Trend: E-Mails sind vielen angenehmer als Telefonanrufe
Zwei Drittel aller US-Bürger ziehen Digitales jeder anderen Zustellungsform vor und kommunizieren auch mit Freunden und Verwandten lieber per E-Mail als per Telefon. Anderen fernmündlich die eigene Zeit aufzuzwingen gilt zunehmend als unfein. Wenn man genauso gut eine E-Mail schicken kann, sollte man deshalb – zumindest in den USA – niemanden anrufen. E-Mails sind für den Empfänger auch angenehmer als Faxe, da der Text problemlos weiterverarbeitet werden kann.
Die Vielzahl neuer Techniken von Funktelefonaten über SMS, E-Mails und Instant Messaging bis zum Chatten hat eine Verwirrung der Verkehrsformen erzeugt. Doch das Fehlen sozialer Normen macht sich bemerkbar. Weltweit formiert sich Widerstand gegen das Kommunikationschaos.
Ob Buchdruck oder Schreibmaschine, ob Telegraf oder Telefon: Jede neue Kommunikationstechnik löst früher oder später Debatten um ihren sozialen Gebrauch aus. So wie es zum Anfang des Buchdrucks einem Affront glich, einem Mann von Stand ein gedrucktes Buch zu offerieren, galt es Mitte der 90er in den USA noch als unfein, Geburtstags- oder Festtagswünsche per E-Mail zu versenden. Mittlerweile sind virtuelle Grüße jedoch völlig akzeptabel.
Digitale Kommunikation verändert gleichzeitig das Verhalten der Nutzer. Untersuchungen zeigen, dass Onliner jedweder Nationalität dazu neigen, in ihren E-Mails direkter und aufrichtiger zu sein als sonst im beruflichen und privaten Alltag. Wissenschaftler beobachten eine Absenkung der Hemmschwelle, die dem Verhalten Maskierter im Karneval gleicht. E-Mail erfordert jedoch wegen der Dauerhaftigkeit ein größeres Maß an Vorsicht. Bereits in fünf Prozent aller US-Verfahren werden E-Mails als Beweismittel herangezogen.
In der Ende Oktober 1999 veröffentlichten Studie "NetStyles" von Greenfield Online heißt es, dass mehr als die Hälfte aller Befragten in aller Welt lieber eine E-Mail schickt als einen Anruf per Telefon zu tätigen. Drei Viertel sagten aus, dass das Internet sie in die Lage versetzt, mit mehr Menschen in Verbindung zu bleiben, alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen und neue Freundschaften zu schließen.
Die Studie wurde im Juli 1999 durchgeführt und umfasste 1.165 englischsprachige Teilnehmer außerhalb der USA. Die Daten sind daher nicht repräsentativ für die globale Internetgemeinde oder für eine bestimmte Region.
Die Ergebnisse der Greenfield-Online-Studie sind unter www.greenfieldcentral.com(öffnet im neuen Fenster) einsehbar.
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