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Die Zukunft des Internet - nicht alles rosig

Expertenumfrage zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Computernetzen. In manchen Bereichen ernüchternd sind die Ergebnisse einer jetzt von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Erfurt präsentierten Studie über die Zukunft des Internet. Untersuchungsgegenstand war dabei nicht, was technisch möglich ist, sondern wann welche Technik auf welche Art und Weise im Alltag angewendet und akzeptiert wird.
/ Christian Klaß
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Im Rahmen der Studie, deren Ergebnisse jetzt erstmals vollständig dokumentiert und analysiert vorliegen, wurden internationale Experten über die Verbreitung, Bedeutung und möglichen Folgen der Online-Kommunikation befragt. Das Interesse galt dabei der Veralltäglichung der Technik und der breiten gesellschaftlichen Akzeptanz von Computernetzen. Die Expertenumfrage wurde durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Die Untersuchungsfelder der Studie, die wichtige Teile der privaten Lebenswelt der Menschen und des Wirtschaftslebens umfasst, waren insbesondere Information, Unterhaltung und Spiele; Virtuelle Beziehungen und Cybersex; Electronic Commerce; Arbeitswelt; Lehren und Lernen.

Die Kernaussagen der Studie zeigen, dass man die Gesellschaft des Jahres 2010 durchaus noch wiedererkennen wird, dass aber doch tiefgehende Strukturveränderungen unausweichlich werden.

Prof. Dr. Peter Glotz und Dr. Klaus Beck vom Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt haben aus den Expertenantworten gemeinsam mit der Technologieberatung Booz, Allen + Hamilton folgende Tendenzen ausgemacht:

  • Der Prozess der Medienintegration sichert bis zum Jahr 2010 etwa 25 bis 40 Prozent der privaten Haushalte in den entwickelten Industriestaaten einen universellen und regelmäßig genutzten Zugang zu digitalen Medien und Kommunikationsdiensten. Die Nutzung der Computernetze wird mit Hilfe unterschiedlicher Endgeräte erfolgen.
  • Die direkte Kommunikation (Face-to-face) wird ihre sehr hohe soziale Bedeutung behalten, E-Mail wird Teile des Telefon- und Briefverkehrs substituieren.
  • Electronic-Commerce ist das Epizentrum der Entwicklungen zur "Informationsgesellschaft", wobei einzelne Branchen sehr unterschiedlich betroffen sind. Marketing und Vertrieb sowie die gesamte Wertschöpfungskette unterliegen einem strukturellen Wandel.
  • Wo der Kontakt zwischen Leistungserbringern und Leistungsnutzern übers Netz erfolgt, werden traditionelle Zwischenstufen in Vertrieb und Handel ausgeschaltet. Electronic Banking wird also zu einer Ausdünnung der Filialstruktur der Banken führen, elektronischer Buchvertrieb wird den traditionellen Buchhandel treffen, Electronic Shopping den Einzelhandel schwächen.
  • Kurz- und mittelfristig sind leicht negative Beschäftigungseffekte zu erwarten (Netto-Arbeitsplatz-Bilanz).
  • Alternierende Telearbeit wird primär von geringer Qualifizierten im Dienstleistungssektor geleistet; die Erwerbsverhältnisse werden sich durchgehend und tiefgreifend wandeln.

Die Prognosen sind damit etwas nüchterner als die von ähnlichen Umfragen, besonders in den Themenkomplexen Medien-Konvergenz (Verschmelzung von PC und Fernsehen) und Arbeitsmarktbilanz.

Die Prognose, dass die Beschäftigungseffekte der "Informationsgesellschaft" kurz- und mittelfristig "leicht negativ" sein werden, soll jedoch nicht als Globalaussage über die weltweite Arbeitsplatzbilanz der neuen Online-Welt gelten, denn Schwellenländer mit günstigen Entlohnungsstrukturen mögen von der Entwicklung profitieren. Auch sei der Gang der Dinge "in the long run" nicht überschaubar, so das Ergebnis der Studie. Für die nächsten Jahre aber sehen die Erfurter Kommunikationswissenschaftler keinen Nettozuwachs von Arbeitsplätzen.

"Niemand, das ist klar, kann die Zukunft 'prophezeien'. Dennoch kann die vorliegende Untersuchung dazu beitragen, angstfreie Fragen an die Chancen und Risiken des digitalen Kapitalismus zu ermöglichen. Die Auseinandersetzung mit neuen Kommunikationsmedien wird auch weiterhin einer der Schwerpunkte von Forschung und Lehre der Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt sein", heißt es abschließend.

Kontakt:
Universität Erfurt, Philosophische Fakultät, Kommunikationswissenschaft(öffnet im neuen Fenster), Prof. Dr. Roman Hummel/ Prof. Dr. Patrick Rössner, Nordhäuser Straße 63, Tel.:0361/737-4170, Fax: 0361/737-4179.


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