Vergleichstest: GeForce256, GeForce2 GTS und Voodoo5 5500
NVidias GeForce256 war der erste Consumer-Grafikprozessor, der mit einer integrierten Transform & Lightning Engine aufwarten konnte und damit dem Prozessor einen Großteil der 3D-Berechnungen abnimmt, sofern die Software DirectX 7 oder OpenGL nutzt. Allerdings ist die T&L-Engine mittlerweile von den im MHz-Rennen befindlichen Pentium-III- und Athlon-Prozessoren überholt worden, was der Attraktivität der GeForce256-Grafikkarten keinen Abbruch tut.
Als Treiber bei den beiden Grafikkarten mit GeForce-Prozessoren setzten wir die aktuelle 5.16 Beta-Version von NVidias Detonator-Treiber ein, da die offiziell erhältlichen Treiber zum Testzeitpunkt noch keinen GeForce2-GTS-Support boten. Bei der Voodoo5 5500 wurden von 3dfx mitgelieferte Treiber in der Version 1.00 eingesetzt. Zum Vergleich der Leistung wurden der 3DMark 2000 von MadOnion, die 3DShooter Q3A von idSoftware/Activision und Unreal Tournament von Epic Games/GT Interactive in den aktuell erhältlichen Versionen eingesetzt.
Gleich zu Beginn des Vergleichtests – der gemeinsam mit der Hardware-Site LCM-Network(öffnet im neuen Fenster) durchgeführt wurde – stellte sich heraus, dass die Voodoo5 5500 mit dem Abit-Board so ihre Probleme hatte: Die leicht optimierten BIOS-Einstellungen (niedriges Speichertiming etc.) sorgten dafür, dass das ganze System instabil lief, Windows beim Booten abstürzte und auch im DOS-Modus einige Zeichen nicht korrekt angezeigt oder gelöscht wurden. Dies ist umso verwunderlicher, da die beiden GeForce-Karten keinerlei Probleme mit dem System hatten. Auch die Installation der 3dfx-Zusatz-Utilitys zum Aktivieren der T-Buffer-Features wollte partout nicht gelingen – sogar nach einer Neuinstallation des Systems und dem Herausnehmen der Soundkarte stürzte die Installationsroutine aus unerfindlichen Gründen ab, selbst im abgesicherten Modus von Windows 98 SE.
3DMark 2000
Im 3DMark 2000, einem sehr umfassenden synthetischen DirectX-7-Spiele-Benchmark, mussten die Kontrahenten ihre allgemeine 3D-Spieletauglichkeit und Bildqualität beweisen. Getestet wurden die Auflösungen 640 x 480, 1024 x 786 und 1600 x 1024, je bei 16Bit- und 32Bit-Farbtiefe. Die beiden GeForce-Grafikkarten wurden sowohl mit als auch ohne T&L (bei aktivierter Pentium-III-Optimierung) getestet, um den Einfluss der T&L-Engine darzustellen.
| 3DMark 2000 | GeForce256 DDR | GeForce2 GTS | Voodoo5 5500 |
| 640 x 480 x 16Bit (PIII) | 4633 | 4645 | 3895 |
| 640 x 480 x 32Bit (PIII) | 4547 | 4654 | 3860 |
| 640 x 480 x 16Bit (T & L) | 6064 | 6511 | ---- |
| 640 x 480 x 32Bit (T & L) | 5731 | 6193 | ---- |
| 1024 x 786 x 16Bit (PIII) | 4408 | 4625 | 3785 |
| 1024 x 786 x 32Bit (PIII) | 3768 | 4204 | 3293 |
| 1024 x 786 x 16Bit (T & L) | 4832 | 5805 | ---- |
| 1024 x 786 x 32Bit (T & L) | 3764 | 4399 | ---- |
| 1600 x 1024 x 16Bit (PIII) | 2689 | 3563 | 2611 |
| 1600 x 1024 x 16Bit (T & L) | 2596 | 3593 | ---- |
Auffällig ist, dass die grün markierten höchsten 3DMark-Werte immer von der GeForce2 GTS stammen. Ihr Abstand zur GeForce256 wird dabei mit höheren Auflösungen immer deutlicher, sowohl mit als auch ohne T&L: Während die 3DMark-Werte bei 640 x 480 Punkten nur unwesentlich – zwischen 10 und 500 3DMarks – voneinander differieren, fällt der Unterschied bei den höheren Auflösungen zwischen 600 und 1000 3DMarks recht hoch aus. Vor allem bei den 16Bit-Auflösungen kann sich die GeForce2 GTS von der GeForce256 absetzen, bei 32Bit scheint die verfügbare Bandbreite den Vorsprung einzudämmen.
