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Gorasul - Besser als Baldurs Gate 2?

Berliner Entwickler arbeiten an vielversprechendem Rollenspiel. Rollenspiele haben seit längerem Hochkonjunktur, mit Platzhirschen wie Diablo 2 oder Baldurs Gate 2 vermag aber kaum ein aktuelles Programm mitzuhalten. Die Entwickler von Silverstyle haben mit Gorasul nun ein wahrhaft heißes Eisen im Feuer – kommt da der nächste RPG-Hit etwa aus Berlin?
/ Thorsten Wiesner
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Bei der Hintergrundgeschichte, die gleich in einem ganzen Roman nachzulesen ist, gab man sich sichtlich Mühe und bewies Liebe zum Detail. So erzählt das Spiel die Erlebnisse von Roszondas, einem Mann, der von einem Drachen in der Welt Gorasul großgezogen wurde und durch das Geschenk des Drachenatems die Magie und das Wesen seines Adoptivvaters erhält.

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In Roszondas Welt steht aber nicht gerade alles zum Besten: Der Dämon Krshnat hat durch einen Dimensionsriss die Möglichkeit, von seiner Welt aus das Chaos auf Gorasul zu säen, indem er aus den Leichen Verstorbener untote Armeen erschafft und diese auf das nichtsahnende Volk von Gorasul hetzt. Die einzige Barriere, die Krshnat vom Betreten der Welt Gorasul abhält, ist die landeigene Magie, die allerdings auch nur solange wirkt, bis der letzte Verteidiger des Guten das Zeitliche segnet.

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Roszondas selbst entwickelt sich während der Zeit des Krieges unter Nutzung seiner Drachenfertigkeiten zu einem der letzten Helden der bekannten Welt, wird aber im Kampf schließlich dahingerafft. Eine ihm gut gesinnte Gottheit verhilft ihm zur Wiedergeburt, allerdings hat der vorübergehende Tod seine Spuren hinterlassen: Die magischen Fähigkeiten sind nur noch rudimentär vorhanden, und das Gedächtnis ist auch nicht mehr das, was es mal war.

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An dieser Stelle übernimmt der Spieler das Schicksal von Roszondas und irrt zunächst etwas ziellos in der fesselnden und schon auf den ersten Blick grafisch überzeugenden Welt umher. Zuvor hat man sich bereits entschieden, in welchem Modus man das Spiel angehen will: Neben der "normalen" Kombination aus Kämpfen und Rätseln ist es auch möglich, Gorasul questlastig oder actionorientiert zu spielen. Während man sich in letzterer Variante auf häufige und ausgedehnte Gefechte gefasst machen kann, wird der Rätselfreund vom Quest-Modus begeistert sein. Unzählige, oft recht knifflige Aufgaben warten darauf, gelöst zu werden und können unter Umständen schon mal einige Minuten Bedenkzeit benötigen.

Neben den auch aus anderen Rollenspielen bekannten Charakterwerten des Helden verfügt Roszondas zusätzlich über vier Drachenfertigkeiten: Drachenatem, Drachenaugen, Drachenfurcht und Drachenstärke verleihen ihm besondere Kräfte, die sich nicht nur auf den Kampf, sondern zum Beispiel auch auf die Sichtweite auswirken – je stärker die Drachenaugen, desto früher erblickt man herannahende Bösewichte. Eine weitere gelungene Besonderheit des Spieles ist die mitgeführte Waffe: Ganz im Gegensatz zu den eher willenlosen Pendants anderer Programme entwickelt der kämpferische Begleiter hier nämlich ein oft recht amüsantes Eigenleben.

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So mag es durchaus sein, dass das mitgeführte Schwert panische Angst vor bestimmten Feinden hat und den von Roszondas angestrebten Angriff nur unter Widerwillen oder gar überhaupt nicht durchführen will. Bestimmt wird dieses störrische Verhalten vom Egowert der Waffe, zusätzlich wird jedes Kriegsgerät auch noch durch Punkte für Intelligenz und Mut beschrieben.

