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Komplettes Recycling von Computerschrott bald Realität?

Material-Forscher entwickeln neuen Klebstoff für Platinen. Eine an der Cornell Universität entwickelte und Alpha-Terp ("Terpineol Epoxy Monomer") getaufte Epoxy-Verbindung soll das Potenzial haben, eine der Hürden für komplett recyclebare zukünftige Computer zu beseitigen: Bisher ist es nur unter äußersten Schwierigkeiten möglich, Platinen und Chips voneinander zu trennen, da die neben den per Hitze zu beseitigenden Lötverbindungen meist verwendeten schützenden Klebstoffe nur schwer zu zerstören sind. Oft noch funktionierende und wieder einsetzbare Schaltkreise landen so auf der Mülldeponie.
/ Christian Klaß
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Dank den derzeit verwendbaren nahezu unzerstörbaren Epoxy-Klebstoffen können etwa 77 Prozent "alter" oder ausrangierter Platinen und darauf befindliche Bauteile nicht wiederverwertet werden, so die Cornell Universität in einer Pressemitteilung. Mit der an der Universität entwickelten Epoxy-Verbindung Alpha-Terp soll dieses Problem gelöst werden können: Eine von IBM und der Semiconductor Research Corp gesponserte Material-Studie belegt, dass es möglich ist, die Temperatur und Zeitdauer präzise festzulegen, bei der das scheinbar unzerstörbare Alpha-Terp bei einem Recycling-Prozess zum Zerfall gebracht werden kann. Bei 190 Grad Celsius beginnen sich die chemischen Bande des Klebstoffs zu lösen – es zerfällt und kann mit einem herkömmlichen industriellen Lösemittel aufgelöst werden.

"Dieses Epoxy scheint alle Attribute zu haben, die man für ein ökologisch sensitives Design benötigt, das einen Klebstoff benötigt, der leicht entfernt und gereinigt werden kann", erklärt John Jir-Shyr Chen, ein Absolvent der Materialwissenschaft des Cornell College of Engineering. "Wenn dieses Material in den Herstellungsprozess von Computern einbezogen wird, können ihre Platinen wesentlich leichter zerlegt und erneut genutzt oder recycelt werden."

Auf der 220sten Tagung der American Chemical Society (ACS) im Washington Convention Center stellte Chen diese Woche einen entsprechenden Studienbericht mit dem Titel "Reworkable Thermosets: Enabling Disassembly of Microelectronic Components" vor. Seine Studien werden beaufsichtigt von Christopher K. Ober, einem Cornell-Professor der Materialwissenschaft, der Alpha-Terp entwickelt hat, und Mark D. Poliks, einem bei SUNY Binghamton tätigen Chemie-Professor. Poliks ist außerdem Manager bei IBMs Mikroelektronik-Abteilung.

Laut Poliks ist das Paradoxe an der derzeitigen Situation, dass Computer nicht kaputtgehen, wenn man es von ihnen verlangt: "Lange nachdem man auf einen leistungsfähigeren Computer umgestiegen ist, enthält das alte Gerät noch Komponenten und Materialien, die wieder neu genutzt oder recycelt werden können."

Alleine 1998 sollen laut einer Studie des National Safety Council alleine in den USA mehr als 20 Millionen veraltete Computer überflüssig geworden sein. Bis 2005 könnten etwa 55 Millionen Computer pro Jahr entsorgt werden. Gleichzeitig boomt das Geschäft von Recycling-Unternehmen, die laut Poltiks bisher mehr als 54.000 Tonnen Elektronik-Abfall verwertet haben, von denen mehr als 95 Prozent neu genutzt oder recycelt wurden. Berücksichtigt man, dass es sich dabei um nur etwa 23 Prozent des gesamten Schrotts handelt, ist hier noch gewaltiges Potenzial zu erschließen.

"Der einzige andere Weg den Halt eines Epoxys zu brechen ist ein Schlag mit dem Hammer", kommentiert Chen, "und das ist etwas hart für diese empfindlichen Komponenten. Wenn es sich als kosteneffektiv, sicher und auf breiter Front nutzbar erweist, kann Alpha-Terp einen Großteil des Wegs zum 100 Prozent recyclebaren Computer zurücklegen."

Kontakt: Cornell University, Roger Segelken, Tel. +1 (607) 255-9736, E-Mail:

hrs2@cornell.edu.



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