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Spieletest: Patrizier 2 - Neuauflage des Handelsklassikers

Historische Wirtschaftssimulation von Ascaron. 1992 erfreute Ascaron historisch interessierte Wirtschaftssimulanten erstmals mit dem Patrizier, der für damalige Verhältnisse sowohl grafisch als auch spielerisch eine Offenbarung darstellte. In den letzten acht Jahren verdiente sich das Team zusätzliche Meriten mit der Anstoss-Reihe, um nun die Fortsetzung des mittelalterlichen Handelsszenarios zu präsentieren.
/ Thorsten Wiesner
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Wie auch schon beim Vorgänger ist das Ziel des Spieles, als Bürger einer Hansestadt vom einfachen Seehändler bis zum Großunternehmer und Vorsitzenden der Hanse aufzusteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Spieler durch Seehandel, Warenproduktion und Erledigung von Aufträgen wirtschaftliche Gewinne erzielen. Auch das Ansehen bei der Bevölkerung spielt allerdings eine bedeutende Rolle.

Nach dem stilvollen und schön anzusehenden Renderintro empfiehlt sich das äußerst komplexe, aber für das weitere Spielverständnis sehr empfehlenswerte Tutorial. Die Spielwelt ist der gesamte nordeuropäische Raum in den Jahren 1300 bis 1500 mit seinen 20 großen Städten. Hat man sich für seinen Startort entschieden, kann die Karriere als Händler mit der Eröffnung eines Kontors beginnen.

Im Mittelpunkt steht der Handel mit Rohstoffen und Gütern, wobei man auf die einzelnen Bedürfnisse der Städte eingehen muss und versucht, den Warenbedarf zu decken. Zusätzlich zum schon vom Vorgänger bekannten Handelsteil, bei dem die zunächst nur aus einem Schiff bestehende Flotte natürlich eine gewichtige Rolle einnimmt, wurde der Patrizier 2 um einen komplexen Aufbaupart erweitert. So erhält man die Möglichkeit, Wohnhäuser, Betriebe, Stadtmauern und Verteidigungstürme selbst zu bauen, Wohnraum zu vermieten, Waren und Rohstoffe zu produzieren und die Stadt vor Belagerungen und Piratenangriffen zu schützen und so die langfristige Entwicklung der Stadt mitzugestalten.

Natürlich muss man sich im Mittelalter noch mit allerlei anderen Problemen herumschlagen: So treiben etwa üble Piraten in der Nord- und Ostsee ihr Unwesen. Wilde Seeschlachten, in die man auch aktiv eingreifen kann, gehören somit zur Tagesordnung. Wer will, kann sich aber auch selber mit illegalen Geschäften bereichern. Allerdings sollte man sich dabei nicht erwischen lassen, denn das öffentliche Ansehen nimmt bei der Aufdeckung derartiger Vorgänge gehörigen Schaden. Da muss schon einiges an Freibier fließen, um die Öffentlichkeit wieder wohlgesonnen zu stimmen.

Die isometrische 2D-Darstellung ist recht übersichtlich, kann in Hinsicht der grafischen Qualität allerdings nicht ganz mit aktuellen Genre-Highlights mithalten. Da weiß die abwechslungsreiche Musikuntermalung schon besser zu gefallen, die Soundeffekte hingegen sind eher zweckgemäß denn schön.

Die hohe Komplexität des Spieles hat natürlich ihren Preis: Auch auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe vergeht einige Zeit, bevor man durch erfolgreichen Handel genug finanzielle Reserven zur Expansion angehäuft hat. Durch die Zeitraffer-Option entfallen aber störende Wartezeiten, und die verschiedenen Missionen, die eine Erledigung bestimmter Aufgaben verlangen, stellen eine angenehme Abwechslung zum prinzipiell endlos andauernden Hauptspiel dar.

Fazit:
Bezüglich der Komplexität macht keiner Ascaron so schnell etwas vor, die gelungene Kombination aus Aufbau- und Handelssimulation stellt auch anspruchsvolle Genrekenner zufrieden. Einzig die Präsentation lässt etwas zu wünschen übrig, ansonsten gebührt dem Patrizier 2 das Prädikat der Wirtschaftssimulation des Jahres.


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