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Web-Scoring: Und der Kunde wird gläsern

Internet-Händler bewerten vorab die Zahlungsfähigkeit potenzieller Kunden. Wer in einer teuren Gegend wohnt, hat es leichter beim Einkauf im Netz. Wie die Zeitschrift Online Today in ihrer am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, bewerten immer mehr Online-Händler die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden vor dem Kauf.
/ Jens Ihlenfeld
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Je nach Wohnort, Alter oder Beruf wird der ahnungslose Kaufwillige bei Eingabe seiner Daten innerhalb von Sekunden als "guter" oder "schlechter" Kunde eingestuft. Während "gute" Kunden auf Rechnung einkaufen dürfen, müssen "schlechte" zunächst mehrfach per Nachnahme oder Kreditkarte bezahlen, bis sie zu den "guten" Kunden aufsteigen, so Online Today.

In einer Scoring-Software sei zum Beispiel jeder gespeichert, der sich schon mal ein Inkasso-Verfahren eingehandelt hat, also mutmaßlich eine schlechte Zahlungsmoral besitzt. Zusätzlich ist jede einzelne Straße in Deutschland bewertet. Dabei wird anhand ihrer Lage und des Zustandes der Häuser auf die Kaufkraft ihrer Bewohner geschlossen.

Thomas Schulte-Hürmann, Geschäftsführer von Primus-Online, setzt in seiner E-Mall voll auf Scoring: "Unsere Zahlungsausfälle liegen bei einer Quote von unter einem Prozent der Umsätze. Von Wettbewerbern, die Scoring nicht anwenden, weiß ich, dass die Ausfälle bei zehn Prozent und mehr liegen" , so Schulte-Hürmann gegenüber dem Magazin.

Wer vermeiden will, dass über ihn Scoring-Daten existieren, sollte bei Gewinnspielen, Mailings, Telefon- oder Straßenumfragen keine persönlichen Angaben machen. Wie Hartmut Strube, Jurist der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, gegenüber Online Today ausführt, lassen alle diese Angaben die Datenakte legal anwachsen.

Die Folge: Firmen, die sich ganze Datenbanken kaufen, bombardieren den Kunden gezielt mit Werbung.


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