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Finanzinstitute unterschätzen Bedrohung durch Finanzportale

Forrester-Studie empfielt Vertrieb von Drittprodukten. Die etablierten europäischen Finanzinstitute werden in Zukunft in einem immer stärkeren Konkurrenzkampf mit Online- Finanzportalen stehen. Zu diesem Ergebnis gelangt das Marktforschungsinstitut Forrester Research in der Studie "Open Finance Storms Europe".
/ Andreas Donath
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Im Gegensatz zu Start-up-Unternehmen und neuen Marktteilnehmern im Finanzbereich bieten die etablierten Institute immer noch zu wenige Alternativen und Serviceleistungen für ihre Kunden an. Die Analysten empfehlen den etablierten Instituten, sich neu zu organisieren und die Produkte Dritter in ihr Portfolio zu integrieren, um den Herausforderungen des Marktes begegnen zu können.

Als "Open Finance" bezeichnet Forrester neue Finanzdienstleistungen im Internet. Hier werden neuen, vermögenden Privatkunden "Best-of-Breed"- Finanzdienstleistungen mit dem Komfort des elektronischen Geldverkehrs angeboten.

"Fast alle der befragten Finanzinstitute beabsichtigen in Zukunft Produkte von Dritten anzubieten", so Brian Gross, Analyst von Forrester Research. "Ihre Bemühungen sind aber eher halbherzig. Wenn ein Finanzinstitut durch die Wahlmöglichkeit seine proprietären Produkte gefährdet sieht, ermöglicht es seinen Kunden keine Wahl mehr zwischen verschiedenen Anbietern."

Die neuen Finanzportale im Internet bieten nach Ansicht von Forrester den Verbrauchern diese Alternative. Während angestammte Institute ihre Bemühungen um "Open Finance" eher überschätzen, unterschätzten sie gleichzeitig die Bedrohung durch Newcomer, so die Studie.

Momentan würde "Open Finance" in Europa von einer Vielzahl von Onlinefirmen und Finanzportalen eingeführt."Die europäischen Verbraucher sind anspruchsvoller geworden und die Start-ups erfüllen die Wünsche nach größerer Auswahl, verstärkter Kontrolle und bald auch besserer Beratung bei der Verwaltung ihrer Finanzen", erläutert Gross weiter.

Bis Ende 2000 erwartet Forrester weitere Innovationen im Online-Finanzsektor: Zum Beispiel "Open Finance"-Angebote von Dutzenden von gesamteuropäischen Finanzportalen, wie etwa die lokalisierten Seiten von GlobalNetFinancial. Diese bilden ein komplexes Kooperationsgeflecht, das als finanzielles E-Business-Netz bezeichnet wird.

Forrester glaubt, dass traditionelle Finanzinstitute die Rollen, die sie in finanziellen E-Business-Netzen spielen möchten, klar definieren und abgrenzen müssen: So können sie als so genannte Attracter, Transformer oder Match Maker auftreten.

Attracter konzentrieren sich auf die Distribution, Transformer streben Wertschöpfung an und vertreiben über Dritte. Match Maker helfen bei der Bewältigung der Komplexität der verschiedenen Kooperationsnetze. Eine Hand voll etablierter Institute wird sich als Attracter durchsetzen. Überraschenderweise werden zahlreiche Start-ups mit gesamteuropäischem Auftritt sowie entsprechenden Visionen und Partnerschaften dies auch schaffen.

Führende Anbieter werden in der Lage sein, sowohl die Rolle eines Attracters als auch eines Transformers zu übernehmen. Dazu müssen sie sich aber neu organisieren und die einzelnen Business-Units bezüglich ihrer jeweiligen Rolle voneinander trennen, so dass sich jeder mit "Best-of-Breed"-Partnern in den finanziellen E-Business-Netzen zusammenschließen kann.

Für die Studie "Open Finance Storms Europe" interviewte Forrester Führungskräfte von 40 Banken, Fonds- und Versicherungsgesellschaften sowie Broker-Häusern in Westeuropa.

75 Prozent der Befragten bieten bereits Produkte Dritter an oder beabsichtigen dies innerhalb der kommenden zwölf Monate zu tun. 46 Prozent der Befragten gaben als Grund dafür die verstärkte Kundennachfrage nach einem breiteren Angebot und besseren Produkten an. Die Führungskräfte glauben, dass "Open Finance" sich bis 2003 durchsetzen wird, und dass große, etablierte Finanzinstitute diesen Markt dominieren werden. Forrester stellte jedoch ein bescheidenes Engagement der traditionellen Marktführer im Bereich "Open Finance" fest.


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