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Deutsche Musikindustrie sorgt sich um digitale Piraterie

Umsatz der Phonowirtschaft stagniert im Jahr 2000. Die deutsche Phonoindustrie hat im Jahr 2000 ihr Absatz- und Umsatzniveau aus dem Vorjahr nicht wieder ganz erreichen können. Der Umsatz zu Endverbraucherpreisen der an der Verbandsstatistik teilnehmenden Unternehmen ging 2000 um 2,2 Prozent auf 4,78 Milliarden DM (1999: 4,89 Milliarden) zurück. Der Absatz von Tonträgern sank von 272,5 auf 262,2 Millionen Stück (minus 3,8 Prozent).
/ Andreas Donath
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"Angesichts der Flutwelle von Internet-Piraterie und der ausufernden privaten Vervielfältigung mit Hilfe von CD-Brennern ist das Umsatzergebnis des vergangenen Jahres als Erfolg zu werten", erklärte Thomas M. Stein, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft.

Auch wenn der physische Absatz von Tonträgern 2001 der Hauptumsatzträger des Musikmarktes bleibt, sei das Internet der Impulsgeber für dessen weitere Entwicklung. "Inzwischen sind Webauftritte Standard, und auch der Download-Handel ist in Gang gekommen. Allerdings hat es die Phonowirtschaft in diesem Bereich besonders schwer, weil massenhafte illegale Angebote das Internet dominieren", erläuterte Stein.

Der Absatz von Alben sank vor allem in den oberen Preis-Segmenten, in denen die aktuellen Neuerscheinungen angeboten werden. Illegale Musikangebote im Internet enthalten zum allergrößten Teil Chart-Titel, die hauptsächlich heruntergeladen werden. Auch beim Selberbrennen von CDs, das vor allem bei jugendlichen Musikfans verbreitet ist, dominiert aktuelles Repertoire.

Gleichzeitig sank die Zahl der Intensivkäufer, die im Jahr mehr als neun Tonträger kaufen, von 6 Prozent in 1999 auf 5,4 Prozent in 2000. Intensivkäufer sorgen aber für rund 44 Prozent des Umsatzes. Der gesunkene Tonträgerabsatz und der Rückgang bei den Intensivkäufern sei aber keineswegs Ausdruck schwindenden Interesses an der Musik. Im Gegenteil: "Selbstversorgung" aus illegalen Quellen und durch privates Vervielfältigen sei inzwischen praktisch genauso wichtig für die Musiknutzung wie Käufe von CDs, allerdings mit dramatischen Folgen für die Rechteinhaber, deren wirtschaftliche Existenz dadurch bedroht ist, so der Verband.

Wolf-D. Gramatke, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Landesgruppe der IFPI, spricht deswegen von drei Schritten, die die Musikindustrie national und international beschreitet: "Die Musikwirtschaft bietet attraktive Angebote, auch im Internet. Sie bekämpft jede Form der Musikpiraterie konsequent, die ja nichts anderes ist als Diebstahl geistigen Eigentums. Und sie wird ihre Produkte künftig mit geeigneten Maßnahmen schützen. Von den politischen Akteuren erwarten wir klare rechtliche Rahmenbedingungen für Geschäftsmodelle im Netz und die Reform der Regelungen zur Privatkopie."

"Es ist ungerecht und unangemessen, dass die Künstlerlizenzen für eine bespielte CD bei etwa 8 DM liegen, bei einer Privatkopie auf einem CD-Rohling jedoch nur bei gut 0,14 DM", erläuterte Wolf-D. Gramatke.

Die Weigerung von Hewlett-Packard, dem gerichtlichen Vergleich zur Festsetzung einer Vergütung für CD-Brenner zuzustimmen, hält Gramatke daher für das völlig falsche Signal.

Thomas M. Stein ist sich sicher: "Musik und Internet passen ideal zusammen. Die Voraussetzung dafür ist allerdings der wirksame Schutz des geistigen Eigentums von Komponisten, Textdichtern, ausübenden Künstlern und Tonträgerherstellern."


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