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Special: KDE 2 - Linux goes Desktop

Konfuzius soll Windows das Fürchten lehren. Mit dem K Desktop Environment 2.0 steht jetzt eine neue Desktop-Generation für Unix und damit auch für Linux zur Verfügung, die es mit den Konkurrenten aus dem Hause Microsoft oder Apple durchaus aufnehmen kann. So manches Detail und vor allem die Fülle der mitgelieferten Applikationen dürfte Nutzer kommerzieller Desktop-Betriebsysteme dabei neidisch auf die Open-Source-Lösung blicken lassen – steht KDE doch unter der GNU Public License (GPL).
/ Jens Ihlenfeld
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Aber beginnen wir von vorn: Die Ursprünge des KDE-Projekts liegen im Oktober 1996 und der damals alles andere als zeitgemäßen grafischen Oberfläche für Unix-Systeme, als Matthias Ettrich von der TU-Tübingen seine Idee zum "Kool Desktop Environment" in einem Posting(öffnet im neuen Fenster) kundtat. Zwar stellt X-Windows, das die eigentliche grafische Oberfläche bereitstellt, eine im Vergleich zu Windows fortschrittlich anmutende Architektur zur Verfügung, doch hört diese auf, wo GUIs eine wirkliche Arbeitserleichterung bringen. Kein einheitliches Drag and Drop, keine einfache dialogbasierende Konfiguration des Desktops, kein einheitliches Hilfesystem und kein einheitlicher Rahmen zur Applikationsentwicklung. So bietet X-Window, je nach verwendetem Window-Manager, eine recht spartanische Oberfläche mit jeder Menge Möglichkeiten, die Applikationslandschaft gleicht aber mehr einem Flickenteppich.

Aus dieser Not geboren startete das KDE-Projekt mit dem Ziel, einen "wundervollen" zusammenhängenden Desktop mit einem einheitlichen Hilfesystem, einheitlichem Look and Feel, standardisierten Menüs und Werkzeugleisten, Tastenkombinationen und Farbschemata, einem zentralen Kontrolldialog sowie der Unterstützung für verschiedene Sprachen und zahlreiche nützliche KDE-Applikationen zu schaffen.

Am 15. August 1997 fand dann in Arnsberg ein erstes Treffen von KDE-Entwicklern – KDE-ONE – statt. Im Dezember gründetet man den KDE e.V. und am 8. April kündigte man dann die KDE Free Qt Foundation an. Bereits am 12. Juli 1998 gab man mit KDE 1.0 ein erstes stabiles Release frei. Danach folgten diverse weitere Releases sowie im Mai 2000 mit der KDE 1.90 eine erste Beta der zweiten KDE-Generation. Im September 2000 gab schließlich die norwegische Firma Trolltech ihr Qt-Toolkit unter der GPL frei, womit der Weg für einen vollkommen freien Unix-Desktop geebnet wurde.

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Anders als bei vielen anderen Open-Source-Projekten steht an der Spitze des KDE-Projekts nicht eine Einzelperson sondern vielmehr ein Team von Kernentwicklern, begleitet von einigen Hundert weiteren Beteiligten. So besteht KDE derzeit aus über 800.000 Code-Zeilen und ist in 25 Sprachen verfügbar. Mit dem Release der Version 2.0 läutet man nun die nächste Generation ein.

"Mit der Erfahrung, die wir durch KDE 1 gewinnen konnten, haben wir KDE 2 fast von Grund auf neu entwickelt, um es noch intuitiver, leistungsfähiger und benutzerfreundlicher zu machen", erklärt Matthias Ettrich, Begründer des KDE-Projektes. "Wir denken, dass die KDE-Nutzer von den bemerkenswerten Verbesserungen angenehm überrascht sein werden, die wir erreicht haben. KDE 2 bietet dem Desktop-Anwender eine Fülle neuer Technologien, von Konqueror, einem vollwertigen Web-Browser und Datei-Manager, über KOffice, dem integrierten Büro-Paket, bis zu der erweiterten Anpassbarkeit und dem neuen KDE-Help-Center. Außerdem bietet es Entwicklern eine Vielzahl von mächtigen neuen Werkzeugen, wie KParts, der Komponenten-Technik von KDE, oder KIO, der netzwerk-transparenten Ein- und Ausgabe-Architektur. Dies erlaubt die effiziente Entwicklung von erstklassiger freier oder proprietärer Software."

So steht jetzt mit dem Release der KDE 2.0 alias "Kopernicus" eine stabile Version der zweiten KDE-Generation zur Verfügung, die neben einem fortschrittlichen Dateimanager und Web-Browser auch eine komplette Office-Suite mitbringt. So verwendet der KDE-Dateimanager und Web-Browser Konqueror eine komponentenbasierte Architektur, die die Features und Funktionen von Internet Explorer bzw. Netscape Communicator sowie des Windows Explorers vereinen soll. Konqueror unterstützt dazu eine breite Palette von aktuellen Internet-Standards wie JavaScript, Java, HTML 4.0, CSS-2 (Cascading Style Sheets), SSL (Secure Socket Layer) sowie Netscape Communicator Plug-Ins. Zudem erlaubt Konqueror eine nahtlose Einbindung von NFS Shares, Windows SMB Shares, HTTP-Seiten, FTP-Verzeichnissen sowie allen anderen Protokollen, für die ein KIO-Plug-In existiert.

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Mit KOffice verfügt KDE 2.0 zudem über eine komplette Office-Suite, die eine Tabellenkalkulation (KSpread und KChart), ein Vektor-Zeichenprogramm (KIllustrator), eine Textverarbeitung (KWord) und ein Präsentationsprogramm (KPresenter) mitbringt. Alle Applikationen verwenden Dateiformate auf XML-Basis und lassen sich mittels KParts, einer umfassenden Scriptsprache, miteinander verknüpfen.

