ECTS: Boom der Games-Middleware-Anbieter
Spieleentwicklung für mehrere Plattformen wird zunehmend komplexer
Geht es nach Steve Gleitsmann von Intrinsic Graphics werden Spiele für kommende Konsolengenerationen dank ihrer Komplexität durch mehrere miteinander vernetzte Prozessoren von Spieleentwicklern nur unter hohem Personal- und Kostenaufwand entwickelt werden können. Ein Ausweg seien jedoch Middleware-Anbieter, die den Spieleentwicklern direkt auf die Plattformen angepasste Entwicklerkits bieten, mit deren Hilfe die jeweiligen technischen Möglichkeiten ausgenutzt werden können.
Auf der gestern zu Ende gegangenen Spielefachmesse ECTS war das schon an der Anzahl der Anbieter zu sehen, die derartige Games-Middleware, 3D-Engines und Erweiterungen für diese vorgestellt haben. So wurde unter anderem eine um wesentlich realistischere Charakteranimation (mittels Bones) und um Außenansichten (Outdoor) erweiterte Unreal Tournament Engine demonstriert. Wesentlich weiter gehen jedoch die ebenfalls zahlreich vertretenen Games-Middleware-Produkte für die plattformübergreifende Spieleentwicklung, die beispielsweise von Criterion Software (Großbritannien), 4X Technologies (Frankreich) sowie den 1999 gegründeten Newcomern Intrinsic Graphics (USA) und Vulpine (Deutschland).
Das von ehemaligen SGI-Mitarbeitern gegründete Unternehmen Intrinsic wurde vor kurzem mit 12,5 Millionen Venture-Capital ausgestattet und geht mit der "Alchemy Game Development Platform", einer selbst erweiterbaren Entwicklungsumgebung für PC, PS2, Xbox und kommende Plattformen, in direkte Konkurrenz zu Criterions Renderware. Die Produktfeatures beider Anbieter klingen recht beachtlich, ebenso die Liste der Partner.
Am meisten beeindrucken konnte jedoch überraschenderweise das deutsche Unternehmen Vulpine, dessen Vulpine-Vision-Demonstration auf Grund der gut skalierbaren, bisher so nicht gesehenen Symbiose aus Indoor- und Outdoor-Szenarien so einige Kinnladen herunterklappen ließ. Entsprechend viele Soft- und Hardwareentwickler, darunter auch viele Deutsche, gaben sich bei Vulpine die Klinke in die Hand; eines der ersten Unternehmen, das Vulpine Vision bereits für einen 3D-Spieletitel lizenziert hat und dies offiziell ankündigte, ist das deutsche Softwarehaus CDV.
Doch nicht nur die programmiertechnische Umsetzung eines digitalen Unterhaltungstitels soll mit Middleware einfacher und schneller vonstatten gehen, auch die an der grafischen Umsetzung beteiligten Künstler sollen einen größeren Einfluss auf die Entwicklung erhalten. So zeigte beispielsweise Criterion auf der ECTS ein bereits Anfang Juli angekündigtes Plug-in namens RenderVision 1.0, mit deren Hilfe sich mit 3D Studio MAX erzeugte Szenen interaktiv in Echtzeit in der jeweiligen Grafikqualität der Zielplattform (Momentan PC & PS2) betrachten und Möglichkeiten sowie Leistungsengpässe bereits vor der Programmierung entdeckt werden können. Für die Zukunft sollen die Games-Middleware Renderware und das RenderVision-Plug-in verschmelzen und so die Entwicklung weiter beschleunigt werden können.
Kommentar:
Angesichts der immer höheren Produktionskosten, immer komplexeren PC- und Konsolen-Hardware sowie jährlich erscheinenden neuen Grafikfunktionen verschiedenster APIs dürfte für viele Spieleentwickler und Softwarehäuser der Griff zur Games-Middleware sinnvoller sein, als eigene 3D-Engines für verschiedene Plattformen umzusetzen und zu pflegen. Zumal so vielleicht auch mal wieder mehr Zeit in die Entwicklung neuer Spielkonzepte gesteckt werden kann. Eines ist zumindest sicher: Der Programmierer wird in Zukunft nicht weniger bei der Spieleentwicklung gefragt sein, doch Ton-, Bild- und Wort-Künstler werden bald einen höheren Stellenwert einnehmen.
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