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IBM-Chef: "In der IT-Branche fehlen 200.000 Arbeitskräfte"

Erwin Staudt: "Das deutsche Bildungssystem sei überholungsbedürftig"

Erwin Staudt, der Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM-Deutschland, geht nicht von den vielfach zitierten 75.000 fehlenden Arbeitskräften in der IT-Branche aus. Staudt sagte im Interview mit der Zeitschrift Computer Bild: "Diese Zahl erhöht sich mindestens um weitere 75.000, wenn man die Anwenderseite in Industrie- und Dienstleistungsbetrieben einrechnet. Das Gesamtpotenzial liegt in der Größenordnung von 200.000 fehlenden Arbeitskräften."

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Mit der Green-Card-Regelung der Bundesregierung sei er bislang sehr zufrieden, erklärte Staudt. Allerdings bleiben Zweifel. Der IBM-Chef: "Wenn wir nicht mal die 20.000 geplanten Stellen besetzen könnten, hätten wir in der Tat ein Problem. Einige große Projekte würden uns davonlaufen - und ausländische Unternehmen machen das Rennen." Ein möglicher Schaden für die deutsche Computer-Industrie lasse sich nur schwer beziffern. Klar sei aber, dass "wir nicht zu den führenden IT-Nationen gehören. Gegenüber den Amerikanern hängen wir immer drei bis vier Jahre hinterher."

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Um den deutschen IT-Nachwuchs zu fördern, fordert Staudt: "Deutschland muss jetzt einen großen Stein in den Bildungssee werfen, damit sich die Wellen schnell in die Arbeitswelt fortsetzen." Das deutsche Bildungssystem sei überholungsbedürftig. Staudt: "Wir müssen die Bildung mit einem ganz gezielten Wissensmanagement an die Möglichkeiten der Technik anpassen." Auch die Lehrer müssten sich den neuen Gegebenheiten stellen. Der IBM-Chef: "Wenn wir den Kindern nur Computer in die Klassenräume stellen - ohne Coaching - dann ist das vergebene Liebesmüh. Wir müssen mit den Ländern übereinkommen, dass wir die Lehrer gezielt für den Unterricht am Computer ausbilden."

Älteren Arbeitslosen, die einen Job in der IT-Branche suchen, räumt Erwin Staudt schlechte Chancen ein: "Menschen in einer vorgerückten Lebensphase, die unter Umständen schon in ganz anderen Berufsfeldern tätig waren, sind sehr schwer zu vermitteln", sagte der IBM-Chef gegenüber Computer Bild. Angesichts der rund 50.000 arbeitslosen deutschen Ingenieure erklärte Staudt weiter: "Wenn jemand über 50 ist, hat er schlechte Karten. Viele Unternehmer haben einfach Hemmungen, einen 52-Jährigen einzustellen, nicht zuletzt, weil er nach den tariflichen Regeln praktisch unkündbar ist."



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