auch Sony setzte auf eine Eigenentwicklung - den MemoryStick. Jetzt führt Palm mit den SD- und MultiMedia-Cards eine dritte Erweiterungsmöglichkeit in die PalmOS-Welt ein, welche mit den anderen Verfahren nicht austauschbar ist.

Derzeit dienen die SD-Cards, wie auch der MemoryStick, vornehmlich als Datenspeicher. Für beide Kartentypen sind aber bereits Funktions-Module wie Bluetooth-Karten oder MP3-Player angekündigt. Palm legt dem m500 leider nicht - wie etwa Sony - eine leere Speicherkarte bei, so dass der Steckplatz ohne Mehrausgaben brachliegt.

Als weitere Neuerung enthält der m500 eine USB-Dockingstation, was den Datenaustausch mit dem Desktop-PC gegenüber einer seriellen Verbindung deutlich beschleunigt. Dafür verpasste Palm der m50x-Reihe eine neu gestaltete Schnittstelle. Wer Zubehör für die Palm-V-Serie besitzt, kann diese - ohne vielleicht irgendwann erhältliche Adapter - daher nicht mit dem m500 verwenden, was in der Palm-Gemeinde für Verdruss sorgte. Palm versicherte jedoch, dass man dieser Schnittstelle nun treu bleiben werde.

Als etwas ungewohnt stellte sich das Entnehmen des PDA aus der Dockingstation heraus, denn jetzt muss der m500 erst angekippt werden, um ihn von dem stabil stehenden Cradle zu lösen. Die Dockingstation übernimmt außerdem das Aufladen des fest integrierten Lithium-Ionen-Polymer-Akkus. Leider kann man das mitgelieferte Netzteil nicht direkt an den m500 anschließen, so dass man auf Reisen die Dockingstation mitnehmen oder ein separates Lade-Netzteil als Sonderzubehör kaufen muss.

Leider verpasste Palm bei der Überarbeitung des Gehäuses die Chance, das versehentliche Einschalten des Geräts vollständig zu unterbinden. Obwohl die vier Applikationsknöpfe jetzt tiefer im Gehäuse liegen, kann der m500 wie sein Vorgänger durch die Abdeckung hindurch - etwa in der Tasche - unbeabsichtigt eingeschaltet werden, was wertvollen Akkustrom kostet.

Hier hilft zwar die HackMaster-Erweiterung StayOffHack(öffnet im neuen Fenster) , die die vier Applikationsknöpfe deaktiviert, aber es bleibt unverständlich, warum Palm den Geräten nicht einfach einen separaten Schiebe-Schalter verpasst, der die Tasten blockiert, wie es etwa jeder 100-Mark-Walkman besitzt.

Um auf den Inhalt von SD- oder Multimedia-Cards zuzugreifen oder diese mit Daten zu füllen, wurde das Betriebssystem an einigen Stellen entsprechend angepasst. Anwendungen auf der Speicherkarte werden jetzt zunächst in den Speicher des Geräts geladen und dann von dort gestartet, wie man es vom Desktop-PC kennt. Besonders wenn sich große Applikationen auf einer Speicherkarte befinden, kann man diese nur ausführen, wenn im Handheld ausreichend Arbeitsspeicher zur Verfügung steht. Auch Konfigurationsdateien von Programmen werden im Speicher des Handhelds abgelegt.

Die Befehle "Info", "Übertragen" und "Löschen" aus dem Programmstarter-Menü des PalmOS funktionieren auch mit Speicherkarten, so dass es in der Bedienung keinen Unterschied bemerkt, ob die Daten im Palm-Speicher oder auf der Speicherkarte liegen. Als neue Funktion gesellte sich der Befehl "Kopieren" zum Menü hinzu, um Programme von oder auf die Speicherkarte zu kopieren. Unabhängig von den Speicherkarten fiel auf, dass das PalmOS 4.0 bei allen Dateibefehlen im Vergleich zur Version 3.5 deutlich flotter arbeitet.

Steckt man eine mit Dateien bespielte SD-Card in das Gerät, erscheint deren Speicher-Inhalt in einem separaten Eintrag innerhalb der Kategorie-Übersicht. Bei einer prall gefüllten Speicherkarte kann dies leicht unübersichtlich werden, weil man die Programme auf der Karte nicht kategorisieren kann. Auch lässt sich keine der vier Applikations-Knöpfe auf der Vorderseite des PDA zum Starten von Programmen verwenden, die sich auf einer Speicherkarte befinden.

