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Internet World: Marke "Explorer" muss gelöscht werden

Symicron hat den Namen "Explorer" laut Internet World vor 1995 nicht verwendet. Die Angaben, die die Firma Symicron zum Vertrieb ihrer Software "Explorer" gemacht hat, sind höchst zweifelhaft, so die Zeitschrift Internet World in einer Vorabinformation zu ihrer am 9. März erscheinenden Ausgabe 04/01. Bis 1995 sei die nun als "Explorer" bezeichnete Software offenbar unter dem Namen "Truvelo-OCR" vertrieben worden. Symicron-Kunden sei ein "Explorer" nicht bekannt.
/ Jens Ihlenfeld
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Die Marke "Explorer", die im Internet für erheblichen Zündstoff sorgt, könnte schon bald gelöscht sein. Recherchen der Zeitschrift Internet World wecken Zweifel an den Angaben, die der Inhaber der Marke, die Ratinger Firma Symicron, vor Gericht macht. Seit November 2000 müsse die Firma Symicron eine Nutzung der Marke "Explorer" belegen können, um ihren im November 1995 erhobenen Markenanspruch aufrechtzuerhalten – die Basis für zahlreiche Abmahnverfahren des Münchner Rechtsanwalts Günther Gravenreuth.

Symicron selbst gibt an, bei dem "Explorer" handele es sich um ein Programm, das in Fotos enthaltene Texte für den Computer lesbar macht (OCR, Optical Character Recognizing) und das als Modul zur Verkehrsüberwachungs-Software Gerograph gehöre. Gerograph dient der Verwaltung und Auswertung von Photos, die in der Verkehrsüberwachung von Rotlicht- und Geschwindigkeitssündern gemacht werden – Kunden seien ausschließlich Behörden, die solche Anlagen betreiben. Das OCR-Modul "Explorer" soll unter anderem die Kennzeichen der geblitzten Fahrzeuge automatisch erkennen. Symicron-Anwalt Gravenreuth behauptet laut Internet World in seinen gerichtlichen Schriftsätzen, ein Produkt namens "Explorer II" würde seit 1991 zum Preis von 12.500,- DM vertrieben. Das Programm würde "zumeist" als Modul, etwa in der Symicron-Software Gerograph, zum Einsatz kommen.

Nach Recherchen der Internet World seien aber diese Darstellungen nicht haltbar. So liegen Internet World Angebote der Firma Symicron aus den Jahren 1994 und 1995 vor, bei denen ein OCR-Modul zu exakt dem Preis angeboten wird, den Gravenreuth heute für den "Explorer" angibt. Der Name des Moduls: "Truvelo OCR" bzw. "Truvelo-OCR (Symicron Entwicklung)". Ein "Explorer" wird in den Angeboten dagegen nicht genannt. Auch schaltete Symicron im Fachblatt "Der Verkehrsdienst" ganzseitige Anzeigen für Gerograph. Das letzte Motiv erschien 1996. Auch hier wird ein Modul namens "Explorer" nicht genannt, so die Internet World.

Und auch in den Jahren nach 1996 hat nach den Recherchen der Zeitschrift ein Vertrieb des "Explorers" offenbar nicht stattgefunden. Die Internet World hat zehn der bisher sorgsam gehüteten Gerograph-Kunden ausfindig gemacht. Keiner der befragten Kunde konnte bestätigen, mit einem Produkt namens "Explorer" von Symicron beliefert worden zu sein. Neun der Kunden waren sogar bereit, detailliert Auskunft zu der eingesetzten Software zu geben.

Das Amt für Verkehrswesen Wiesloch setzte Gerograph etwa von 1995 bis 2000 ein. Aber: "Weder aus dem Angebot, noch aus dem installierten Programm war ein Bestandteil des Programms mit dem Namen Explorer erkennbar." Das Ordnungsamt Düsseldorf wurde 1998 mit Version 5.0 des Gerograph beliefert und setzt sie noch heute ein. Auf Anfrage hieß es: "Ein Produkt namens Explorer wird nicht erwähnt." Fehlanzeige auch bei der Kreisverwaltung Neuss, einem der ersten Gerograph-Abnehmer, die die Software von 1994 bis 1997 im Einsatz hatte: "Ein Software-Modul namens Explorer war nicht Bestandteil des Gesamtpakets."

Allerdings konnte die Firma Symicron zwei Internet-World-Redakteuren bei einem Ortstermin eine Gerograph-Version vorführen, die an prominenter Stelle den Schriftzug "Gerograph inkl. Explorer" trug. Die angefragten Behörden konnte hingegen nicht bestätigen, eine Gerograph-Version einzusetzen, die einen ähnlichen Schriftzug aufweist.

Symicron sicherte sich im November 1995, kurz vor der Markteinführung von Windows 95 in Deutschland, die Rechte an der Softwaremarke "Explorer". Aufsehen erregte die Firma vor allem mit Abmahnungen von Homepage-Betreibern, die Links auf ein Software-Produkt namens "FTP-Explorer" anboten. In mehr als 60 Fällen wurde Symicron-Anwalt Günter Gravenreuth in Sachen "Explorer" aktiv. Die Abmahnungen an Firmen und Privatleute sind mit vierstelligen Kostennoten verbunden.


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