Internet-Start-ups wollen 100.000 Mitarbeiter einstellen
Aktuell sind in Deutschland etwa 15.000 Gründungen im Geschäftsfeld Internet/ E-Commerce aktiv. An ihrer Entstehung waren 28.000 Gründer beteiligt, die größtenteils auch heute noch unternehmerisch aktiv sind.
In Deutschland beschäftigen die Gründungen etwa 151.000 fest angestellte Mitarbeiter, weitere 29.000 entfallen auf Standorte im Ausland. Freie Mitarbeiter haben für die meist kleinen Unternehmen eine hohe Bedeutung. Ihre Zahl beträgt etwa 67.000 Mitarbeiter, die meist projektbezogen oder in Teilzeit eingesetzt werden. Weitere 80.000 bis 100.000 Mitarbeiter, die bei etablierten Unternehmen und ausländischen Anbietern beschäftigt sind, können den Geschäftsfeldern Internet und E-Commerce zugerechnet werden. Damit dürfte die gesamte Beschäftigung im betrachteten Segment der "New Economy" etwa 250.000 bis 300.000 Mitarbeiter betragen, so die Studie.
Um die gesteckten Wachstumsziele zu erreichen, planen die Gründungen über den Ersatz von Abgängen hinaus in 2001 zusätzliche 100.000 Neueinstellungen. Bei moderaten Wachstumsannahmen dürfte der Bedarf der etablierten und ausländischen Unternehmen weitere 20.000 bis 30.000 Mitarbeiter betragen. Von diesem Bedarf entfallen laut Studie 15 Prozent auf E-Commerce-Anbieter, 72 Prozent auf Anbieter von Internet-Dienstleistungen und 13 Prozent auf Technologie-Anbieter.
Das zusätzliche Beschäftigungspotenzial von 100.000 Mitarbeitern wird in 2001 jedoch nicht realisiert werden können, resümiert die Studie. Neben einer steigenden Rate von Firmenaufgaben wird vor allem die Situation am Arbeitsmarkt dafür sorgen, dass das Beschäftigungswachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt. Weitere Anstrengungen für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften seien notwendig.
In den USA haben Firmenschließungen und Restrukturierungen in den letzten Monaten zu einer Entlassungswelle geführt. Auf Grund der Entwicklung an den Kapitalmärkten und einsetzender Konsolidierung könne auch in Deutschland für 2001 von einer steigenden Rate an Firmenaufgaben ausgegangen werden. Ein höheres Risiko tragen dabei vor allem die etwa 2.000 Beteiligungskapital-finanzierten Gründungen, die durch Venture-Capital-Gesellschaften, Business Angels oder strategische Investoren finanziert wurden. Auf diese Unternehmen entfallen etwa 35 Prozent der Beschäftigung und 57 Prozent der geplanten Neueinstellungen.
Deutsche Gründungen haben erst nach dem Start des Neuen Marktes und damit vergleichsweise spät Zugang zu Beteiligungskapital erhalten. Sie sind stärker aus dem eigenen, den Marktbedarf reflektierenden Cash-flow gewachsen und damit langsamer als vergleichbare Unternehmen in den USA. Das Risiko einer großen Entlassungswelle sei in Deutschland daher wesentlich geringer. Durch Firmen-Schließungen frei werdende Mitarbeiter können durch bestehende Unternehmen und neue Gründungen aufgenommen werden.
Als Referenz wurde ein "Worst-Case"-Szenario betrachtet. Es beruht auf der Annahme, dass 20 Prozent der Gründungen im Jahr 2001 scheitern, keine neuen Unternehmen entstehen und die verbleibenden Firmen nur die Hälfte des erwarteten Wachstums realisieren können. Selbst in diesem schlechtesten Fall beträgt der Bedarf der Gründungen noch zusätzliche 25.000 Mitarbeiter in diesem Jahr.
E-Startup.org(öffnet im neuen Fenster) ist das Forschungsprojekt zu Internet/E-Commerce-Gründungen in Deutschland. Ziel des Projektes ist es, das aktuelle Gründungsverhalten in Deutschland zu erheben und auszuwerten. Auf Basis der erhobenen Daten wird empirisch das Phänomen der Bildung von Technologie-Regionen für die neu entstehende Industrie untersucht. Damit sollen neue Ansatzpunkte für die regionale Standortpolitik und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland gefunden werden.