Hessen: Buchführung mit SAP - Ende des Kameralismus

Typischer Misstand des kameralistischen Systems mit seiner Fixierung auf das Haushaltsjahr ist außerdem das "Dezemberfieber", wenn Verwaltungen kurz vor dem Jahreswechsel Geld für oft zweifelhafte Projekte ausgeben, um ihr Etatvolumen im nächsten Jahr zu halten bzw. weiter zu erhalten.

Praktisch soll die Systemumstellung vor allem über die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung in Wiesbaden laufen. Rund zehn SAP-Mitarbeiter seien bereits dort und in den Behörden, um die Beamten zu schulen.

Die Zahl könne stark zunehmen, sagte ein SAP-Sprecher. SAP-Vorstand Gerhard Oswald äußerte die Hoffnung, dass auch andere Bundesländer die Technologie übernehmen. SAP ist Weltmarktführer für betriebswirtschaftliche Software und berät bereits die Länder Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein. Dort habe die Verwaltung allerdings am kameralistischen System festgehalten, meinte Oswald.

Der Steuerzahlerbund Hessen begrüßte die Umstellung. Allerdings dürfe das Land nicht allein die Entwicklungskosten tragen. Es sei auch zu befürchten, dass die genannten Kosten von 100 Millionen DM weit überschritten würden, meinte ein Sprecher des Steuerzahlerbundes. Eine Sprecherin der Landtagsgrünen betonte, dass der Datenschutz beim neuen System unbedingt gewahrt werden müsse. Es dürfe nicht passieren, dass SAP-Systemmanager oder Beamte Einblick in fremde Steuerunterlagen oder sogar strafrechtliche Vorgänge bekämen. Dies sicherte SAP-Vorstand Oswald zu. In der Einführungsphase werde ohnehin nicht mit Echt-Daten, sondern mit simulierten Werten gearbeitet.

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