Amiga stellt Entwicklersystem vor - Red Hat als Partner
Die Hardware des ab diesem April erhältlichen Entwicklersystems umfasst einen mit 500MHz getakteten AMD-K6-2-Prozessor, 64MB SDRAM und eine GeForce256-Grafikkarte. Die Entwicklungsumgebung läuft derzeit unter Red Hat Linux und soll auf jedem PC einsetzbar sein; allerdings gibt es nur Support für diejenigen, die das Entwicklersystem auch von Amiga erstanden haben. Die Unterstützung von Seiten der Entwickler scheint Amiga jetzt schon sicher zu sein, da bereits jetzt die Portierung von 100 gebräuchlichen alten Amiga-Anwendungen angekündigt wurde.
Erst gegen Ende des Jahres sollen die Consumer-Maschinen folgen, auf denen das schlanke von Tao programmierte Amiga-Betriebssystem laufen soll. Der auf Taos Elate-Betriebssystem basierende Kernel soll nur 25KB groß sein. Mit aufgesetzter und damit austauschbarer bzw. modifizierbarer GUI und Java-Unterstützung soll das Betriebssystem gerade einmal 3MB RAM benötigen. Entsprechend fix dürften die Anwendungen sein, die dank des Betriebssystems ohne Recompilierung auf unterschiedlichster Hardware laufen sollen – damit eignet sich die Amiga-Plattform sowohl für übliche Desktop-Systeme als auch für Internet-Appliances.
Linux soll übrigens nicht nur als Basis für das Entwicklersystem gelten, sondern eine wichtigere Rolle spielen. So sollen 26 verschiedene Linux-Distributionen in Zukunft Amigas neuen "Consumer Application Layer" unterstützen und einen Standard für Anwendungsoberflächen bzw. -schnittstellen schaffen. Zukünftige Corel-Linux-Anwendungen sollen sogar von Hause aus eine Amiga-Benutzeroberfläche erhalten.
Als strategische Partner hat Amiga Sun und Red Hat gewonnen, ob dem allerdings so viel Bedeutung zugemessen werden sollte, ist fraglich. Schließlich ist Sun von jedem strategischer Partner, der Java unterstützt. Welche Rolle Red Hat spielt, ist noch nicht ganz klar – Gerüchte zu einer Beteiligung an oder gar einer Übernahme von Amiga Inc. sind zumindest schon im Netz zu finden. Weitere Partnerschaften sollen folgen.
Amiga peilt zwei verschiedene Märkte an, die mit der skalierbaren und flexiblen neuen Plattform abgedeckt werden sollen: Für den "Digitalen Abenteurer", der dem Bild des Amiga-Nutzers entspricht, soll es eine leistungsfähige Hard- und Softwareplattform geben, die Fantasie und Kreativität fordert. Für den Heimbereich sollen spezielle Geräte geschaffen werden, die ihren vorbestimmten Zweck erfüllen und auch von Computer-unerfahrenen Nutzern spielend bedient werden können.
Kommentar:
Die neue Amiga-Plattform soll alle bisherigen Betriebssysteme in der Skalierbarkeit schlagen – schließlich muss nur der Betriebssystem-Kernel an die jeweilige Prozessor-Architektur angepasst werden, da die Anwendungen auf einem virtuellen Prozessor laufen und von der Hardware im Prinzip abgeschottet sind. Doch wird Amiga nicht für sämtliche Hardware-Konfigurationen entsprechende Treiber liefern können. Wieviel dann noch von der Skalierbarkeit übrig bleibt, muss sich zeigen. Sicher ist, dass Amiga die Hardware-Plattform wechseln kann, ohne dass erst sämtliche Anwendungen neu geschrieben werden müssten.