Überhaupt kommt der Bewaffnung eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu, denn per Telepathie nimmt die Waffe schon recht früh im Spiel Kontakt mit einem auf und gibt wertvolle Hinweise – welcher Haudegen hat nicht schon immer davon geträumt, etwas über das Seelenleben seiner Hieb- und Stichwaffen zu erfahren?

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Bei der nicht gerade unwichtigen Wahl des Kampfsystemes bewies man Offenheit für die Wünsche der Spieler: Wer von der Einfachheit des Diablo-Systems begeistert ist, wird ebenso zufrieden gestellt wie Anhänger der Baldurs-Gate-Steuerung, denn vor Spielbeginn darf man sich für eines der den großen Vorbildern nachempfundenen Systeme entscheiden.

Auch in punkto Atmosphäre haben die Entwickler anscheinend ganze Arbeit geleistet: Die Szenarien sind oftmals sehr düster und bedrohlich, grafisch dabei aber immer detailliert und liebevoll gestaltet. Auch die Hintergrundmusiken sind klassisch-dunkel ausgefallen und sorgen für angenehme Gänsehaut, mehrere humoristische Einlagen bewirken aber, dass die Endzeit-Stimmung auf Gorasul eine unterhaltsame Auflockerung bekommt.

Kommentar:
Rollenspielfreunde sollten sich schon einmal auf einen spannenden Sommer gefasst machen, denn Gorasul verspricht ein wahres Highlight zu werden. Grafisch kann der Titel problemlos mit Baldurs Gate 2 mithalten, zudem werden einige Fehler des letztjährigen Blockbusters bewusst vermieden – viel zu lange Textwüsten wird man hier ebenso vergeblich suchen wie unübersichtliche Massen von Zaubersprüchen oder nervende, viel zu ausgedehnte Kampfrunden.

Über mangelnde Komplexität wird man sich zweifelsohne dennoch nicht beschweren können, die unterschiedlichen Modi bieten zudem eine optimale Einstellung auf den jeweiligen Spielertyp. Die vielen Wahlmöglichkeiten im Spiel schreien zudem gerade nach einem wiederholten und dann mit Sicherheit komplett anders ablaufenden Spielgeschehen – bei den für das komplette Durchspielen angesetzten 60 Stunden wird es somit wohl kaum bleiben.

Interview Carsten Strehse

Golem.de: Die Hintergrundgeschichte von Gorasul wird in einem von Dir geschriebenen Roman erzählt. Wie kamst Du darauf, gleich ein ganzes Buch zum Spiel zu schreiben?

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Strehse: Eigentlich verhält es sich anders herum. Mit den Arbeiten am Roman habe ich vor der Entstehung des Computer-Rollenspiels begonnen. Sowohl der Roman als auch das CRPG beruhen wiederum auf dem Gorasul-P&P-Rollenspielsystem.

Golem.de: Wann hat denn die Arbeit zu Gorasul begonnen? Und wie viele Mitarbeiter werkeln derzeit an dem Spiel?

Strehse: Die Arbeiten haben vor etwas mehr als zwei Jahren begonnen. Derzeit arbeiten noch elf Leute am Produkt, in Spitzenzeiten waren es mehr als 20.

Golem.de: So wie ich es mitbekommen habe, sind viele der Mitarbeiter von Silver Style passionierte Rollenspieler. Wird Gorasul dadurch für Euch zu so etwas wie Eurem ambitioniertesten Projekt bisher, weil Ihr selber sehr tief in der Materie verwurzelt seid?

Strehse: Als Entwickler von Computerspielen muss man jedes Projekt zu seinem Baby machen und das aktuelle ist immer das schönste. Insofern ist auch "Gorasul: Das Vermächtnis des Drachen" natürlich etwas Besonderes für uns.

