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CeBIT Home 2000 - Ein Flop für Spielebranche und Spielefans?

Spieleentwickler und Publisher fehlen auf der CeBIT Home. Schon im Vorfeld der CeBIT Home zeichnet sich ab, dass die Messe ein Flop zu werden droht: Die meisten Hersteller von Computer- oder Videospielen haben der speziell an Heimanwender ausgerichteten Computermesse den Rücken zugekehrt. Zwar wird ein offizielles "Age of Kings"-Turnier veranstaltet, sowie Sega und wahrscheinlich auch Sony die neuesten Konsolen-Spiele vorstellen, das war es dann aber auch schon.
/ Christian Klaß
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Der ungünstige Termin, das diesjährige Ausweichen nach Leipzig und offenbar auch das Verhalten der Deutschen Messe AG selbst haben dazu geführt, dass die CeBIT Home noch immer nicht von der Spiele-Branche akzeptiert wird, die sich nichts mehr als eine Alternativ-Veranstaltung zu wünschen scheint.

Die CeBIT Home findet alle zwei Jahre Ende August statt und wechselt sich mit der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin ab. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Veranstaltungen wird die dritte und diesjährige CeBIT Home nicht in Hannover stattfinden sondern auf Grund der Expo 2000 nach Leipzig ausweichen. Neben PC-Hardware und -Zubehör, Software, Telekommunikation, Internet und Consumer-Elektronik zählt der Bereich "Digital Entertainment" zu den Schwerpunkten der Messe.

Obwohl die CeBIT Home 2000 (30.08. – 03.09.2000) sich also ausdrücklich dem Wachstumsmarkt Computer- und Videospiele widmet, scheinen die meisten in diesem Bereich tätigen Unternehmen der Messe fernzubleiben und statt dessen die fast zeitgleich stattfindende Londoner Fachmesse ECTS (03.09 – 05.09.2000) zu favorisieren. Erste Anzeichen dafür gaben bereits offizielle Pressemitteilungen von Konami und EIDOS, die bereits im April ihr Fernbleiben ankündigten.

Dabei bleibt es jedoch nicht: Auf unsere Nachfrage teilten sowohl Activision, Electronic Arts, Nintendo, Topware Interactive, THQ (LucasArts), Ubi Soft als auch Take 2 Interactive mit, dass sie nicht mit einem Stand auf der Messe vertreten sein werden. Sony verhandelt laut der Messe AG noch über ein Kommen, wird jedoch voraussichtlich zusagen. Sega hat dies bereits getan, scheint aber ebenfalls nicht sonderlich glücklich über die diesjährige CeBIT Home zu sein.

Für Ubi Soft ist die CeBIT Home zumindest in diesem Jahr nicht relevant. "Wir haben uns aus strategischen Gründen entschlossen, dieses Jahr nicht auf der CeBit Home in Leipzig auszustellen. International gesehen konzentrieren wir uns hauptsächlich auf größere Messeauftritte, wie z.B. die E3, die uns die Möglichkeit bietet, unsere Produkte optimal in einem größeren Rahmen zu präsentieren", heißt es aus der Ubi-Soft-Presseabteilung. "National werden wir vor allem regionale Events und zielgruppengerechte Aktionen am PoS veranstalten. Bereits im letzten Jahr konnten wir feststellen, dass unsere Handelspartner diese Möglichkeit gerne annehmen, da auf diesem Wege noch intensivere Gespräche möglich sind."

"Natürlich möchte THQ die eigenen Produkte auch einem breiten Endverbraucherpublikum präsentieren, doch unsere diesjährige interne Planung beschränkte sich auf die Spielwarenmesse in Nürnberg", erklärte Rainer Galuschka, Pressesprecher bei THQ. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine generelle Absage an die CeBIT Home. "Bei der Planung für das kommende Jahr werden wir sämtliche bisherigen Messen und Ausstellungen im In- und Ausland nicht zuletzt hinsichtlich ihrer Bedeutung reflektieren, um uns dann mit den effizientesten Orten näher zu beschäftigen."

Markus Wilding von Activision Deutschland spricht Klartext und nennt als Gründe "die mangelnde Unterstützung der Deutschen Messe AG und das zeitgleiche Stattfinden der ECTS in London" und bringt damit die Sache auf den Punkt.

