Spieletest: "Wer wird Millionär?" - Spiel zur Quiz-Sendung
TV-Quiz mit Traumquoten – am PC nur müde Alltagskost. Kurz vor Weihnachten veröffentlichte Eidos das zum TV-Quiz mit Günther Jauch passende Computerspiel "Wer wird Millionär?". Doch während Jauch und Kandidaten bis zu 12 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme locken, müssen sich die bis zu vier Computerspieler mit einfacher Hausmannskost zufrieden geben.
Zwar hält sich das Spiel weitestgehend an die Vorgaben der Fernsehsendung – der Spieler erhält maximal 15 Fragen und spielt dabei um immer höhere (virtuelle) Summen, doch wirkt das Spiel sehr künstlich.
Während die Einstiegsfrage für 100,- DM kaum einen in Schwierigkeiten bringen sollte, steigert sich der Schwierigkeitsgrad bis zur Millionen-Frage. Im Gegensatz zum TV-Vorbild hat man allerdings das Gefühl, dass die Schwierigkeit der Fragen nicht ganz so weit auseinander liegt. So wirken die ersten Fragen verhältnismäßig schwierig, die letzten im Vergleich zur TV-Show hingegen einfacher.
Laut Eidos sind im Spiel über 1.000 Fragen enthalten, die sich erst wiederholen, sobald alle Fragen gestellt sind. Allerdings wäre auf der CD bestimmt mehr Platz gewesen, zumal die Sprachausgabe um die Fragen und Antwortmöglichkeiten einen weiten Bogen macht. Das sich ständig wiederholende Gerede des Moderators – übrigens nicht die Stimme von Jauch – geht einem dafür aber bereits nach kurzem Spiel auf den Geist. So verkündet er regelmäßig vor der ersten Frage, das noch 15 Fragen bis zur Million beantwortet werden müssen und dass sich ab einer Gewinnsumme von 2.000,- DM das Geld "recht schnell verdopple" – was auch immer das heißen mag.
Die zur Verfügung stehenden Joker hat Eidos versucht möglichst originalgetreu umzusetzen, soweit dies mit dem Medium möglich ist. Beim 50:50-Joker, der zwei falsche Antworten entfernt, stellt dies auch kein Problem dar, bei der Befragung des Publikums schon eher. Hier zeigt eine Kamerafahrt in nicht mehr zeitgemäßer Grafik leere Ränge und präsentiert anschließend ein Abstimmungsergebnis, das aber wie in der Realität nicht immer stimmen muss. Beim letzten der drei Joker, der Möglichkeit, einen Freund anzurufen und um Rat zu bitten, meldet sich eine Telefonstimme namens Gabi, Claudia oder Klaus aus dem Off und glänzt mehr oder weniger mit Wissen oder Unwissen.
Fazit: Unter dem Strich bleibt ein gemischtes Gefühl, denn wirklich schlecht ist die Umsetzung nicht. Mit dem Referenzprodukt aus dem Genre "You Don't Know Jack" (YDKJ) hingegen kann sich "Wer wird Millionär?" kaum messen, fehlt es dem Titel doch an Atmosphäre, Schwung und Abwechslung. Der erste YDKJ-Teil hat hier schon vor drei Jahren gezeigt, wie's geht – ganz ohne Videos und 3D-Animationen, dafür aber mit kompletter, lebendig wirkender und vor allem witziger Sprachausgabe.