Die Werte der Voodoo5 5500 liegen beim 3DMark 2000 erschreckend niedrig, sind aber zumindest in den Auflösungen ab 1024 x 786 Punkten in etwa mit denen der GeForce256 ohne(!) T&L vergleichbar. Mit T&L rennt auch die GeForce256 der Voodoo5 5500 davon. Da die Karte mit dem Abit-Mainboard zu kämpfen hat, sollte man diese Werte mit Vorsicht genießen, wesentlich besser dürften sie jedoch ebenfalls nicht werden.
Füllrate (3DMark 2000)
Besonders wichtig ist eine hohe Bandbreite innerhalb der Karte – aus diesem Grund führen wir hier die vom 3DMark 2000 Fill-Rate-Test ermittelten Füllraten gesondert auf:
| Füllrate (Megatexel/s) | GeForce256 DDR | GeForce2 GTS | Voodoo5 5500 |
| 640 x 480 x 16Bit Single-Texturing | 423,6 | 578,1 | 453,4 |
| 640 x 480 x 32Bit Single-Texturing | 256,6 | 286,2 | 228,4 |
| 640 x 480 x 16Bit Multi-Texturing | 470,1 | 1114,7 | 485,3 |
| 640 x 480 x 32Bit Multi-Texturing | 453,1 | 577,4 | 388,8 |
| 1024 x 768 x 16Bit Single-Texturing | 420,9 | 569,4 | 479,4 |
| 1024 x 768 x 32Bit Single-Texturing | 214,4 | 245 | 239,8 |
| 1024 x 768 x 16Bit Multi-Texturing | 475,8 | 1176,8 | 580,8 |
| 1024 x 768 x 32Bit Multi-Texturing | 418,1 | 523,3 | 439,2 |
| 1600 x 1024 x 16Bit Single-Texturing | 358,1 | 445,2 | 466,9 |
| 1600 x 1024 x 16Bit Multi-Texturing | 478,0 | 990,2 | 574,7 |
Bei den Füllraten liegt die GeForce2 GTS in fast allen Fällen vorne, nur einmal wird sie um ein paar Megatexel von der Voodoo5 5500 überholt, jedoch nur beim Single-Texturing. Beim aufwendigeren Multi-Texturing kommt hingegen keiner der Konkurrenten an die GeForce2 GTS heran, hier ist sie der GeForce256 teils um das Doppelte überlegen, die im Test in einigen Auflösungen bereits ihre maximale theoretische Füllrate von 480 Megatexeln erreicht. Grund für die hohe Leistung sind die überarbeiteten Pixel-Pipelines des GeForce2-GTS-Grafikprozessors, die vier texturierte Pixel (Texel) mit je zwei Texturen pro Taktzyklus rendern können. Die theoretische maximale Texel-Füllrate von 1,6 Gigatexeln/Sekunde erreicht die GeForce2 GTS jedoch in diesem Test nicht.
Die Voodoo5 5500 kommt ebenfalls nicht an ihre theoretische maximale Füllrate von zwischen 677 und 733 Megatexeln/Sekunde. Sie kann sich jedoch, trotz des Mainboard-Handicaps, fast immer über der GeForce256 platzieren, da sie pro Taktzyklus vier Pixel berechnen kann.
Bildqualität (3DMark 2000)
Unreal Tournament Benchmark – Spielen unter DirectX
Als Ergänzung zum synthetischen DirectX-Benchmark 3DMark2000 wurde der 3DShooter Unreal Tournament gewählt, der sowohl DirectX, OpenGL, S3s Metal- als auch 3dfx' Glide-Schnittstelle unterstützt und ein wirklichkeitsnaheres Leistungsbild liefert. Berücksichtigt wurde hier jedoch nur DirectX. Besonders interessant ist Unreal Tournament für das Benchmarken, da sowohl die minimale, maximale und durchschnittliche Bildrate geliefert wird und man so einen Eindruck bekommt, wie stark die Grafikkarten einbrechen, wenn viel auf dem Bildschirm los ist.
| UT Bench(öffnet im neuen Fenster) (Bilder/Sekunde) | GeForce256 DDR | GeForce2 GTS | Voodoo5 5500 |
| 1024 x 786 x 16Bit – Min. | 16,44 | 16,56 | 18,99 |
| 1024 x 786 x 16Bit – Max. | 46,70 | 48,29 | 58,48 |
| 1024 x 786 x 16Bit – Durchschnitt | 31,98 | 31,42 | 34,24 |
| 1024 x 786 x 32Bit – Min. | 15,48 | 12,98 | 18,89 |
| 1024 x 786 x 32Bit – Max. | 43,94 | 48,20 | 53,44 |
| 1024 x 786 x 32Bit – Durchschnitt | 29,04 | 31,91 | 33,69 |
Unter dem eher CPU-lastigen Unreal Tournament zeigt sich ein ganz anderes Bild als beim 3DMark 2000: Hier liegt die Voodoo5 5500 fast immer an der Spitze. Zwar ist der Abstand zu den beiden GeForce-Karten – deren T&L-Engine hier nicht zum Tragen kommt – nicht der größte, aber er ist beim Betrachten des Benchmarks doch sichtbar: Die Grafik wirkt flüssig, während bei den GeForce-Karten während des Benchmark-Laufs einige kurze Ruckler auftraten, an dem entweder das Textur-Management der NVidia-Beta-Treiber oder eine eventuell nicht ausreichende Speichermenge (32 anstelle von 64MB) Schuld sein könnten. So oder so kann sich die Voodoo5 5500 hier behaupten und liefert ansprechende Ergebnisse, die nichts von den erwähnten Problemen durchblicken lassen.