Dass die CeBIT Home im Vergleich mit der etablierten und praktisch zeitgleich stattfindenden ECTS einen schlechten Stand hat, ist bereits seit der ersten CeBIT Home vor vier Jahren klar. Auch der Messestandort Leipzig ist recht unpopulär, viele der von uns befragten Spielehersteller rechnen mit relativ geringen Besucherzahlen. Dass jedoch auch die Deutsche Messe AG die eigene Veranstaltung zu torpedieren scheint, ist mehr als nur verwunderlich.

Auf die Gründe nach dem Fernbleiben der Spielehersteller befragt, antwortete Martina Lübon, CeBIT-Home-Projektleitung der Deutschen Messe AG Hannover, dass die von den Unternehmen angelegten Kriterien für eine Messebeteiligung äußerst vielfältig seien. Als Messeveranstalter sei man in diesen Entscheidungsprozess deshalb nur sehr bedingt involviert.

"Zur vergangenen CeBIT Home 1998 waren die Spiele-Hersteller vollständig vertreten und konnten außerordentliche Erfolge bei Geschäftsabschlüssen mit dem Handel verzeichnen. Auch die Resonanz der Endverbraucher war äußerst gut, darüber hinaus profitierten die Hersteller von einem sehr umfangreichen und positiven Medienecho", betont Lübon.

"Der Deutschen Messe AG ist die Digital Entertainment Branche – damit meinen wir sowohl die Hard- als auch die Softwareanbieter – sehr wichtig. Aus diesem Grunde sollen den Unternehmen zur CeBIT Home 2000 verschiedene attraktive Beteiligungsmöglichkeiten angeboten worden sein. Laut Martina Lübon stehe man "nach wie vor in enger Verbindung mit den Firmen und freue sich auch weiterhin auf einen konstruktiven Dialog".

Den Messestandort Leipzig hält die Deutsche Messe AG für attraktiv, erschließe sich doch zusätzlich ein sehr attraktives Einzugsgebiet: "Viele Besucher aus den neuen Bundesländern werden erstmalig auf die Messe kommen, da es in dieser Region bisher keine Veranstaltung mit einem vergleichbaren Angebot gab."

Außerdem erwarte man einen Besucherzuwachs auch aus den östlichen Nachbarländern. "Leipzig liegt sehr zentral, die Stadt ist gut zu erreichen und verfügt über hervorragende Verkehrsanbindungen. Darüber hinaus sind wir in diesem Jahr auf einem tollen Messegelände zu Gast: Leipzig gehört zu den modernsten Messestandorten Europas", heißt es aus Hannover.

In der Spiele-Branche sieht man das anscheinend ganz anders: Man befürchtet, dass deutlich weniger Tagesbesucher kommen werden als bei den beiden letzten CeBIT-HOME-Veranstaltungen, da Leipzig als Messestadt nicht mit Hannover, München oder Berlin zu vergleichen sei.

Diese Ängste scheint die Deutsche Messe AG nicht beseitigen zu können; selbst bei Sega Deutschland ist man trotz der Teilnahme eher unsicher, ob der von der Messeleitung prognostizierte Besucheransturm zur CeBIT Home 2000 wirklich eintreten wird.

Kommentar:
Die Deutsche Messe AG scheint kein glückliches Händchen zu haben, wenn es um das Gewinnen von Ausstellern im Entertainment-Bereich geht. Das liegt sicherlich auch daran, dass diesen noch der Verweis von der CeBIT 2000 in Erinnerung ist: Dort wurde Unterhaltung "unerwünscht" eingestuft, da es sich um eine IT-Fachmesse handle – Spiele durften allerhöchstens zur Demonstration von Hardware genutzt werden, obwohl das in den Jahren zuvor offenbar keine Probleme machte.
Die Beweggründe – Trennung von Unterhaltung und Business – der Deutschen Messe AG mögen zwar nachvollziehbar sein, berücksichtigen jedoch nicht, dass Unterhaltung ein nicht mehr wegzudenkendes Business in der IT-Branche ist. Für den Aussteller bedeutet das aber auch, dass entweder sehr viele Spielefans oder viel Fachpublikum (Händler, Presse etc.) an die Stände kommen müssen, damit sich diese auch lohnen. Im Falle der CeBIT Home scheint weder das eine noch das andere der Fall zu sein; ob nun mehr durch Missverständnisse, konzeptionelle Mängel oder schlichtweg Ignoranz seitens der Messeleitung sei einmal dahingestellt. Schon vor dem Start der Messe ist endgültig klar, dass die CeBIT Home keine Messe ist, die für die Spielebranche geeignet ist und es wohl auch nicht werden wird. Hier sind neue Konzepte, ein neuer Termin, ein neuer Standort und offensichtlich auch andere Organisatoren gefragt.


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