Golem.de: Gorasul macht gerade auch optisch bereits einen sehr guten Eindruck. Glaubt Ihr, dass Ihr mit einem finanziell ja weitaus aufwendigeren Projekt wie Baldurs Gate 2 mithalten könnt? Hat man es generell als deutscher Entwickler schwer, mit amerikanischen Großproduktionen, wie sie etwa Blizzard hervorbringt, mitzuhalten?

Strehse: Keine Frage, es wird nicht leichter. Glücklicherweise begreifen inzwischen aber auch die großen deutschen Unternehmen unserer Branche, dass gute Spiele sehr viel Geld kosten. Eine "Abwanderung" deutscher Developer zu amerikanischen oder englischen Firmen wäre sonst unausweichlich gewesen. Im Fall von "Gorasul" steht ebenfalls sehr viel Geld hinter der Produktion. Sicherlich nicht so viel wie bei manchem Konkurrenzprodukt, aber Kreativität und gute Ideen sind zum Glück nur bedingt von den finanziellen Mitteln abhängig.

Golem.de: Wo siehst Du die größten Unterschiede zwischen Gorasul und bereits erhältlichen Rollenspielen?

Strehse: Die Unterschiede sind sehr vielfältig. Sicherlich ist die Möglichkeit, das Spiel rätsel-, kampflastig oder in einer Mischung aus beidem zu spielen, ein Highlight. Wir führen damit die Gruppen der Diablo- und BG-Fans zusammen. Weiterhin kann man seine eigenen Waffen kreieren oder zwischen zwei Kampfsystemen wählen, was bisher in dieser Form auch noch nicht zu sehen war. Alle Details hier aufzuzählen würde aber sicherlich den Rahmen sprengen.

Golem.de: Das deutsche Release von Gorasul ist für Sommer 2001 angekündigt. Wie steht es mit einer internationalen Version? Wird es eine englischsprachige Version geben, und wenn ja wann? Und wie seht Ihr selber Eure Erfolgschancen sowohl auf dem deutschen Markt als auch auf internationaler Ebene?

Strehse: Das Release der deutschen Version wird im Juni 2001 liegen. Im Anschluss daran werden die Aktivitäten im Ausland (natürlich auch in England und den USA) koordiniert. Unsere Erfolgschancen schätze ich durch das bisher sehr positive Pressefeedback für ganz hervorragend ein. Unser Partner JoWooD ist zudem für ganz ausgezeichnete Marketingaktivitäten bekannt, weshalb dem Erfolg von "Gorasul: Das Vermächtnis des Drachen" nichts mehr im Wege steht.

Silver Style Entertainment

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Bereits seit 1993 entwickelt das Team von Silver Style Computerspiele und darf sich somit mit dem Titel Berlins "dienstältestes" Entwicklerteam schmücken. Neben einer Reihe von Entwicklungen im Werbespielbereich konnten die Gründer mit Titeln wie Mad TV, Mad News oder Caribbean Disaster erstmals in großem Rahmen auf sich aufmerksam machen.

Das erste vollständig von Silver Style eigenentwickelte Produkt war dann 1996 die Wirtschaftssimulation "Der Produzent", die einem die Möglichkeit gab, in der Filmbranche aktiv zu werden. 1998 folgte dann "Sports TV: Boxing", eine Box-Sportsimulation, die etwas später in "RTL Boxen Extra der Boxmanager" eine Fortsetzung erhielt.

Ende 2000 erschien dann "Anpfiff: Der RTL Fussballmanager". Momentan arbeitet man an zwei großen Projekten: Neben dem Rollenspiel Gorasul wird auch das 3D-Echtzeitstrategiespiel Unborn vorbereitet. Nachdem der bis vor kurzem bestehende Publishing-Deal mit THQ nach dem RTL Fussballmanager aufgelöst wurde, arbeitet man nun seit kurzem mit JoWood zusammen.

Übrigens ist Silver Style momentan auf der Suche nach Programmierern – wer Interesse hat, kann sich per

Mail

an Silver Style wenden.


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