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LinuxWorldExpo - Frankfurt im Zeichen des Pinguins

Kernel 2.4.0 soll im Dezember erscheinen. Zum ersten Mal fand vom 5. bis 7. Oktober die LinuxWorldExpo in Frankfurt am Main statt, die laut den Veranstaltern der größte europäische Linux-Event ist. Zudem konnte die Kongressmesse mit einem besonderen Highlight aufwarten: Linux-Erfinder Linus Torvalds gab sich die Ehre.
/ Jens Ihlenfeld
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Torvalds, der laut eigenem Bekunden ungern langweilige Reden hält, fühlte sich lediglich bei der Verleihung des Linux Community Awards und bei einer Podiumsdiskussion mit einer Reihe von Mitgliedern der Linux-Community sichtlich wohl.

Die eigentlichen Neuigkeiten der LinuxWorldExpo lagen aber eher im Detail, denn neben SAPs Ankündigung, die SAP DB unter GPL zu stellen, hielten sich die beteiligten Unternehmen mit großen Ankündigungen weitestgehend zurück. Es gab jedoch trotzdem einige Neuheiten:

Kernel 2.4.0:
Nach dem langersehnten und eigentlich für den Herbst dieses Jahres geplanten Release des Kernel 2.4.0 gefragt, stellte Linus Torvalds dessen Fertigstellung in einem Zeitraum von etwa zwei Monaten in Aussicht. Wenn alles glatt gehe, könne das Final Release bereits Anfang Dezember erfolgen, aber spätestens Ende des Jahres sei es so weit, hofft Torvalds.

KDE 2.0:
Ähnlich heiß erwartet wie der neue Kernel ist das Final Release des Desktops KDE 2.0, das derzeit in einer recht stabilen Final Beta, Codename Kandidat, vorliegt, Neues gab es hier nicht. Dennoch standen die KDE-Entwickler im Mittelpunkt und hatten Grund zum Jubeln, sie erhielten den Linux Commuity Award, mit dem eine europäische Gruppe oder Einzelperson ausgezeichnet werden sollte, die sich besonders um Linux verdient gemacht hat.

Aber auch auf anderen Ebenen rückt Linux zunehmend ins "Blickfeld" der User. Neben Agenda, die ihren Linux-PDA V3+ in einer Beta-Version zeigen konnten, demonstrierte Trolltech Qt Embedded auf einem Compaq iPaq. Qt Embedded setzt auf Linux auf und bietet so eine grafische Oberfläche für Embedded-Linux-Geräte, ohne auf den ressourcenfressenden X-Server angewiesen zu sein. Ein erstes Gerät mit Qt Embedded soll bereits in Kürze von Ericsson in Form eines WebPads auf den Markt kommen. Nachdem Qt für große Bildschirme seit der aktuellen Version 2.2.0 unter GPL gestellt wurde, denkt man bei Trolltech auch für Qt Embedded über eine offenere Lizenz nach. Zwar steht eine Freigabe unter GPL derzeit wohl nicht zur Diskussion, aber Entwickler sollen in Zukunft kostenlos an Qt Embedded kommen – lediglich Gerätehersteller will Trolltech zur Kasse bitten.

Traurig hingegen war die Präsentation der diversen Open-Source-Projekte. Für diese war wohl trotz Sponsoren kaum etwas übrig. Zwar konnten sie sich an eigenen Ständen präsentieren, aber teilweise suchte man hier sogar Stühle und Tische vergeblich. Insbesondere der Stand des mittlerweile von der Industrie weithin unterstützen Gnome-Projects glänzte durch gähnende Leere. Umso aufgeschlossener zeigten sich die Entwickler an den kärglichen Ständen und in ihren Vorträgen.

Insgesamt konnte der Event dem Facettenreichtum der Open-Source-Bewegung kaum gerecht werden. Vielmehr zeigte sich eine Zweiklassengesellschaft: Auf der einen Seite börsennotierte Unternehmen wie VA Linux, die mit aufwendigen Ständen zeigten, wo das Geld sitzt, auf der anderen Seite die Vielzahl von Open-Source-Projekten und -Entwickler, die Linux zu dem machen, was es ist.

