Der Ego-Schleicher kehrt zurück. Dank Eidos Interactive und Looking Glass Studios kehrt Garrett der Meisterdieb zurück, um wie eh und je seinen Unterhalt mit langen Fingern zu verdienen. In seiner Fantasywelt, ein mittelalterliches Ambiente gepaart mit moderner Technologie, werden in Robin-Hood-Manier die Reichen etwas erleichtert und die Bedürftigen, vor allem Garrett selbst, unterstützt.
Zu Beginn des Spiels müssen in erster Linie persönliche Dinge erledigt werden. Sein Freund Basso steckt in der Klemme, denn er möchte eine Zofe heiraten. Diese wird aber von ihrer Herrin gefangen gehalten, da ihr die Heirat verboten ist. Also dringt Garrett in das Anwesen ein, räumt den Weg frei und kann nebenbei die wohlhabende Dame um einige Schmuckstücke erleichtern. Im folgenden Einsatz wird kurzerhand in ein Lagerhaus eingebrochen, um eigene Schulden bezahlen zu können. Im späteren Verlauf kommt Garrett hinter das dunkle Intrigenspiel des Sheriffs Gorman Truart, der mit der Sekte der Mechanisten Geschäfte macht. Also setzt Garrett seine Qualitäten als Detektiv ein, um ihnen das Handwerk zu legen.
Der Schwierigkeitsgrad kann für jeden Einsatz separat eingestellt werden, aber selbst die einfachste Stufe ist nicht ohne. Zum Beispiel müssen als Freizeitdieb lediglich Waren im Werte von 500 Goldstücken entwendet werden. Als Experte muss zusätzliches Geld verdient und eine Lieferung an eigene Interessenten umgeleitet werden. Außerdem darf niemand zu Tode kommen. Während den Einsätzen erbeutete Wertgegenstände und Gold werden im Spielverlauf nicht angesammelt, sondern müssen zwischen den Missionen in die Ausrüstung investiert werden, um nicht zu verfallen.
Der Kaufmann bietet daher alles, was das Diebesherz erfreut. Angefangen von Dietrichen, Heil-, Unsichtbarkeits- und Antigravitationstränken bis hin zu Schwert, Knüppel und Pfeilen aller Art. So gibt es Standard-Breitkopfpfeile, Lärm-, Gas-, Feuer-, Wasser- und Moospfeile. Letztere können benutzt werden, um störende Lichter zu löschen und hallende Fußböden mit einem weichen und geräuschdämmenden Moosteppich zu belegen. Anhand dieser Ausrüstung lässt sich feststellen, dass Dark Project 2 kein typischer Ego-Shooter ist. Anstatt viele Gegner aus dem Weg zu räumen, gilt es, ihnen nach Möglichkeit auszuweichen und nicht unter die Augen zu kommen oder sich ihrer zumindest lautlos zu entledigen.
Dunkelheit ist bei allen Unternehmungen der größte Freund, denn in ihr ist Garrett nahezu unsichtbar. Die KI der Wachen reicht aber soweit, auch auf Geräusche und Veränderungen an der Umgebung zu reagieren. Sollten also Wächter bewusstlos im Gang liegen, ehemals verschlossene Türen geöffnet sein oder wertvolle Gegenstände fehlen, könnte Alarm ausgelöst werden. In solch einem Fall hilft nur die Flucht, denn im Gegensatz zum ersten Spiel soll weniger gekämpft werden. Garrett ist eben ein ehrenhafter Dieb und dementsprechend schwach im Zweikampf.
Neben der neuen Intelligenz bietet Dark Project 2 eine verbesserte Grafik-Engine, die Nebel und Wettereffekte erlaubt, was die Atmosphäre noch verdichtet, aber es gibt auch Schattenseiten. Schwierigkeiten mit der Steuerung beim Klettern und Springen sowie eine ungenaue Karte, auf der man nur die ungefähre Position erfährt, machen einige Spielabschnitte zum Geduldsspiel und lassen einen auf falschem Wege Zeit verplempern. Bei über einer Stunde Spielzeit pro Einsatz kann durch schnelles Ableben verursachtes Neuladen allemal mit zwei realen Stunden gerechnet werden.
Fazit: Gut, dass die Entwickler diesem eigensinnigen Spielprinzip des Ego-Schleichers treu geblieben sind. Hier ist eine gelungene Fortsetzung mit sinnvollen Verbesserungen entstanden. Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad wieder enorm. Die erforderliche Vorsicht nimmt viel Zeit und Geduld in Anspruch.