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NVidias amerikanische PR-Abteilung erregt die Gemüter

Wurden Webzines und Fansites von NVidia gegängelt? Nachdem der Betreiber der US-Site Riva 3D in einem mittlerweile wieder zurückgezogenen offenen Brief darauf hinwies, dass ihn die PR-Abteilung des Grafikchip-Herstellers NVidia darum gebeten hat, einen Testbericht zu einem Konkurrenzprodukt von 3dfx zu entfernen, beschweren sich nun weitere kleine US-Hardwaresites über Gängelung seitens NVidia. Entsprechend groß ist die dadurch losgetretene Diskussion um die Integrität von Websites und Grenzen, die PR-Abteilungen nicht übertreten sollten.
/ Christian Klaß
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So klagt beispielweise das private Webzine Hypothermia, nach Anfrage bezüglich einer Grafikkarte zwecks Tests, von NVidia einen offenbar nicht-exklusiven Sponsoring-Vertrag mit unverhältnismäßigen Auflagen erhalten zu haben. Nach Unterzeichnung des Vertrags, den Hypothermia-Betreiber Steven G. Lynch in Ausschnitten auf einer Webseite zitiert(öffnet im neuen Fenster) , soll sich NVidia vor Lieferung des Grafikkarten-Testmusters mehrfach unzufrieden geäußert haben, dass das Firmenlogo nicht entsprechend der Vertragsvereinbarungen in festgeschriebener Form auf der Hypothermia-Homepage platziert worden wäre und dass man gerne das dort ebenfalls platzierte 3dfx-Logo entfernt sehen würde.

Lynch zitiert dazu ebenfalls mehrere E-Mails von NVidias PR-Abteilung. In einer davon heißt es bezüglich des beanstandeten 3dfx-Logos unmissverständlich: "Wenn Sie weiterhin IRGENDWELCHE Unterstützung oder ein Produkt von NVidia erhalten wollen, werden Sie die 3dfx-Logos von Ihrer Site entfernen müssen."

Die bekannte unabhängige Hardwaresite HardOCP weiß von den generellen Problemen privater oder noch unbekannter kommerzieller Webzines, die kein Geld zum Kauf von Testprodukten haben und berichtet von mehreren Betreibern(öffnet im neuen Fenster) , die ähnliche Eingriffsversuche in die eigenen Inhalte durch NVidias PR-Abteilung erlebt haben wollen. HardOCP nennt diese nicht beim Namen, da selbige Angst vor Repressalien seitens NVidia hätten.

Mittlerweile scheint die ganze Angelegenheit zum PR-Desaster für NVidia zu werden, da das Geschehene in mehr oder weniger stark gekürzter und zum Teil auch persönlich gefärbt auf verschiedensten Websites kommentiert und diskutiert wird. Selbst Websites wie Slashdot.org, ein stark frequentierter prominenter Anlaufpunkt für Linux-Fans, Programmierer und interessierte Computernutzer, beschäftigen sich – neben zahlreichen anderen Websites – mit der Angelegenheit. Neben Diskussionen um die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit von gesponserten Hardware-Fansites geht es vor allem auch um ethische Fragen, z.B. ab wann PR-Arbeit zu Gängelung wird – ein Thema, das kein neues ist.

Der Auslöser für die Aufmerksamkeit, die NVidias PR-Abteilung derzeit ungewollt erfährt, ist ironischerweise die PR-Abteilung von 3dfx: Kurz nachdem die NVidia-Fanseite Riva 3D ihren Test einer 3dfx Voodoo 5 5500 mit positiven Bemerkungen über das Anti-Aliasing-Feature der Karte veröffentlicht hat, vermerkte 3dfx in einer Pressemitteilung vom 7. Juni(öffnet im neuen Fenster) das Folgende: "In einer schockierenden Offenbarung haben sogar Mitglieder von NVidia-gesponsorten Fansites, die notorisch kritisch gegenüber 3dfx und extrem voreingenommen [im positiven Sinne, Anmk. d. Red.] in Bezug auf NVidia-Produkte sind, Loblieder auf Voodoo5 5500 AGP gesungen."

Daraufhin bekam Ross Voorhees, einer der beiden Betreiber von Riva 3D, einen Anruf von einem NVidia-Sprecher, der um Klärung bat und starkes Interesse daran zeigte, dass der Testbericht über das Konkurrenzprodukt aus dem Netz genommen wird. Voorhees fühlte sich dadurch offenbar bedroht und richtete einen offenen Brief an NVidia, in dem er sich bestürzt darüber äußerte, dass man ihm die Unterstützung versagen würde, wenn er den Wünsche nicht nachkommen würde. Kurze Zeit später verwandelte sich der offen anklagende Brief in ein Versöhnungsschreiben von Voorhees an NVidia(öffnet im neuen Fenster) und dessen US-Pressesprecher Derek Perez, da es sich nur um ein Missverständnis gehandelt habe. Allerdings hat das dem zuvor mit Lob über seinen Mut und seine Glaubwürdigkeit überschütteten Voorhees einige sehr kritische Stimmen eingebracht.

Nachdem Riva 3D sich einmal öffentlich über NVidia beschwert hatte, folgten die anfangs erwähnten Websites und haben einen Sturm der Entrüstung auf den Grafikchip-Hersteller losgelassen. Wie NVidia mit dem entstehenden Imageschaden umgehen wird, ist noch nicht absehbar.

Kommentar:
Webzines sehen sich oft in der Position, dass sie die Erwartung ihrer Nutzer nach schneller und unbeeinflusster Information befriedigen müssen – vor allem Hardware- und Spiele-Sites haben es schwer, da sie mitunter von den Herstellern abhängig sind, deren Produkte sie testen wollen. Allerdings muss hier jeder selbst entscheiden, wie weit er dabei gehen will und ob er sich auf Grund eines Produkttests zur Werbe-Fansite abstempeln lassen will und wenn ja, wie weit er dabei objektiv bleiben kann.
Der Hersteller sitzt am längeren Hebel und hat natürlich das Recht zu entscheiden, wen er wie und wann unterstützt – allerdings sollte er es tunlichst lassen, dabei Zwänge auszuüben, die in den Inhalt einer Website eingreifen, im gut funktionierenden Kommunikations-, Gerüchte- und Marketingnetz des Internets kann so etwas schnell nach hinten losgehen, wie der beschriebene Fall eindrucksvoll belegt.
Als Abschluss sei mir noch erlaubt zu sagen, dass gerade der Grafikkartenmarkt mit immer kindischer erscheinenden Marketingmethoden zu glänzen mag, wie das Zitat aus der genannten 3dfx-Pressemitteilung eindrucksvoll belegt. Traurige Stilblüten eines harten Markt- und Verdrängungswettbewerbs...


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