KWord:
Bei KWord handelt es sich um eine frameorientierte Textverarbeitung, d.h. anders als bei den meisten seitenorientierten Textverarbeitungen werden die Texte in Frames organisiert. Dabei fließen Text und Absätze in den Grenzen des Frames, neue Frames können mit "alten" verbunden werden. Benötigt der Text mehr Platz als der Frame bietet, werden auf Wunsch automatisch neue Frames hinzugefügt oder die Größe des Frames angepasst. Damit soll sich KWord auch für einfache DTP-Aufgaben eignen, denn KWord ist nicht nur auf Text-Frames beschränkt – auch Grafiken und Tabellen lassen sich auf diese Art und Weise einfügen.

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Zudem unterstützt KWord Templates, die in zwei Kategorien vorliegen – DTP- oder Wordprocessing-Templates – die ein unterschiedliches Verhalten der Framesets mit sich bringen.
Zu den weiteren Features zählen diverse Aufzählungstypen, Paragraphen, Einrückungen und Aufzählungen, Kopf- und Fußzeile, Lineale, Tabellen, Fußnoten und eine automatische Korrektur.

KSpread und KChart:
Mit KSpread steht Koffice eine recht umfangreiche Tabellenkalkulation zur Verfügung, die dank KChart auch eine visuelle Präsentation der Zahlen übernimmt und diese in verschiedenen Diagrammen darstellt.

KPresenter:
Die Präsentationssoftware KPresenter kommt mit einer Reihe von Grafikobjekten klar, unterstützt das Editieren von Rich-Text, automatische Formulare, Bilder und Cliparts, das Einbetten anderer KParts-Applikationen, objektorientiertes Arbeiten, Gruppierungen sowie diverse Animationseffekte zur Überblendung der einzelnen Slides.

KIllustrator:
Der KIllustrator will als Vektor-Grafikprogramm kommerziellen Applikationen wie Corel Draw oder Adobe Illustrator Konkurrenz machen. KIllustrator unterstützt verschiedene Objekt-Typen wie Polylines, Freehand Lines, Kreise, Ellipsen, Quadrate, Rechtecke, symmetrische Polygone, Bezier-Kurven, Multiline-Text und Bitmap-Objekte wie GIF, JPEG, XPM, XBM und PNG. Zudem importiert KIllustrator WMF-Cliparts und exportiert Grafiken als JPEG, PNG, GIF oder XPM.
Texte lassen sich an Pfaden, Polylines, Bezier-Kurven, Polygonen und Ellipsen ausrichten sowie einzelne Eckpunkte aus diesen Objekten entfernen.

Zudem werkelt man mit Krayon alias KImageShop an einem Bildbearbeitungsprogramm und mit Rekall an einer Datenbankapplikation ähnlich MS Access. Mit Kivio ist zudem eine Alternative zu Vision in der Mache.

Mit KMail steht weiterhin ein Mail-Client zur Verfügung, der eine weites Spektrum an Funktionen abdeckt. So lassen sich HTML-Mails lesen und schreiben, umfangreiche Filter einschließlich regulärer Ausdrücke verwenden und dank der guten Integration in das Desktop kann KMail zum Managen der persönlichen Informationen auf das gleiche Adressbuch zugreifen wie KDEPim. Zur Verschlüsselung unterstützt KMail den GNU Privacy Guard 1.0 sowie PGP 2, 5 und 6. Für News liegt der KDE2.0 mit KNode ein komfortabler News-Reader bei, der im Gegensatz zu älteren Versionen mit einer Reihe von Detailverbesserungen aufwarten kann.

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Außerdem lässt sich der KDE-Desktop dank der Qt Style Engine weitestgehend den eigenen Wünschen anpassen – vom eigenen Bildschirm und transparenten Fensterhintergründen, über veränderbare Menüs, Buttons, Scrollbars und Fensterelemente bis hin zu Schriften, Sprache und Sounds. Auch Icons und Icon-Effekte lassen sich nach Belieben anpassen. Zum Entwurf eigener Themes stehen entsprechende Development Tools zur Verfügung. Darüber hinaus lassen sich die meisten GTK Themes einsetzen, die für den Gnome-Desktop entwickelt wurden. So kann der Linux-Desktop ins Gewand von Windows oder MacOS schlüpfen aber auch ganz eigenen Vorgaben folgen.

Doch auch die Usability hat sich gegenüber der Vorgänger-Version verbessert. So lassen sich in einem Fenster mehrere Shells und Konsolen, mit oder ohne Root-Rechten öffnen und natürlich im Aussehen anpassen. Auch der Start von Programmen über Alt+F2 ist jetzt flexibler. So lässt sich festlegen, wie ein Programm, d.h. ob im Terminal oder mit welcher Priorität gestartet werden soll. Mit KSysGuard hat man darüber hinaus eine Applikation in das Basissystem integriert, die auf einfache Weise Überblick über die Aktivitäten des Systems erlaubt und nicht nur zeigt, was hinter den Kulissen abläuft sondern auch weitreichende Einflussmöglichkeiten bietet.

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Mit Kparts verfügt KDE über ein Component Object Model, das die Integration der verschiedenen Applikationen erlaubt. KParts kann zudem mit der I/O-Schnittstelle KIO verbunden werden, die sich um die Einbindung der verschiedenen Protokolle und Dateiformate kümmert.

Alles in allem ist das K Desktop Environment 2.0 damit weit mehr als einen flüchtigen Blick wert. Wer nicht allein auf Entdeckungsreise gehen will, dem stellt das KDE-Team mit Kandalf auch einen "freundlichen" Wizard zur Hand.


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