Für den Durchschnitts-Anwender bietet das PalmOS 4.0 als herausragendste Neuerung nun einen stillen Alarm sowie eine Vibrationsfunktion. Letztere lässt das Gerät bei einem Alarm vibrieren, wie man es schon von Handys kennt und der stille Alarm erinnert geräuschlos durch Blinken der Lade-LED an bevorstehende Termine.

Schade, dass die beiden neuen Alarm-Funktionen nur halbherzig implementiert wurden. Denn die verschiedenen Modi lassen sich nur global in den Einstellungen bestimmen. Es ist nicht möglich, den stillen Alarm oder die Vibrationsfunktion einem einzelnen Kalendereintrag zuzuweisen. Außerdem verstehen alternative Terminmanager wie DateBk4(öffnet im neuen Fenster) oder Action Names(öffnet im neuen Fenster) diese neuen Funktionen noch nicht, werden aber vermutlich in Kürze entsprechend angepasst.

Als weiteres Ärgernis fehlte bei den neuen Alarm-Optionen eine Möglichkeit, die Dauer der Benachrichtigung zu erhöhen. Die Lade-LED blinkt maximal drei Mal und auch der Vibrationsalarm verstummt nach drei kurzen Vibrationen wieder. Ungewöhnlich auch, dass der neue Wecker immer klingelt, auch wenn die Signaltöne in den Einstellungen deaktiviert wurden.

Neben dem in der Uhr enthaltenen Wecker übernahm der m500 von der m10x-Serie auch das Notepad zum Zeichnen von Notizen. Ebenfalls neu ist das Programm "Card Info", das Angaben zur eingesteckten SD-Card gibt und auch das Formatieren einer Speicherkarte ermöglicht.

PalmOS 4.0 beherrscht nun Zeitzonen, die von Applikationen abgefragt werden können. Palm überarbeitete auch die Sicherheits-Einstellungen: Eingegebene Kennwörter zeigen private Einträge jetzt nur noch in der laufenden Applikation. In anderen Programmen bleiben solche Einträge je nach Einstellung maskiert oder verborgen. Außerdem soll die Hintertür im PalmOS nun verschlossen sein.

Wie schon beim Palm m105 gehört auch bei den Top-Modellen m500 und m505 das Mobile Internet Kit zum Lieferumfang. Darüber hinaus spendiert Palm den Top-Modellen weitere Zusatz-Software: Etwa den Dokumenten-Konverter DocumentsToGo 3.0, womit sich auch Word- und Excel-Dateien auf dem Handheld bearbeiten lassen. Für die Bearbeitung von Bildern liegt die PhotoSuite Mobile Edition mit im Karton. Und schließlich ermöglicht der PalmReader das Lesen von E-Books. All die Programme befinden sich als separate Archive auf der Installations-CD und müssen manuell nachinstalliert werden.

Und schließlich liegt dem Paket der aktualisierte Palm Desktop 4.0 für Windows und MacOS bei, der die Installation von Applikationen direkt auf die SD-Card erlaubt. Neben weiteren kleinen Verbesserungen an der Oberfläche und Bedienung enthält dieser nun den HotSync-Manager in der Version 4.0, der seine Daten sowohl über USB als auch über Infrarot austauschen kann. Löblich, dass Palm dem m500 eine umfangreiche gedruckte Anleitung beilegt, so dass sich der Neuling bequem mit den Funktionen des Geräts vertraut machen kann.

Zum Test stand uns ein erstes Seriengerät aus der US-Produktion zur Verfügung, daher fehlte hier die Option zur Sprachwahl noch. In den hier zu Lande verkauften Geräten soll beim ersten Einschalten eine Abfrage erscheinen, bei der zwischen Sprachen wie Deutsch, Englisch und Französisch gewählt werden kann. Die deutschen Seriengeräte sollen zum Preis von 999,- DM in etwa zwei Wochen in den Handel kommen.

Fazit:
Der Palm m500 erweist sich insgesamt als würdiger Nachfolger des Palm Vx und schließt mit dem neuen SD-Slot endlich zur Konkurrenz auf, die ihre Geräte schon lange mit Erweiterungs-Slots ausrüstet. Da sich im Lieferumfang aber keine SD-Card befindet, verpasst Palm hier die Chance, den Steckplatz entsprechend zu fördern.

Schade auch, dass Palm die Chance verpasste, das lästige versehentliche Einschalten des PDAs vollständig zu umgehen. Als unbefriedigend erwies sich leider auch die Implementierung des stillen Alarms und der Vibrationsfunktion. Bleibt die Hoffnung, dass Dritthersteller hier in die Bresche springen und mit guten Zusatz-Applikationen diese Unzulänglichkeit beheben.


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