USA lockern Exportbeschränkungen für Supercomputer
Die Rechenleistung, ab der ein HPC als Waffe eingestuft wird und zum Export in bestimmte Länder der Staat informiert und gegebenenfalls auch eine Genehmigung vorliegen muss, wird weiterhin mit der Einheit Millions Of Theoretical Operations Per Second (MTOPS) beziffert. Im Gegensatz zu vorherigen Revisionen der US-Exportkontrollen sollen die neuen jedoch häufiger den Marktentwicklungen angepasst und jeweils höhere MTOPS-Leistungen zum Export in bestimmte Regionen zugelassen werden.
Das seit 1995 in vier Stufen aufgeteilte System umfasst nun nur noch drei, Stufe 2 fällt weg. In die Liste der ohne Exportbeschränkungen (Stufe 1) belegten Regionen (Westeuropa, Japan, Kanada, Mexiko, Australien, Neuseeland, Ungarn, Polen, die Tschechoslowakei und Brasilien) zählen nun auch Süd- und Zentralamerika, Südkorea, ASEAN, Slowenien und der Großteil von Afrika. Litauen soll nach Abstimmung im Kongress ebenfalls zur Stufe 1 gezählt werden.
Zu Stufe 3 zählen Indien, Pakistan, Mittlerer Osten/Maghreb, die ehemalige Sowjetunion, China, Vietnam und Zentraleuropa. Exporte von Rechnern mit bis zu 28.000 MTOPS sind mit Generallizenz erlaubt. Eine Anhebung dieser Grenze auf 85.000 MTOPS wurde angekündigt, wird vom Präsidenten befürwortet, muss allerdings noch vom Kongress verabschiedet werden. Alles über diesen Grenzen benötigt eine individuelle Exportgenehmigung durch die US-Regierung.
Zur Stufe 4 zählen Iraq, Iran, Libyen, Nordkorea, Kuba, der Sudan und Syrien. Hier bleibt es bei einem kompletten Exportverbot wegen verhängten Embargos auf Computerhardware und sonstigen Technologien.
Damit sind die Exportbedingungen für die US-Industrie stark verbessert worden. Die Gründe dahinter sind zum einen die, dank bisherigen restriktiven Regelungen, recht beschränkte Wettbewerbsfähigkeit von US-HPC-Herstellern und zum anderen eine Untersuchung der US-Regierung, die Zweifel an der Wirksamkeit derartiger Kontrollversuche hervorgebracht hat.
So gaben Regierungs-Experten zu bedenken, dass selbst leistungsfähige Ein-Prozessor-Systeme, die zwar nicht unter die Exportkontrolle fallen, in Rechnerverbünden (Cluster) entsprechende Leistungen erreichen können. Dies könne nicht verhindert werden und mache die Exportkontrolle immer ineffektiver.
Noch hält die US-Regierung zwar an der HPC-Exportkontrolle fest und will diese öfter den Gegebenheiten anpassen, aber eine weitere Langzeit-Untersuchung soll klären, ob man auch ohne sie leben kann und welche Folgen dies hätte.



