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Müller: Deutschlands Telekommunikationsmarkt an der Spitze

Internet-Minutentarife um bis zu 60 Prozent unter Vorjahreswerten. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat seinen ersten Vergleich internationaler Telekommunikationsmärkte vorgelegt. Der Benchmark umfasst die Märkte Festnetz, Mobilfunk und Internet und wurde gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Institut für Kommunikationsdienste, wik, erarbeitet.
/ Andreas Donath
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Bundeswirtschaftsminister Dr. Werner Müller: "Der deutsche Telekommunikationsmarkt liegt im internationalen Vergleich drei Jahre nach der Liberalisierung in der Spitzengruppe. Insbesondere bei den Kommunikationskosten überzeugt der deutsche Standort. Beim Mobilfunk hatte Deutschland im vergangenen Jahr den europaweit am schnellsten wachsenden Markt. Gut fünfzig Millionen Deutsche sind bereits per Handy erreichbar. Ich gehe davon aus, dass es Ende dieses Jahres zwischen 60 und 65 Millionen sein werden. Diese Entwicklung trägt wesentlich dazu bei, Deutschland in den Zukunftsfeldern E-Businees und M-Commerce international an der Spitze zu positionieren und somit in Deutschland neue, moderne Arbeitsplätze zu schaffen."

Anlass zur Erstellung des Benchmarks gaben die vielen auf dem Markt vorhandenen internationalen Vergleiche, die häufig bis zu einem Jahr alte oder länger zurückliegende Daten verwenden. Dabei wird der Dynamik des deutschen Telekommunikationsmarktes nur unzureichend Rechnung getragen. Hieraus sind häufig Forderungen an die Politik erwachsen, die durch die tatsächliche Marktlage nicht mehr gerechtfertigt waren. Dies macht insbesondere ein Vergleich der Internetkosten deutlich.

Im Festnetz wurden die Segmente Ferngespräch (3 und 10 Minuten) und Ortsgespräch (3 und 10 Minuten) untersucht. Die Untersuchung zeigt, dass im Dezember 2000 kurze Ferngespräche innerhalb Deutschlands rund um die Uhr und kurze Ortsgespräche zur Nebenzeit in Deutschland am günstigsten waren. In Deutschland profitieren Telefonkunden davon, dass keine zusätzlichen Kosten für den Gesprächsaufbau anfallen, so die Studie. Hinzu kommt, dass der deutsche Markt durch eine Vielzahl von Internet-Tarifrechnern besonders transparent ist, das Call-by-call-System früh eingeführt wurde und über die Möglichkeit der einheitlichen Rechnung besonders attraktiv ist, so die Studie.

Die Nutzung des Mobilfunks war im August in Deutschland laut Teligen, einer britischen Consultingfirma im Bereich Telekommunikation, insgesamt günstiger als in Frankreich, Großbritannien, Italien oder Schweden. Die Kunden profitieren hier zu Lande demnach stark von einer besonders hohen Subvention der Endgeräte. Zugleich ließen die Nutzungspreise weiter nach, so die Studie weiter.

Einer Berechnung des Statistischen Bundesamtes zufolge fiel der Preisindex für Mobiltelefondienstleistungen in Deutschland von November 1999 auf November 2000 um gut 14 Prozent. Die Zahl der Nutzer stieg im gleichen Zeitraum um 114 Prozent.

Die Nutzung des Internets verläuft in Deutschland ebenfalls dynamisch – so der Tenor der Studie. Mittlerweile sei gut ein Drittel der Bevölkerung im Internet, wozu auch die niedrigen Zugangskosten beigetragen hätten. Ende 2000 waren Flatrates (ungetaktete Tarife) fast 60 Prozent billiger als zu Beginn des Jahres, Minutentarife lagen um bis zu 60 Prozent unter den Tarifen zu Beginn des Jahres 2000. Wenn man die auf DSL-Basis angebotenen Flatrates mit einbezieht, ergibt sich bei den ungetakteten Tarifen sogar eine noch stärkere Absenkung, so die Studie.

Der Benchmark basiert auf Sekundärerhebungen und erhebt nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Untersuchung. Anlässlich des Primärziels, für die Wachstumsmärkte Mobilfunk, Festnetz und Internet möglichst zeitnahe Daten zu verwenden, wurden in wenigen Wochen auf der Basis selbst durchgeführter Internetrecherchen sowie vom Wissenschaftlichen Institut für Kommunikationsdienste (wik) zur Verfügung gestellter Daten internationale Vergleiche erstellt. Teilweise wurden auch andere, allgemein zugängliche Quellen berücksichtigt.

In den Vergleich mit dem deutschen Telekommunikationsstandort wurden – in unterschiedlicher Zusammensetzung – die Länder Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Schweden einbezogen. Da nicht für alle Indikatoren eine vergleichbar umfassende Datenbasis zur Verfügung stand, variiert die Auswahl der betrachteten Länder. Vor allem die Integration des amerikanischen Marktes in reine Preisvergleiche hat sich auf Grund der unterschiedlichen historischen Entwicklung der Märkte und der Marktstruktur als schwierig erwiesen.

Der Benchmark erscheint nach Auskunft der Autoren künftig zweimal pro Jahr. Der Untersuchungsumfang soll dabei Schritt für Schritt erweitert werden.


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