Spieletest: Flucht von Monkey Island - Guybrush zum Vierten!
Vierter Teil der legendären Adventure-Reihe. Käme jemand auf die Idee, die besten Computerspiele aller Zeiten zu prämieren, würden sich die Abenteuer des Möchtegern-Piraten Guybrush Threepwood mit Sicherheit auf den vorderen Rängen befinden. Zum insgesamt vierten Mal lässt uns LucasArts nun die Tiefen der Karibik erforschen – mit vielen alten Bekannten und neuer Technik.
Bekamen die ersten beiden Abenteuer der Affeninsel vor über zehn Jahren allerorten Bestwertungen, musste sich der dritte Teil der Serie vor zwei Jahren doch einiges an Kritik gefallen lassen. Die neue, grellbunte Comic-Grafik kam bei vielen Spielern nicht an, und die neuartige Steuerung empfanden viele als zu umständlich.
Dementsprechend blieben die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen zurück, und die Frage, ob sich heutzutage überhaupt noch klassische Adventures gewinnbringend produzieren lassen, musste sich auch die legendäre Spieleschmiede LucasArts stellen, die einst mit Titeln wie Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, Maniac Manison oder eben Monkey Island den Ruhm dieses Genres begründete.
Im Jahre 2000 erstrahlt unser aller Lieblings-Freibeuter dementsprechend im zeitgemäßen 3D, was für Liebhaber klassischer Point & Click-Abenteuer zu Beginn für einige Verwirrung hinsichtlich der Bedienung führt. Die gute alte Maus hat ausgedient, stattdessen steuert man Guybrush per Tastatur oder wahlweise auch mit Joystick oder Pad durch die zahlreichen Locations, ganz im Stil aktueller Action-Adventures.
Gleich zu Beginn findet man sich dann auch in einer recht prekären Situation: Nachdem man mit Gattin Elaine von der ausgedehnten Hochzeitsreise zurückgekehrt ist und unterwegs noch den Überfall eines feindlichen Schiffes heldenhaft überstanden hat, wartet zu Hause eine böse Überraschung. Elaine ist während ihrer Abwesenheit für tot erklärt und infolgedessen aller ihrer Ämter enthoben worden, und zu allem Überfluss versucht ein leicht irregeleiteter Pirat auch noch das Anwesen der Turteltauben mit einer Kanone dem Erdboden gleichzumachen.
So besteht also die erste Aufgabe darin, das Haus vor seiner Zerstörung zu retten, bevor man sich dann auf den Weg macht um den Beistand von Anwälten einzuholen – schließlich muss sich Elaine ja urkundlich versichern lassen, dass sie noch am Leben ist. Und so ganz nebenbei sollte auch noch herausgefunden werden, welcher alte Bekannte denn verantwortlich für diesen ganzen Schlamassel ist.
Wie für Monkey Island typisch sind die zu lösenden Rätsel zwar immer irgendwie logisch, verlangen einem manchmal aber doch einiges an Gehirnakrobatik und wilder Fantasie ab. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei im Spielverlauf moderat an, stellt zum Ende hin aber auch Experten vor die eine oder andere nur schwer zu lösende Aufgabe.
Die bereits aus dem ersten Teil bekannten Wortgefechte darf man sich auch hier wieder liefern, die Gespräche sprühen aber auch ansonsten nur so vor Wortwitz und Ironie. Weniger schön sind da einige technische Ungereimtheiten: So bleibt man mit Guybrush auf Grund der 3D-Darstellung des Öfteren mal in einer unübersichtlichen Ecke hängen und braucht einige Zeit, um dort wieder herauszukommen. Zudem finden sich im Bildschirm-Text einige zwar eher nichtige, aber doch öfter vorkommende Übersetzungsfehler.
Fazit: Wer vor etwa zehn Jahren begeistert die ersten beiden Abenteuer von Guybrush und LeChuck miterlebte, wird auch im vierten Teil wieder in vielen Situationen begeistert sein von den altbekannten aber nun deutlich aufpolierten Melodien, den stimmungsvollen Schauplätzen mitsamt ihrer karibischen Voodoo-Atmosphäre und dem in rauhen Mengen vorhandenen Humor.
Trotzdem steht leider zu befürchten, dass auch die "Flucht von Monkey Island" nicht an den Erfolg der ersten Abenteuer anknüpfen kann, vor allem die neue Tastatur-Steuerung wird viele Spieler der ersten Stunde verschrecken. Und dennoch ist auch der vierte Teil wieder ein Höhepunkt des digitalen Entertainments, und jeder, der auch nur ansatzweise etwas für Adventures übrig hat, sollte sich diesen Titel nicht entgehen lassen.