CMG: Im E-Handel wird kaum Geld verdient
Mehr als die Hälfte der in Deutschland befragten Unternehmen und beinahe 40 Prozent der europäischen Firmen bringen es nicht einmal auf zwei Prozent im Netzhandel. Die Zahlen zeigen im Vergleich eine weitere Kernaussage der CMG-Studie: Deutschland hinkt beim E-Commerce gegenüber seinen europäischen Nachbarländern deutlich hinterher. Die Beratungsgesellschaft hatte 250 große und mittelständische Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden in die Untersuchung "e.COM index" einbezogen.
"Trotz des verhaltenen E-Geschäfts ist der Optimismus in den Führungsetagen der Wirtschaft beim Electronic Commerce ungebrochen", analysiert Reinhold Friedrich, Geschäftsführer der CMG Deutschland GmbH und als Country Chairman für alle CMG-Aktivitäten in Deutschland verantwortlich.
Mehr als 80 Prozent der deutschen Manager und sogar fast 90 Prozent der Führungskräfte im europäischen Ausland erwarten schon in den nächsten zwölf Monaten eine stark steigende Nachfrage über das Datennetz. 55 Prozent der deutschen und 43 Prozent der europäischen Firmenlenker gehen von einer Wachstumsrate von bis zu 100 Prozent aus. Beinahe ein Viertel der deutschen und knapp 30 Prozent der europäischen Manager erwarten sogar eine noch höhere Zuwachsrate beim Internet-Handel in den kommenden zwölf Monaten.
Dass der Anteil des Online-Handels am Firmenumsatz in diesem Zeitraum auf über 25 Prozent steigt, glauben allerdings nicht einmal drei Prozent der deutschen und nur sechs Prozent der Manager im europäischen Ausland. In Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden wollen immerhin 17 Prozent der Firmen binnen zwei Jahren mehr als ein Viertel des Umsatzes über das Internet einspielen. In Deutschland stimmen nicht einmal fünf Prozent der Führungskräfte diesem Ziel zu, sondern haben offenbar eher einen Fünf-Jahres-Plan im Auge: 40 Prozent der von CMG befragten Manager deutscher Unternehmen wollen bis 2005 mehr als ein Viertel ihres Umsatzes im Datennetz erwirtschaften. Allerdings sind auch 14 Prozent davon überzeugt, dass dieses Ziel niemals erreicht wird. In den anderen europäischen Ländern ist der Anteil der Niemals-Pessimisten mit sieben Prozent lediglich halb so hoch.
Fast 90 Prozent der deutschen Unternehmen wenden sich im Internet an den Verbraucher (B2C), nur die Hälfte haben die Firmenkundschaft im Auge (B2B). Im europäischen Ausland liegt hingegen das B2B-Geschäft höher im Kurs (62 Prozent), während beim B2C-Handel etwas mehr Zurückhaltung zu verzeichnen ist (78 Prozent). Nicht einmal ein Drittel der Unternehmen sehen die eigenen Mitarbeiter als Zielgruppe (Business-to-Employee) ihrer Internet-Anstrengungen.
Als wichtigste Gründe für die Einführung des elektronischen Handels nannten die deutschen Manager das Mitziehen mit der Konkurrenz (74 Prozent), die Gewinnung neuer Kunden (70 Prozent) und die Reaktion auf entsprechende Kundennachfrage (69 Prozent). Im Durchschnitt der anderen europäischen Länder steht hingegen die Neukunden-Akquise mit 76 Prozent an erster Stelle. Forderungen bestehender Kunden stehen mit 67 Prozent an zweiter und der Wettbewerbsdruck mit 63 Prozent an dritter Position.
Als wichtigste Hürden bei der Umsetzung ihrer E-Commerce-Strategie haben die deutschen Führungskräfte angegeben: die Firmenkultur ist nicht offen genug für Veränderungen (37 Prozent), es sind zu hohe Investitionen notwendig (31 Prozent), es fehlt an Fachwissen im Unternehmen (30 Prozent), die Firmenspitze hat zu wenig Verständnis (21 Prozent) und es dauert zu lange, bis sich die Investitionen auszahlen werden (17 Prozent). Diese Aufzählung entspricht weitgehend auch den Einschätzungen in den anderen europäischen Ländern.
Die Frage, ob die Unternehmen der neuen oder alten Wirtschaft das Rennen um die Internet-Kunden machen, beantwortet die CMG-Umfrage eindeutig: 69 Prozent der deutschen und 61 Prozent der europäischen Manager räumen den traditionellen Unternehmen eindeutig die besten Chancen beim Electronic Commerce ein. Sie gehen davon aus, dass die Firmen der Offline-Welt auch beim Online-Handel den Markt dominieren werden. An den auch nur mittelfristigen Erfolg der Internet-Start-ups glauben lediglich 11 Prozent der deutschen und 18 Prozent der europäischen Führungskräfte.
Dabei ist in der Mehrzahl der von CMG kontaktierten Unternehmen die Internet-Strategie Chefsache. In 56 Prozent der deutschen Firmen kümmert sich ein Vorstand, Geschäftsführer oder der Vertriebs- oder Marketingleiter um die Geschäfte via Netz. Die Spezialisten haben kaum etwas zu melden bei den neuen Medien in Deutschland: Nicht einmal zehn Prozent der Firmen haben einen eigenen Leiter für E-Commerce eingesetzt. In weniger als fünf Prozent der Unternehmen ist der IT-Leiter für den Online-Handel zuständig. Im europäischen Ausland sind die Experten laut CMG mehr gefragt: 21 Prozent unserer europäischen Nachbarn haben einen "Head of E-Commerce" bestimmt, in immerhin 13 Prozent der Firmen kümmert sich der IT-Leiter darum.
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