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Berliner Unis führen Numerus Clausus für Informatik ein

Bankrotterklärung angesichts Greencard-Debatte. Die drei Berliner Universitäten führen für das kommende Wintersemester 2000/2001 Zulassungsbeschränkungen für die Studiengänge Informatik und Technische Informatik ein.
/ Andreas Donath
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"Insgesamt findet hier ein Trauerspiel statt", so eröffnete Prof. Dr. Peter Pepper (Fachbereich Informatik) im Akademischen Senat der TU Berlin seinen Beitrag, in dem er den lokalen Numerus Clausus für die Studiengänge Informatik und Technische Informatik an der TU Berlin begründen musste, obwohl er seine Einführung für widersinnig hält.

Der Numerus Clausus (NC) wurde beschlossen, da die Zahl der Lehrenden und Studienplätze nicht mit dem Bewerberansturm Schritt halten kann.

Ein wesentliches Argument für den lokalen NC war, dass die Qualitätssicherung der Lehre einen hohen Stellenwert habe, die bei einer noch stärkeren Überlast nicht mehr gegeben sei.

Der Informatik-Fachbereich der TU hatte im vergangenen Wintersemester 1998/99 im Studiengang Informatik bei einer Aufnahmekapazität von 200 Studienplätzen 534 Studierwillige und im Studiengang Technische Informatik bei einer Aufnahmekapazität von 87 Studienplätzen 162 Studierende aufgenommen.

Insgesamt haben sich im vergangenen Wintersemester bundesweit rund 14.000 Informatiker und damit rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr angemeldet. Es ist damit zu rechnen, dass andere Unis wie Dortmund und Darmstadt nächstes Jahr ebenfalls einen NC einführen.

Auch mit Numerus Clausus werden künftig Umstrukturierungen im Grund- und Hauptstudiumsangebot, eine Absenkung der Betreuungsdichte und eine Reduktion des Studienangebots im Hauptstudium unumgänglich sein.

Da das Fach Informatik nicht von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) aufgenommen ist, können die Studierwilligen auch nicht auf andere Universitäten verteilt werden. Im Wintersemester 1994/95 wurde das Studienfach aus der ZVS-Liste gestrichen, da genügend Studienplätze in Deutschland vorhanden waren. Auf 6.546 Plätze kamen 4.649 Bewerber.

Kommentar:

Wahrlich ein Trauerspiel, aber bezeichnend für die industriell geprägte Bundesrepublik. Während die Unternehmen händeringend nach gut ausgebildeten Informatikern suchen und durch Lobbyistenarbeit sogar Einwanderungsmauern in den Köpfen einzureißen vermögen und angespornt vom IT-Boom immer mehr junge Menschen die sich ihnen bietenden Chancen nutzen wollen, verhindern mangelnde Kapazitäten an staatlichen Hochschulen die Heranziehung des Nachwuchses.

Auch mancher Unternehmer, der problemlos für den notwendigen Rückzug des Staates aus wirtschaftlichen Belangen plädieren kann, sollte sich fragen, warum die Privatwirtschaft die Hochschulen und andere Ausbildungen nicht stärker fördert und Stipendien an privaten Hochschulen im In- und Ausland nur spärlich vergeben werden.

Da stimmt es schon nachdenklich, dass die Lobbyverbände ihren Mitgliedern nicht längst nahegelegt haben, Teile der IT-Milliardeninvestitionen nicht in den Aufbau privater Hochschulen zu stecken. Oder geschieht dies mangels erwarteter Kontinuität der momentanen Boomphase nicht?


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