Zu den beherrschenden Themen zählte in den Diskussionen zum einen die Frage nach der Gefahr für Open-Source-Projekte durch Softwarepatente, die gemeinhin als groß angesehen wurde und durch die Bank hin auf Ablehnung stößt. Hier sei auf www.freepatents.org(öffnet im neuen Fenster) und petition.eurolinux.org(öffnet im neuen Fenster) verwiesen. Außerdem tauchte immer wieder die Frage auf, wie Linux den Weg auf den Desktop schafft. Mit KDE 2 wird in Kürze ein umfassender Desktop zur Verfügung stehen, mit dem Kernel 2.4.0 soll auch die USB-Unterstützung, die in den aktuellen Kernen noch nicht sehr weit reicht, verbessert werden. Damit dürfte Linux hier gegenüber Windows deutlich aufholen.

Im PC-Desktop hingegen wollten viele Linux-Vertreter kaum eine Zukunft sehen, schließlich stagniere dieser Bereich bereits, während die anderen Bereiche deutlich Wachstumsraten aufweisen. So hofft man, dass neue Gerätearten gepaart mit Linux die nächste Computergeneration einläuten, in der nicht jeder Computernutzer sein eigener Systemadministrator sein muss. Vom PDA über das WebPad bis hin zu Thin-Clients dürfte Linux dann zusammen mit den bestehenden Vorzügen insbesondere im Netzwerk-Bereich die Nase vorn haben.

Aber auch andere Anwendungen finden zunehmend den Weg auf den Linux-Desktop und sei es über das WINE-Projekt, das an einem Windows-API für Linux arbeitet. Damit lassen sich Windows-Anwendungen unter Linux ohne spürbare Performance-Einbußen ausführen. So konnte man in Frankfurt Microsoft Office und den Internet-Explorer unter Linux zeigen, doch auch Applikationen wie Lotus Notes sollen laufen. Hier war zu vernehmen, dass bei IBM bereits fertige RPM-Pakete existieren. Selbst DirectX-Spiele wie Startcraft Caesar III sind so unter Linux zum Laufen zu bewegen (siehe www.linuxgames.com/wine/(öffnet im neuen Fenster)).

Im Netzwerkbereich sucht Samba eine enge Verknüpfung mit Windows. Neben einem Datei- und Druckerserver kann Samba mit Samba TNG bereits heute einen Primary Domain Controller für Windows-Netz stellen. Zwar ist eine Weiterentwicklung von TNG derzeit offen, mit Samba 3 will man diese Funktionalität aber auch in die regulären Samba-Versionen einfließen lassen. Derzeit liegt die Konzentration aber bei Samba 2.2, mit dem man die anderen Funktionen eines NT-Servers nahezu 100-prozentig abbilden will.

Unter dem Strich bleibt ein gemischtes Bild der LinuxWorldExpo zurück, die in der Halle 10.2 des Frankfurter Messegeländes stattfand. Der Wille, eine große Veranstaltung rund um Linux in Europa zu etablieren, war zwar erkennbar, doch krankte es an so manchem Ende. So war z.B. die Akustik in der Keynote-Area alles andere als gut. Zwar konnte man die Sprecher trotz des Widerhalls der Messehalle einigermaßen verstehen, doch die Gefragten auf dem Podium konnten die Fragen aus dem Publikum meist nur erahnen. Die Lautsprecherdurchsagen zum Beginn der Veranstaltungen vermittelten den Charme einer Bahnhofshalle. Als besonders "praktisch" zeigten sich zwei direkt vor dem Podium befindliche Säulen.

Die Konferenzräume am Rande der Halle erwiesen sich zumeist als zu klein für die Vorträge, selbst Stehplätze wurden so zur Mangelware. Eine Möglichkeit, zumindest am zweiten Tag auf größere Räumlichkeiten auszuweichen, ergab sich offenbar nicht.


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