Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Iloveyou: Falsche Liebesgrüße mit bitterem Nachgeschmack

Anti-Virenhersteller und PR-Agenturen lieben das Virus. Ein Gespenst schreckte am Donnerstag die Internetwelt: Ein bösartiger Virus kam per Mail ins Haus, deren brisante Fracht im Dateianhang mit dem Betreff "Iloveyou" steckte. Der Text der Nachricht lautet "kindly check the attached Loveletter coming from me."
/ Andreas Donath
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Der Wurm hat beim Versuch, sich weiter zu verbreiten, wahre E-Mail-Lawinen losgetreten – einige Firmen litten unter lahm gelegten E-Mail-Servern. Andere waren zudem mit Schäden in der Registry und gelöschten Dateien konfrontiert. Zudem versuchte der Wurm anscheinend, eine ausführbare Datei von Webseiten eines philippinischen Internetproviders nachzuladen.

Die Antiviren-Hersteller reagierten prompt und schickten neben neuen Virensignaturen über ihre PR-Agenturen haufenweise gut gemeinte Pressemittelungen über die Ticker, die von der Publikums- und Fachpresse dankbar aufgenommen wurden und – wie mittlerweile fast gängige Praxis – auch Eingang in Rundfunk- und Fernsehsendungen fanden.

Ob auch morgen wieder Ärzte mit der bangen Frage ob des "bösen neuen Virus aus der Tagesschau" konfrontiert werden?

Zwar gibt es auch Möglichkeiten, den Wurm manuell aus befallenen Systemen zu tilgen, doch empfiehlt sich eher die Profi-Wurmkur der Antivirenspezialisten. Wenn man bei der Handmethode aus Unachtsamkeit weitere Schäden anrichtet, ist niemandem geholfen.

Da das maligne VB-Script aber nicht nur für rasche Reproduktion seiner Art sorgt, sondern im Vorbeigehen auch noch zahlreiche Dateien unbrauchbar macht, war der Schaden in den betroffenen Unternehmen, Behörden und Regierungsstellen groß.

Nach Agenturberichten erwischte es neben der niedersächsischen Landesregierung zahlreiche Redaktionen und Nachrichtenagenturen, wo es naturgemäß besonders unangenehm ist, wenn alle JPEG-Bilddateien auf einmal nur noch 10KB groß sind und aus VB-Code bestehen. Angeblich waren einige Zeitungsverlage so stark getroffen, dass es fraglich war, ob überhaupt die Zeitung des nächsten Tages in gewohnter Form erscheinen kann.

Kommentar:

Das Virus kam, die Daten gingen. Das müsste nicht naturgesetzlich in eine Katastrophe münden.

Was aber, wenn Schlamperei und Blauäugigkeit aller Beteiligten scheinbar branchenüblich ist?

Die erste Frage bei Datenverlust lautet doch: Wo ist das frische Backup. Nein? Darf es eigentlich sein, dass die IT- Sicherheitsindustrie offenbar noch solch ein riesiges Wachstumspotenzial hat?

Es ist aber auch auffällig, dass es fast immer Microsoft- Programme mit ihrer enger Verzahnung zum Betriebssystem sind, die Unternehmen letztendlich anfällig für Sabotageangriffe machen, die diese Verbindung schamlos ausnutzen.

Wer bisher bei dem Begriff Monopolisierung der Softwarelandschaft nur an den Schaden von Mitbewerbern dachte, irrt. Sie schadet uns allen.


Relevante Themen