Q3A Benchmark – Spielen unter OpenGL
idSoftwares in Deutschland indizierter 3D-Shooter Q3A setzt, wie der Konkurrent Unreal Tournament, eine fortgeschrittene 3D-Engine ein, die sehr hohe Ansprüche an die Hardware stellt und im Laufe des Jahres in zahlreichen weiteren Spielen zu finden sein wird. Im Gegensatz zu Unreal Tournament setzt Q3A ausschließlich auf OpenGL, eine Schnittstelle, die schon seit Urzeiten T&L-Engines unterstützt, da diese im Profi-Bereich ein alter Hut sind. Für den Test entschieden wir uns nicht für eine der Standard-Maps, sondern für NVidias NV15-Demo, die mit recht hohen Polygonmengen aufwarten kann. Sie scheint zwar nicht sonderlich gut optimiert zu sein, erfüllt jedoch ihren Zweck ganz gut, da sie die Grafikkarten stark beansprucht.
| Q3A Bench (Bilder/Sekunde) | GeForce256 DDR | GeForce2 GTS | Voodoo5 5500 |
| Q3A High Quality (NV15-Demo(öffnet im neuen Fenster)) | 23,7 | 24,8 | 18,4 |
Auch wenn Q3A erst ab 60 Bildern/Sekunde richtig spielbar wird, können die GeForce-Karten zeigen, was in ihnen steckt: Bei der Standard-Qualitätseinstellung High Quality (800 x 600 Punkte, 32 Bit, alle Details etc.) setzen sie sich deutlich von der Voodoo5 5500 ab. Der Unterschied zwischen GeForce256 und GeForce2 GTS ist in der Auflösung der High-Quality-Einstellung nicht sonderlich groß, das ändert sich aber bei höheren Auflösungen. Hier kann die GeForce2 GTS beweisen, dass sie für Q3A die beste Wahl ist. Hier hat 3dfx früher das Feld angeführt, diese Zeit scheint spätestens seit der GeForce256 vorbei zu sein – die Voodoo5 5500 kann nicht mithalten, zumindest nicht im Abit BF6 Mainboard...
Fazit:
Die Voodoo5 5500 hinterließ einen zwiespältigen Eindruck: Dank der Hardware-Probleme konnten wir sie nicht zu 100 Prozent ausreizen; die streikende Software-Installation verhinderte zudem erfolgreich eine Aktivierung des Full-Screen-Anti-Aliasings (FSAA). Die Ergebnisse im synthetischen 3DMark 2000 sind als enttäuschend zu bezeichnen, selbst unter Berücksichtigung der aus Kompatibilitätsgründen leicht gedrosselten Systemleistung. Unter Q3A (OpenGL) unterliegt die Voodoo5 5500 der Konkurrenz ebenso deutlich, nicht einmal von der älteren GeForce256 kann sie sich absetzen. Dafür kann sie unter Unreal Tournament (DirectX) deutlich punkten und sich von der Konkurrenz abheben.
Außerdem weist sie eine recht gute 32Bit-Bildqualität auf, die zumindest im Vergleich mit den Beta-Treibern der NVidia-Chips überlegen wirkt. Zusammengefasst lässt sich zur Voodoo5 5500 sagen: Ein Produkt mit einigen Schwächen aber viel Potenzial, das im letzten Jahr hätte erscheinen sollen.
Überzeugender wirkte die GeForce2 GTS, sie schafft es ohne Probleme, die GeForce256 als bisherigen Leistungssieger abzulösen, wenn auch nicht in allen Disziplinen sehr deutlich. Besonders spannend wird es für Besitzer einer GeForce2 GTS, wenn DirectX 8 auf den Markt kommt. Entsprechend angepasste Spiele können dann das integrierte Pixel-Shader-Feature nutzen, das auch ATIs zukünftige Radeon-Grafikkarten unterstützen wird und damit wesentlich plastischer wirkende Texturen liefert.
Wen die hohen Kosten einer GeForce2 GTS (ab 800,- DM aufwärts) oder eine Voodoo5 5500 (circa 700,- DM) abschrecken, der sollte zu einer GeForce256 mit DDR-RAM (ab circa 500 DM) greifen. Diese befriedigt auch jetzt noch die Bedürfnisse der meisten "Hardcore-Gamer" und muss sich vor der neuen Konkurrenz nicht verstecken.