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Flatrate-Anbieter Surf1 meldet Insolvenz an (Update)

Kunden surften angeblich zu lange im Netz. Surf1 hat gestern die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Der Flatrate-Anbieter, der früher unter Silyn-Tek Communications seine Dienste feilbot, sieht in Deutschland keine Zukunft für eine vollfinanzierte Flatrate.
/ Jens Ihlenfeld
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"Ein schmerzhafter Schritt, da gerade wir den Markt für die Flatrate in Deutschland geschaffen haben" , so Nylis G. Renschler II, Geschäftsführer der Surf1 GmbH. Umstrukturierung und Fortführung der geschaffenen Internet-Kompetenz heißen nun die kurzfristigen Ziele des Unternehmens, so die Geschäftsleitung weiter.

"80 Prozent unserer Flatrate-Kunden surfen über dem von uns kalkulierten Break-Even Point. Dies ist auf Dauer unter den gegebenen deutschen Rahmenbedingungen nicht finanzierbar. Da uns hierdurch wahrscheinlich immense Verluste entstehen, ist zu befürchten, dass alle Flatrate-Zugänge kurzfristig abgeschaltet werden müssen" , so Nylis G. Renschler.

Erst am Montag musste der Anbieter zugeben, sich verkalkuliert zu haben und kündigte eine deutliche Preiserhöhung von 139,- DM auf 139,- Euro an. Am Donnerstagmorgen sperrte der Anbieter dann einem großen Teil seiner Kunden die Zugänge, da diese sie angeblich über Gebühr gebraucht und teilweise auch missbraucht hätten.

"In Deutschand stehen nur eine unzureichende Anzahl von Einwahl-Ports zur Verfügung. Erschwert wird die technische Situation durch fehlenden Schutz der Kunden bei Einwahl Dritter, Mehrfach-Einwahl und dem Problem 'geknackter' Codes" , so Renschler zur Begründung.

Unterdessen scheint auch der Surf1-Konkurrent Versatel ( www.sonnet.de(öffnet im neuen Fenster) ) Probleme zu haben, sieht er sich doch derzeit harscher Kritik ausgesetzt. Viele Nutzer des Dienstes beklagen sich über schlechte Erreichbarkeit: Selbst nach stundenlangen Wählversuchen kommt oft keine Verbindung zum Internet zu Stande. Die Hotline von Versatel versucht indessen die User mit Standardantworten zu beruhigen und weist die Schuld von sich.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, will Versatel jetzt Power-Surfer rauswerfen, die zwischen 15 und 24 Stunden am Tag online sind und so die begrenzten Einwahlports blockieren würden. Auch hier surfen also die Nutzer des eigentlich zeitlich unlimitierten Angebots zu lange...

Kommentar:
Den impliziten Vorwurf des Anbieters, die Kunden hätten zu lange gesurft, darf man aber wohl getrost belächeln, denn wer sich als Flatrate-Pionier darstellt, muss damit rechnen, dass bei Preisen von 139,- DM im Monat die Kunden das Angebot auch nutzen möchten. Flatrate-Angebote ziehen nun mal in erster Linie Kunden an, die bei zeitabhängiger Abrechung mehr bezahlen würden. Anbieter, die mangels direktem Endkundenzugang dennoch eine Mischkalkulation betreiben und von der Telekom selbst zeitabhängig zur Kasse gebeten werden, sollten einen ausreichend langen finanziellen Atem haben, damit ihnen nicht die Puste ausgeht, bevor auf dieser Basis hier zu Lande Geld zu verdienen ist.


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